Was sagt der Cash Flow aus Investitionstätigkeit aus?

Lesezeit: 4 min
Der Cash Flow aus Investitionstätigkeit gibt an, wie hoch die Ein- und Auszahlungen sind, die bei einem Unternehmen im Rahmen von getätigten Investitionen entstehen.

Der Cash Flow aus Investitionstätigkeit zeigt die Mittelzu- und -abflüsse an, die in Verbindung mit einer Investition stehen. Zur Ermittlung des Free Cash Flow ist er zudem eine notwendige Kennzahl. Wie man ihn berechnet und interpretiert, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Cash Flow aus Investitionstätigkeit: Definition

Der Cash Flow aus Investitionstätigkeit gibt an, wie hoch die Ein- und Auszahlungen sind, die bei einem Unternehmen im Rahmen von getätigten Investitionen entstehen. Der Saldo, also die Differenz zwischen diesen Ein- und Auszahlungen, gibt Auskunft darüber, ob das Unternehmen mit seiner Investition positive oder negative Mittelrückflüsse hat.

Bei dem Cash Flow aus Investitionstätigkeit handelt es sich deshalb um eine spezielle Form des Cash Flows, mit dem sich in Verbindung mit anderen Cash Flow-Größen noch weitere Kennzahlen berechnen lassen.

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Abgrenzung zum Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit

Manchmal wird der Cash Flow aus Investitionstätigkeit mit dem aus Finanzierungstätigkeit verwechselt. Letzterer bezieht sich jedoch nur auf Kapitalflüsse, die im Rahmen von Eigenkapitaländerungen entstehen, z.B. durch Kapitalerhöhungen bei der Emission von Aktien oder Kapitalminderungen durch die Ausschüttung von Dividenden.

Cash Flow aus Investitionstätigkeit berechnen

Den Cash Flow aus Investitionstätigkeit berechnet man über die direkte Methode, indem man sämtliche Einzahlungen und Auszahlungen, die in Verbindung mit einer Investition stehen, miteinander verrechnet:

Cash Flow aus Investitionstätigkeit = Einzahlungen für Sachanlagen + Einzahlungen für Finanzanlagen – Auszahlungen für Sachanlagen – Auszahlungen für Sachanlagen

Ein Unternehmen, das in mehrere Sachanlagen oder Finanzanlagen investiert, kann mit obiger Formel auch separat für jede Investition einen Cash Flow ermitteln und diese dann zu einem Gesamt-Cash Flow zusammenzählen. Auch die Trennung zwischen Sach- und Finanzinvestitionen ist möglich, und für eine spätere Analyse sinnvoll.

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Cash Flow aus Investitionstätigkeit: Beispiel

Ein Unternehmen stellt Radiergummis her. Im Rahmen einer Unternehmensmodernisierung investiert es zum Jahresanfang in eine neue Maschine für die Herstellung von Radiergummis. Die alte Maschine wird verkauft. Zudem legt es auch einen Teil seines Geldes am Kapitalmarkt an, wo es eine Rendite erzielt.

Die Kosten und Einnahmen teilen sich wie folgt auf:

  • Kosten für neue Radiergummi-Maschine: 60.000€
  • Ertrag für den Verkauf der alten Maschine: 10.000€
  • Investition am Kapitalmarkt: 20.000€
  • Rendite durch Finanzanlage am Jahresende: 2.000€

Anhand der obigen Formel rechnen wir nun:

Cash Flow aus Investitionstätigkeit = 10.000€ + 2.000€ - 20.000€ - 60.000€ = - 68.000€

Im nächsten Jahr steht keine Investition in Sachanlagen an. Die Finanzanlage bleibt erhalten und generiert bis zum Jahresende weitere 2.000€ an Rendite. Der Cash Flow aus Investitionstätigkeit beträgt dann +2.000€.

Zusammenhang mit dem Free Cash Flow

Der Cash Flow aus Investitionstätigkeit spielt eine wichtige Rolle bei der Berechnung des Free Cash Flow. Letzterer repräsentiert sämtliche liquiden Mittel, die ein Unternehmen zur freien Verfügung hat, um beispielsweise Dividenden oder Gewinn auszuschütten, oder um Kredite zu tilgen:

Free Cash Flow = Operativer Cash Flow + Cash Flow aus Investitionstätigkeit

Die Kosten aus Investitionen werden dabei also vom operativen Cash Flow abgezogen.

Beispiel

Nehmen wir wieder unser Beispiel von oben: Das Radiergummi-Unternehmen hat im Jahr, in dem die Investitionen getätigt werden, einen operativen Cash Flow von 70.000€. Im Jahr darauf einen operativen Cash Flow von 120.000€, der auf höhere Einnahmen durch die Modernisierungsmaßnahmen zurückzuführen ist.

Wir rechnen den Free Cash Flow dann so aus:

Jahr 1 Free Cash Flow = 70.000€ - 68.000€ = 2.000€ Jahr 2 Free Cash Flow = 120.000€ + 2.000€ = 122.000€

Cash Flow aus Investitionstätigkeit: Interpretation

Negativer & positiver Cash Flow aus laufender Investitionstätigkeit

Am obigen Beispiel haben wir gesehen, dass das Tätigen einer Investition erstmal ein großes Loch in den Cash Flow reißt. Bei umfangreichen Investitionen ist es nicht ungewöhnlich, dass er negativ wird. Dies ist kein schlechtes Zeichen, denn es zeigt lediglich, dass das Unternehmen in sein Wachstum investiert. Falls keine Fehlinvestition getätigt wurde, wird die Investition in den Folgejahren zur Umsatzsteigerung beitragen, wodurch auch der operative Cash Flow des Unternehmens wächst.

Ein großer positiver Cash Flow aus Investitionstätigkeit kann mehrere Ursachen haben: Handelt es sich um Finanzanlagen, kann das darauf hindeuten, dass die Investition eine gute Rendite erwirtschaftet – ein positives Zeichen. Der Cash Flow kann jedoch auch deswegen positiv sein, weil sich das Unternehmen von Sachanlagegegenständen trennt und keine Investitionen mehr tätigt. Möglicherweise musste es einen Teil seines Vermögens liquidieren, um einen Engpass abzuwenden.

Ob ein negativer bzw. ein positiver Cash Flow aus Investitionstätigkeit als gut oder schlecht zu bewerten ist, kommt also immer auf die jeweiligen Umstände im Unternehmen an. Deswegen ist er nur aussagekräftig, wenn er im Verbund mit anderen Kennzahlen betrachtet wird.


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