Wie geht die Berechnung des Cash Flows und warum ist sie wichtig?

Lesezeit: 5 min
Die Berechnung des Cash Flow ist wichtig für Unternehmen, damit sie ihre liquide Situation beurteilen.

Die Berechnung des Cash Flow ist wichtig für Unternehmen, damit sie ihre liquide Situation beurteilen und bestmöglich für die Zukunft planen können. Wir zeigen Ihnen hier, welche Cash Flow-Größen es gibt, wie man sie berechnet, und welche Rolle die Ermittlung dieser Kennzahlen für Unternehmen spielt.

Berechnung: Cash Flow ermitteln mit verschiedenen Methoden

Berechnung des Cash Flow: Direkte Methode

Die direkte Methode zur Berechnung des Cash Flow ist die genaueste. Bei ihr werden direkt die Einzahlungen und Auszahlungen, wie sie auf den Bankkonten stattfinden, einander gegenübergestellt. Dies kann auf Monats-, Wochen- oder Tagesbasis erfolgen.

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Bei der Berechnung auf Monatsbasis verrechnet man zum Beispiel sämtliche eingehenden Transaktionen, die in einem bestimmten Monat stattgefunden haben, mit den ausgehenden Transaktionen im selben Zeitraum:

Cash Flow (direkt) = Einzahlungen in einem Monat – Auszahlungen in einem Monat

Das Ergebnis der obigen Formel kann positiv oder negativ sein: Positiv bedeutet, dass mehr Einzahlungen als Auszahlungen im jeweiligen Monat stattfanden und man somit einen Cash-Überschuss hat; negativ bedeutet, dass die Auszahlungen höher waren als die Einzahlungen, sodass ein Cash-Defizit entstanden ist.

Verrechnet man die monatlichen Salden immer mit den Anfangssalden der jeweiligen Monate, erhält man den gesamten Cash, den man derzeit zur Verfügung hat. Man spricht auch von Liquidität:

Gesamter Cash im aktuellen Monat = Cash im vorherigen Monat + Cash im aktuellen Monat

Berechnung des Cash Flow: Indirekte Methode

Die indirekte Methode zur Berechnung des Cash Flow wird meist nur am Jahresende angewendet, wenn der Jahresabschluss gemacht wird. Zuerst müssen nämlich einige Kennzahlen aus der Gewinn- und Verlustrechnung sowie aus der Bilanz vorliegen, damit man die indirekte Methode anwenden kann. Dabei rechnet man aus dem Jahresüberschuss sämtliche Erträge und Aufwendungen heraus, die nicht zahlungswirksam sind, d.h. kein Cash.

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Herausgerechnet werden somit:

Aufwendungen

• Abschreibungen • Erhöhungen von Rückstellungen • Einstellungen von Rücklagen • Bestandsminderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen • Periodenfremde und außerordentliche Aufwendungen

Erträge

• Zuschreibungen • Auflösung von Rückstellungen • Entnahmen von Rücklagen • Periodenfremde und außerordentliche Erträge

Die Formel für die indirekte Cash Flow-Methode lautet dann:

Cash Flow (indirekt) = Jahresüberschuss – zahlungsunwirksame Erträge + zahlungswirksame Aufwendungen

Berechnung des Cash Flow: Beispiel

Ein Unternehmen hat in seiner Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung folgende Werte ermittelt:

• Jahresüberschuss: 40.000€ • Abschreibungen auf das Anlagevermögen: 50.000€ • Gewinnrücklagen: 10.000€ • Erhöhung von Rückstellungen: 30.000€ • Minderung von Rückstellungen: 20.000€ • Cash am Anfang des Geschäftsjahres: 70.000€

Der Cash Flow beträgt damit:

Cash Flow = 40.000€ + 50.000€ + 10.000€ + 30.000€ - 20.000€ = 110.000€

Für den gesamten Cash am Ende des Geschäftsjahres ergibt sich:

Gesamter Cash = 70.000€ + 110.000€ = 180.000€

Berechnung: Cash Flow Formel für verschiedene Cash Flow-Arten

Berechnung des Cash Flow aus operativer/laufender Geschäftstätigkeit

Der Cash Flow aus operativer Geschäftstätigkeit entspricht dem Cash Flow, der bereits im vorherigen Abschnitt im Rahmen der indirekten Methode vorgestellt wurde. Er stellt den Teil des Cash Flow dar, der zur Finanzierung der laufenden Geschäftstätigkeit genutzt wird:

Operativer Cash Flow = Jahresüberschuss – zahlungsunwirksame Erträge + zahlungswirksame Aufwendungen

Berechnung des Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit

Der Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit fasst die Ein- und Auszahlungen zusammen, die im Zusammenhang mit der Erhöhung oder Minderung des Eigen- und Fremdkapitals stehen. Er gibt an, wie der operative Bereich eines Unternehmens finanziert wird:

Cashflow aus Finanzierungstätigkeit = Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen und Zuschüssen durch Geldgeber – Auszahlungen an Geldgeber + Einzahlungen aus Krediten – Auszahlungen für Kredittilgungen

Unter Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen und Zuschüssen durch Geldgeber fallen zum Beispiel Zuschüsse durch Gesellschafter, wenn das Stammkapital erhöht wird, oder wenn eine AG Aktien herausgibt, um ihr Eigenkapital zu erhöhen.

Auszahlungen an Geldgeber sind zum Beispiel Gewinnausschüttungen an Gesellschafter oder Dividendenzahlungen an Aktionäre.

Einzahlungen aus Krediten und Auszahlungen für Kredittilgungen fassen sämtliche Geldströme zusammen, die mit dem Bezug von Darlehen und dem Tilgen von Kreditschulden in Verbindung stehen.

Berechnung des Cash Flow aus Investitionstätigkeit

Im Cash Flow aus Investitionstätigkeit sind alle Cash Flows enthalten, die im Zusammenhang mit Investitionen stehen. Das können sowohl Investitionen in Sachanlagen als auch Investitionen in Finanzanlagen sein:

Cash Flow aus Investitionstätigkeit = Einzahlungen aus Verkauf von Finanzanlagen + Einzahlungen aus Verkauf von Sachanlagen – Auszahlungen für Kauf von Sachgütern – Auszahlungen für Investition in Finanzanlagen

Unter Einzahlungen aus Verkauf von Finanzanlagen fällt zum Beispiel der Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren. Einzahlungen aus Verkauf von Sachanlagen generiert ein Unternehmen, wenn es z.B. eine Maschine oder ein Fahrzeug auf dem Gebrauchtmarkt verkauft.

Auszahlungen für Kauf von Sachgütern entstehen dann, wenn ein Unternehmen in sein Anlagevermögen investiert und z.B. neue Maschinen oder Inventar anschafft, seinen Standort vergrößert oder anderweitig expandiert.

Auszahlungen für Investition in Finanzanlagen finden dann statt, wenn das Unternehmen einen Teil seines Cash in Wertpapiere oder andere Kapitalanlagen investiert.

Warum ist die Berechnung des Cash Flow so wichtig?

Mit Cash wird das laufende Geschäft eines jeden Unternehmens finanziert. Somit ist der Cash Flow in all seinen verschiedenen Unterarten eine sehr wichtige Kennzahl, denn er gibt die liquide Situation des Unternehmens an. Das ist nicht nur für Investoren und andere Geldgeber interessant, sondern auch für Unternehmensverantwortliche.

Indem man den Cash Flow berechnet, sieht man beispielsweise, wie hoch die aktuellen Cash-Reserven sind, die man für Investitionen zur Verfügung hat. So lassen sich Investitionen genau planen und die liquiden Mittel zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Stellen lenken.

Ein Unternehmen, welches die Berechnung des Cash Flow ernstnimmt, reduziert seine Anfälligkeit für Liquiditätsengpässe und wirtschaftet effizienter, was sich in einem höheren Umsatz, niedrigeren Kosten und einer größeren Wettbewerbsfähigkeit bemerkbar macht.


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