Cashflow: Definition, Berechnung und Interpretation

Cashflow – noch so ein Anglizismus, unter dem man sich alles und nichts vorstellen kann. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären Ihnen alles Wichtige, was Sie über den Cashflow wissen müssen. Eins sei vorweg schon gesagt: Wenn Sie begriffen haben, wie er funktioniert und wie man ihn überwacht, werden Sie Ihr Liquiditätsmanagement auf den nächsten Level heben und Ihr Unternehmen noch erfolgreicher machen.

Inhalt

Cashflow: Definition

„Cashflow“ ist ein Begriff angelsächsischen Ursprungs, dem im Deutschen der Begriff „Liquiditätsstrom“ entspricht. Die Definition ist daher recht einfach: Der Cashflow ist ein Maß für die Netto-Liquiditätsströme innerhalb eines Unternehmens (Liquiditätszu- und -abflüsse). Im Englischen nennt man Liquiditätszuflüsse „Cash in“, Abflüsse „Cash out“. Diese werden oft in einer Tabelle aufgelistet, die dann zur Erstellung eines Liquiditätsplans verwendet wird. Zusätzlich gibt es noch einige Unterarten, die jeweils spezifische Geldströme meinen:

  • Operativer Cashflow (OCF): Er gibt den Überschuss an, der durch die eigene Tätigkeit des Unternehmens aus Umsätzen erwirtschaftet wird.
  • Cashflow aus Investitionstätigkeiten (CFI): Er umfasst Mittelabflüsse aus dem Erwerb von Anlagevermögen, abzüglich der Mittelzuflüsse aus der Veräußerung von Anlagevermögen.
  • Cashflow aus Finanzierungstätigkeit (CFF): Er enthält alle Zu- und Abflüsse im Zusammenhang mit Finanzierungen, etwa Kapitaleinlagen, Dividendenzahlungen, ausgegebene und zurückgezahlte Darlehen, Kontokorrentkredite von Aktionären usw.
  • Free Cashflow: Er fasst alle liquiden Mittel zusammen, die dem Unternehmen zur freien Verfügung stehen.
  • Positiver Cashflow: Ist der Cashflow positiv (mehr Mittelzuflüsse als -abflüsse), dann ist die Cash-Position des Unternehmens im Überschuss, das heißt es kann seine Schulden begleichen, Dividenden zahlen oder Geld investieren.
  • Negativer Cashflow: Ist der Cashflow negativ (mehr Abflüsse als Zuflüsse von Liquidität), dann erwirtschaftet Ihr Unternehmen ein Defizit, was bedeutet, dass dem Unternehmen frische Mittel zugeführt werden oder zu hohe Belastungen auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Hält der Zustand eines negativen Cashflows über einen längeren Zeitraum an, droht früher oder später die Zahlungsunfähigkeit.

Abgrenzung zur Eigenfinanzierungsfähigkeit

Wegen falschen Sprachgebrauchs wird der Ausdruck Cashflow oft mit „Eigenfinanzierungsfähigkeit“ verwechselt, aber das ist nicht genau dasselbe. Die Eigenfinanzierungsfähigkeit (EFF) misst die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Betriebszyklus selbst zu finanzieren und Wohlstand zu generieren. Es handelt sich um einen potenziellen Strom, während Cashflows tatsächliche Ströme sind.

Konkreter formuliert, ist die Eigenfinanzierungsfähigkeit ein „potenzieller“ Liquiditätsüberschuss, bei dem die zeitliche Verzögerung zwischen Kunden- und Lieferantenzahlungen nicht berücksichtigt ist. Numerisch gesehen ist es die Veränderung des Betriebskapitalbedarfs (WCR), über die wir von einem potenziellen Fluss zu einem tatsächlichen Fluss gelangen. Diese Differenz wird schließlich in der folgenden Berechnung zusammengefasst:

Operativer Cashflow (OCF) = Eigenfinanzierungsfähigkeit (EFF) +/- Veränderung des Betriebskapitalbedarfs

Wenn Ihnen diese Begriffe noch immer unklar sind: keine Angst! Wir erklären die Berechnung in diesem Artikel später noch ausführlich.

Cashflow berechnen – wozu?

Möglicherweise fragen Sie sich, wozu Sie die Geldströme in Ihrem Unternehmen überhaupt berechnen sollten. Hier einige Vorteile, die diese Berechnung mit sich bringt:

  • Sicherung der langfristigen Zahlungsfähigkeit Ihres Unternehmens: Die Berechnung des Cashflows ermöglicht es Ihnen, die wirtschaftliche Gesundheit Ihres Unternehmens zu beurteilen und mögliche Probleme vorauszusehen, die auftreten können. Auf diese Weise können Sie leichter vorbeugend handeln, bevor es zu Komplikationen kommt. Ein gutes Liquiditätsmanagement kann daher die Risiken, die Sie eingehen, erheblich verringern.
  • Einsparungen erzielen: Mit einem klaren Konzept für Ihr Cashflow-Management können Sie auch unnötige Belastungen identifizieren, um sie loszuwerden. Ihre Liquiditätstabelle wird Ihnen von großem Nutzen sein, um Ihre Liquiditätsüberschüsse einzuschätzen und gegebenenfalls anzulegen, um auf lange Sicht Zinsen einzustreichen. Auf diese Weise können Sie eine Rücklage bilden, die es Ihrem Unternehmen ermöglicht, im Falle punktueller Probleme (z.B. verspätete Kundenzahlungen) seine Tätigkeit fortzusetzen und insbesondere Investitionen in die Zukunft zu finanzieren.
  • Kontrolle Ihrer Beziehungen zu Ihren Banken und Investoren: Da der Cashflow die Fähigkeit eines Unternehmens widerspiegelt, Investitionen aus dem operativen Geschäft zu finanzieren und Dividenden an die Aktionäre auszuschütten, ist ein präzises und zuverlässiges Berichtswesen unerlässlich, um bei etwaigen Verhandlungen das Vertrauen Ihrer Partner zu gewinnen.

Cashflow-Rechnung: Die Formeln in der Übersicht

Je nach Betrachtungsweise kommen verschiedene Formeln zur Cashflow-Berechnung zum Einsatz. Diese stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

  • Operativer Cashflow (OCF) OCF = Eigenfinanzierungsfähigkeit (EFF) +/- Veränderung des Betriebskapitalbedarfs

Beachten Sie hier, dass Sie für diese Berechnung vorher Ihre EFF bewerten müssen: Eigenfinanzierungsfähigkeit (EFF) = Nettogewinn + Abschreibungen und Amortisationen + Rückstellungen - außerordentliche Erträge

Hinzu kommt die Berechnung Ihres Betriebskapitalbedarfs (WCR): Betriebskapitalbedarf (WCR) = Umlaufvermögen - kurzfristige Verbindlichkeiten

Mit mehr Berechnungsdetails gelangen wir zur Formel: OCF = Nettogewinn + Abschreibungen + Rückstellungen - außerordentliche Erträge + Umlaufvermögen - kurzfristige Verbindlichkeiten

  • Cashflow aus Investitionstätigkeiten (CFI) Zur Berechnung des CFI werden sämtliche Einnahmen und Ausgaben, die im Rahmen von Investitionen während eines bestimmten Zeitraums angefallen sind, einander gegenübergestellt:

CFI = - Erwerb von immateriellen und materiellen Anlagegütern - Erwerb von Unternehmen (Kapitalbeteiligungen) + Veräußerungen von immateriellen und materiellen Anlagegütern + Veräußerungen von Unternehmen (Kapitalbeteiligungen)

  • Cashflow aus Finanzierungstätigkeit (CFF) Sämtlich Einnahmen und Ausgaben, die bei der Finanzierungstätigkeit anfallen, werden zur Berechnung des CFF einander gegenübergestellt:

CFF = Kapitalerhöhung + mittel- und langfristige Anleihen - Rückzahlung mittel- und langfristiger Anleihen +/- Veränderung der von den Aktionären gewährten Darlehen - Dividendenausschüttungen

  • Free Cashflow (verfügbare Liquidität) Möglicherweise möchten Sie auch die verfügbare Liquidität beurteilen, d.h. die nach der Veräußerung von Vermögenswerten, eventuell getätigten Investitionen, dem Bedarf an Betriebskapital (WCR) und Betriebssteuern verbleibende Liquidität. So wird sie berechnet:

Free Cashflow (verfügbare Liquidität) = OCF + CFI

Nützliche Cashflow-Kennzahlen

Die Berechnung des Cashflows ist umso interessanter, als auf dieser Basis auch der Wert anderer Indikatoren ermittelbar ist, die für das Unternehmen ebenso relevant sind. Hier die wichtigsten Kennzahlen, die Sie berechnen müssen, je nachdem, welche Information Sie benötigen:

  • Cashflow/Umsatz-Verhältnis: Es zeigt die Rentabilität eines Unternehmens (je höher das Verhältnis, desto mehr kann das Unternehmen seine Verkäufe in Liquidität umwandeln).
  • Cashflow/Schulden-Verhältnis: Es beurteilt die Solvenz eines Unternehmens (je größer der Quotient, desto weniger belasten Verbindlichkeiten die Liquidität des Unternehmens).
  • Cashflow/Börsenwert-Verhältnis: Es bewertet die Rentabilität einer Investition.
  • Cashflow/Eigenkapital-Verhältnis: Diese Relation gibt die Netto-Eigenkapitalrendite an.

Bedeutung des Cashflows

Die Liquiditätstabelle ist ein unentbehrliches Instrument zur Führung eines Unternehmens. Es genügt aber nicht, sie zu erstellen, man muss die Ergebnisse auch interpretieren können. Bevor Sie mit der Analyse Ihres Cashflows beginnen, vergewissern Sie sich, dass Sie die verschiedenen Arten von Liquiditätsströmen identifiziert haben, die wir zuvor in diesem Artikel unterschieden haben.

  • Analyse des operativen Cashflows (OCF): Der OCF ist der Umsatz des Unternehmens ohne Investitions- und Finanzierungstätigkeiten. Dieser Überschuss drückt den Wert des durch das Unternehmen erwirtschafteten Vermögens aus. Daher ist diese Berechnung für ein Unternehmen unentbehrlich, um Darlehen zurückzuzahlen und einen Teil der Investitionen selbst zu finanzieren sowie Dividenden auszuschütten etc. Denken Sie stets daran, diese Ströme zu kontrollieren, um Ihren möglichen Mangel an Ressourcen zur Deckung dieser Ausgaben antizipieren zu können.
  • Analyse des Cashflows aus Investitionstätigkeiten (CFI): Der CFI gibt die Investitionsaufwendungen für den Berichtszeitraum an. Dieser Wert ist je nach Branche unterschiedlich zu interpretieren: Wenn Sie in einer nicht sehr kapitalintensiven Dienstleistungsbranche tätig sind, wird dieser Fluss geringer sein als etwa in der Schwerindustrie. Hinzu kommt, dass die Investitionsausgaben auch innerhalb eines Unternehmens nicht immer linear verlaufen. Tatsächlich kann Ihr Unternehmen investieren, wenn sich eine neue Chance auftut, und umgekehrt kann es mehr oder weniger unerwartete große Ausgabe tätigen. Daher muss dieser Fluss auch im Blick behalten werden, um Ihre Reaktion auf Zwischenfälle zu antizipieren.
  • Analyse des Cashflows aus Finanzierungstätigkeit (CFF): Der CFF wiederum gibt die Finanzierungsentscheidungen des Unternehmens wieder: Ströme mit den Aktionären (Kapitalerhöhung und Dividendenzahlungen, Girokonten der Gesellschafter) und Ströme mit den Kreditgebern (ausgegebene und zurückgezahlte Darlehen).

Das sagt Ihnen Ihre Liquiditätstabelle

Die Finanzanalyse auf der Basis Ihrer Liquiditätstabelle erfolgt in mehreren Schritten und verschafft Ihnen einen globalen Überblick, indem Sie die aufgeführten Ströme nacheinander auswerten:

  • Ihre Eigenfinanzierungsfähigkeit zeigt die Rentabilität Ihres Unternehmens an
  • Der OCF hilft Ihnen beim Management Ihres Betriebskapitalbedarfs
  • Der CFI misst die Höhe von Kapitalinvestitionen
  • Ihre Rückzahlungen auf mittel-/langfristige Darlehen gibt Ihnen bei Ihren Finanzierungsentscheidungen eine solide Datengrundlage
  • Der CFF ermöglicht es Ihnen, die Aktionärsvergütungen sicherzustellen

Mit dem Pflegen und regelmäßigen Aktualisieren einer Liquiditätstabelle überwachen Sie auf Dauer Ihren Cashflow.

Cashflow-Prognose – Wie geht man dabei vor?

Das Erstellen von Cashflow-Prognosen, ist unerlässlich, um potenzielle Probleme vorauszusehen, die Entwicklung Ihres Unternehmens mit Gelassenheit zu planen und die Kosten zu reduzieren, die das Unternehmen belasten und an seiner Rentabilität nagen.

  • Einnahmen und Ausgaben identifizieren und kategorisieren: Erstellen Sie eine Liste, in der Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben zu verschiedenen Kategorien zusammenfassen. Sie können möglicherweise unterscheiden zwischen Zahlungen, die Kunden betreffen, und denen, die Ihre Lieferanten betreffen. Des Weiteren auch zwischen Beihilfen und Zuschüssen, Darlehen und Finanzierungen usw.
  • Beträge erfassen: Nach der Auflistung der Kategorien besteht der nächste Schritt darin, die Beträge für jede Position des Mittelzuflusses und -abflusses einzugeben. Um sich einen globaleren Überblick zu verschaffen, können Sie Ihre bisherigen Ausgaben zurückverfolgen, um eine Zusammenfassung Ihrer monatlichen Liquiditätsströme über den betrachteten Zeitraum zu erhalten.
  • Zahlungsfristen berücksichtigen!: Achtung, in dieser Phase muss besonders auf die Zahlungsfristen geachtet werden: Ziel ist es, die Beträge in dem Monat zu verbuchen, in dem das Geld tatsächlich eingeht (oder gezahlt wird). Nicht zum Zeitpunkt der Feststellung der Forderung (oder Schuld).
  • Prognose erstellen: Nach diesen Vorarbeiten können Sie nun Ihre Liquiditätsprognose erstellen. Listen Sie zu Beginn alle Ihre wiederkehrenden Ein- und Ausgaben auf, z.B. fixe Gebühren. Dann können Sie Ihre variablen Ströme auf der Grundlage vergangener Ströme schätzen und sie entsprechend, der von Ihnen erwarteten Entwicklung, anpassen. Hierzu müssen Sie sicherlich verschiedene Szenarien entwickeln.

Cashflow automatisiert berechnen

All diese Arbeiten können manuell auf Plattformen wie Excel erledigt werden. Um aber verlässliche Liquiditätsprognosen zu erstellen und gleichzeitig wertvolle Zeit zu sparen, setzen immer mehr Unternehmen heute Cash-Management-Software ein. Das Liquiditätsmanagement erfolgt reibungslos und automatisch, was Ihnen Mühe und Stress erspart.

Denken Sie daran, dass der Cashflow die Lunge Ihres Unternehmens und damit ein Thema ist, das Sie auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen dürfen.

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