Erweiterungsinvestition: Was ist darunter zu verstehen?

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Mit einer Erweiterungsinvestition bauen Unternehmen ihr Sachanlagevermögen und damit ihre Produktionskapazität aus.

Mit einer Erweiterungsinvestition bauen Unternehmen ihr Sachanlagevermögen und damit ihre Produktionskapazität aus. Bei diesen Investitionen handelt es sich oft um hohe Kostenpunkte, weshalb sie gut überlegt und geplant sein wollen. Erfahren Sie hier, was man genau unter einer Erweiterungsinvestition versteht und welche Rolle sie für Unternehmen spielen.

Erweiterungsinvestition: Definition

Unter der Erweiterungsinvestition versteht man in der Betriebswirtschaftslehre die Investition in das Sachanlagevermögen eines Unternehmens. Mit ihr wird die Betriebskapazität erhöht. Wenn im Rahmen dieser Erhöhung auch neue Arbeitskräfte eingestellt werden müssen, zählt auch dies zur Erweiterungsinvestition.

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Beispiel für die Erweiterungsinvestition

Ein Unternehmen verfügt über eine Produktionsanlage, deren Kapazität im Moment ausgeschöpft ist. Das heißt, sie produziert die maximale Anzahl an Produkten und ist vollständig ausgelastet.

Das Unternehmen hat jedoch eine große Nachfrage nach seinen Produkten. Nun steht die Überlegung im Raum, entweder eine neue Produktionsanlage anzuschaffen, die eine größere Produktionskapazität hat, oder eine zweite Anlage zu erwerben. Bei der letzteren Möglichkeit müsste das Unternehmen zusätzlich auch noch die Produktionshalle erweitern.

In beiden Fällen handelt es sich um eine Erweiterungsinvestition, da das Unternehmen vorhat, in Sachanlagen zu investieren, um seine Produktionskapazität zu erhöhen. An diesem Beispiel sieht man auch, dass Erweiterungsinvestitionen mit einem höheren Risiko verbunden sind, da man häufig große Summen aufbringen muss. Das Unternehmen muss sich also gut überlegen, ob es eine neue, bzw. eine zweite Anlage erwirbt, damit es keine Fehlinvestition macht.

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Abgrenzung zur Ersatzinvestition

Während die Erweiterungsinvestition dazu dient, die bestehenden Kapazitäten eines Betriebs auszubauen, spricht man von einer Ersatzinvestition, wenn man veraltete Geräte durch neue ersetzt.

Beim obigen Beispiel könnte man also auch sagen, wenn sich das Unternehmen für eine neue Maschine entscheidet, um die alte zu ersetzen, ist dies eine Ersatzinvestition. Das Anschaffen einer zweiten Anlage ist eine Erweiterungsinvestition, wenn die alte Anlage weiterhin betrieben wird. Es gibt also durchaus oft Überschneidungen bei den verschiedenen Investitionsarten.

Gründe für die Erweiterungsinvestition

Die Gründe für eine Erweiterungsinvestition können zahlreich sein. Grundsätzlich investiert ein Unternehmen nur, wenn eine hohe bzw. eine steigende Nachfrage dies erforderlich macht oder abgeschätzt werden kann, dass sich der Markt positiv entwickeln wird und durch die Investition mit einer Gewinnsteigerung gerechnet werden kann.

Führt die Investition im Laufe der Zeit zu geringeren Kosten, kann sich ein Unternehmen ebenfalls überlegen, eine Erweiterungsinvestition zu tätigen. Wenn beispielsweise der Verschleiß einer Maschine, die immer am Anschlag läuft, zu hoch wird, kann deren Kapazität heruntergefahren werden und zusätzlich eine zweite in Betrieb genommen werden.

Möchte ein Unternehmen neue Produkte herstellen, die mit den bisherigen Maschinen nicht produziert werden können, ist ebenfalls eine Erweiterungsinvestition nötig. Je nach aktuellem Zinsniveau kann sich eine Erweiterungsinvestition auch zu einem früheren Zeitpunkt lohnen, wenn dafür günstigere Kreditkonditionen wahrgenommen werden können.

Wann investieren Unternehmen in ihr Sachanlagevermögen?

Zur Beurteilung, ob ein guter Zeitpunkt für eine Erweiterungsinvestition vorliegt oder nicht, schauen sich Unternehmen die sogenannte Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals ein. Basierend darauf treffen sie dann ihre Investitionsentscheidung. Dabei vergleicht man die Rendite, die man von der Investition erwartet mit einer alternativen Anlage des Geldes am Kapitalmarkt.

Ist die Rendite höher, wenn man in die Sachanlage investieren würde, wird die Investition getätigt; ist die Rendite niedriger als die der alternativen Anlage, wird nicht investiert.

Vorteile & Nachteile der Erweiterungsinvestition

Vorteile

Ein großer Vorteil einer Erweiterungsinvestition ist, dass damit die Quantität an Produkten gesteigert werden kann. Ist die Nachfrage nach einem Produkt konstant hoch, kann ein Unternehmen durch das Aufstocken seiner Produktionskapazitäten seine Gewinn deutlich steigern und eventuell sogar kostengünstiger produzieren. Damit hat es dann die Möglichkeit, seine Preise für die Produkte zu senken und macht diese dann für Kund:innen noch attraktiver.

Weiterer Vorteil ist, dass die Kosten für die Investition vom steuerbaren Gewinn abgezogen werden können. Damit lohnen sich Erweiterungsinvestitionen vor allem dann, wenn ein Unternehmen in einem Jahr einen sehr hohen Gewinn erwirtschaftet hat.

Nachteile

Erweiterungsinvestitionen sind häufig mit hohen Geldsummen verbunden. Wird zur Finanzierung ein Darlehen aufgenommen, muss dies über einen bestimmten Zeitraum zurückbezahlt werden, was die Liquidität schmälert. Zudem entstehen mit der Anschaffung von mehr Sachanalgen auch höhere Kosten im Personalbereich, da zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden müssen, die die Maschinen betätigen und überwachen.

Deshalb muss im Vorfeld genau geprüft werden, ob sich eine Erweiterungsinvestition lohnt. Tut sie das nicht, ist die Investition nicht rentabel und trägt somit nicht zur Umsatzsteigerung des Unternehmens bei. Im schlimmsten Fall kann eine sehr hohe Fehlinvestition ein Unternehmen in finanzielle Schieflage bringen.

Rentabilität der Erweiterungsinvestition

Um zu bewerten, ob sich eine Erweiterungsinvestition lohnt oder nicht, berechnet man deren Rentabilität:

Rentabilität = (erwarteter Gewinn pro Jahr – erwartete Kosten pro Jahr exkl. Zinsen) / durchschnittlicher Kapitaleinsatz x 100

Man schaut sich also an, wie hoch die Gewinnsteigerung durch den Einsatz der Erweiterungsinvestition ungefähr ist und setzt diesen ins Verhältnis zum zu investierenden Kapital.

Je höher also die Investitionssumme, desto höher muss der Gewinn ausfallen (bei gleichbleibenden Kosten), damit die Rentabilität des Unternehmens durch die Erweiterungsinvestition nicht sinkt.

Erweiterungsinvestition aktivieren

Eine aktivierungsfähige Investition muss im Sachanlagevermögen der Bilanz aktiviert werden. Aktivierungsfähig ist dabei z.B. eine Sachanlage in Form einer Maschine oder eines Fahrzeugs. Das Einstellen von neuem Personal, um die Maschine oder das Fahrzeug zu bedienen, ist nicht aktivierungsfähig. Die Personalkosten müssen deshalb als Aufwand in der GuV berücksichtigt werden.

Je nachdem, ob für die Finanzierung der Erweiterungsinvestition Eigen- oder Fremdkapital (oder beides) benutzt wurde, taucht dies auf der Seite der Passiva an entsprechender Stelle auf.


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