Das sagt die Nettoverschuldung über die finanzielle Lage des Unternehmens aus

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Die Nettoverschuldung ist eine Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen Lage eines Unternehmens.

Die Nettoverschuldung ist eine Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen Lage eines Unternehmens. Sie gibt an, wie viele liquide Mittel ein Unternehmen noch übrighat, nachdem es alle seine Schulden mit den aktuellen liquiden Mitteln tilgen würde. Wir erklären Ihnen hier, wie man die Nettoverschuldung sowie den Nettoverschuldungsgrad berechnet, und wie sich die Kennzahl für die Nettoverschuldung verbessern lässt.

Nettoverschuldung: Definition

Die Nettoverschuldung eines Unternehmens gibt die Höhe der Schulden an, nachdem sämtliche liquiden Mittel vom Fremdkapital abgezogen wurden. Manchmal wird sie auch als Nettoliquidität bezeichnet. Sie entspricht also der Schuldensumme, die übrig bleiben würde, wenn man sämtliche liquiden Mittel dazu benutzen würde, die Gesamtschulden zu begleichen.

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Damit ist die Nettoverschuldung eine wichtige Kennzahl, wenn es um die Bewertung der finanziellen Situation eines Unternehmens geht. Die Höhe des Fremdkapitals allein sagt nämlich noch nichts über die Finanzlage des Unternehmens aus.

Ein Unternehmen, das 20 Millionen Euro Schulden auf seiner Bilanz ausweist, jedoch 30 Millionen Euro an liquiden Mitteln hat, kann finanziell solider dastehen als ein Unternehmen, das dieselbe Höhe an Schulden hat, jedoch nur eine Liquidität von 10 Millionen Euro.

Nettoverschuldung berechnen mit Beispiel

Formel für Nettoverschuldung

Die Nettoverschuldung lässt sich anhand folgender Werte aus der Bilanz ermitteln:

  • liquide Mittel (z.B. Kassenbestand, Bankguthaben)
  • kurzfristige Finanzanlagen (Anlagen mit weniger als 1 Jahr Laufzeit)
  • kurz- mittel- und langfristige Verbindlichkeiten (z.B. Lieferantenrechnungen und Bankkredite)

Die Formel für die Nettoverschuldung sieht dann so aus:

Nettoverschuldung = Verbindlichkeiten – liquide Mittel – kurzfristige Finanzanlagen

Die Verbindlichkeiten in obiger Formel stellen sämtliche Schulden des Unternehmens dar. Von diesen werden dann alle aktuell vorhandenen liquiden Mittel abgezogen sowie die kurzfristigen Finanzanlagen, die ebenfalls zum Begleichen der Schulden kurzfristig liquidiert und genutzt werden könnten.

Was übrigbleibt, sind die Nettoschulden, also der Anteil der Schulden, der nicht aus dem Umlaufvermögen finanziert werden kann. Je geringer dieser Wert ist, desto besser. Die Nettoverschuldung kann auch einen negativen Wert haben. Das bedeutet, dass das Unternehmen mehr freie Mittel zur Verfügung hat als es Schulden abzubezahlen hat. Das entspricht einer finanziell vortrefflichen Situation, kommt in der Praxis jedoch nur selten vor, da eine hohe Liquidität keinen Mehrwert im Unternehmen generiert.

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Beispiel

Ein Unternehmen hat kurzfristige Schulden (Laufzeit kürzer als 1 Jahr) in Höhe von 50.000€ und langfristige Schulden in Höhe von 100.000€. Seine liquiden Mittel betragen 90.000€, und zudem hält es noch schnell veräußerbare Wertpapiere in Höhe von 10.000€.

Wir berechnen die Nettoverschuldung dann so:

Nettoverschuldung = 50.000€ + 100.000€ - 90.000€ - 10.000€ = 50.000€

Von den gesamten Schulden werden die liquiden Mittel und alles, was schnell liquidiert werden kann, abgezogen. Die 50.000€, die übrigbleiben, sind die Nettoschulden. Dieser Anteil kann nicht mit liquiden Mitteln finanziert werden. Kommt das Unternehmen in Zahlungsverzug, muss es einen Teil seines Anlagevermögens auflösen, um die 50.000€ an Schulden tilgen zu können.

Nettoverschuldung & EBITDA

Eine weitere interessante Kennzahl erhält man, wenn man die Nettoverschuldung mit dem EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization) ins Verhältnis setzt. Das Verhältnis bezeichnet den Nettoverschuldungsgrad und gibt Auskunft über die finanzielle Stabilität des Unternehmens, weil es die Schulden direkt der Ertragskraft des Unternehmens gegenüberstellt:

Nettoverschuldungsgrad = Nettoverschuldung / EBITDA

Den EBITDA kann man ebenfalls aus den Werten aus der Bilanz ermitteln: Man geht vom Jahresüberschuss aus und rechnet diesem wieder sämtliche Steuern, Zinsen, Abschreibungen und immaterielle Vermögenswerte hinzu. Der EBITDA-Wert entspricht dem nachhaltig operativen Cashflow eines Unternehmens und ist nicht verzerrt durch Steuerabzüge o.ä.

Dadurch lassen sich auch die Verschuldungsgrade von unterschiedlichen Unternehmen besser miteinander vergleichen. Der Nettoverschuldungsgrad gibt an, wie lange das Unternehmen benötigt, um seine aktuellen Nettoschulden zurückzuzahlen.

Welche Nettoverschuldung ist bei Unternehmen ideal?

Vor allem in Verbindung mit dem EBITDA ist die Nettoverschuldung sehr aussagekräftig und stellt eine wichtige Kennzahl dar. Aus ihr lesen zum Beispiel Banken oder andere Kreditgeber ab, wie hoch das Risiko für einen Zahlungsausfall bei dem jeweiligen Unternehmen ist. Daran werden die Kreditkonditionen geknüpft, beispielsweise wie hoch der Wert der zu hinterlegenden Sicherheiten sein muss und den Zinssatz für den Kredit.

Ein Nettoverschuldungsgrad von 4,5 und höher wird von Kreditgebern als zu hoch angesehen. Unternehmen, die ein solches Ergebnis haben, haben es schwerer, einen Kredit zu bekommen. Ein Verschuldungsgrad von 1,5 und weniger werden als solide eingestuft. Bei diesen Unternehmen ist das Risiko für einen Zahlungsausfall gering. Es wird empfohlen, einen Nettoverschuldungsgrad von 4,0 oder weniger anzustreben.

Kennzahl für Nettoverschuldung verbessern

Um die Nettoverschuldung zu verbessern, muss die Liquidität erhöht werden. Je nach Finanzierungsstruktur des Unternehmens ist dies jedoch nicht immer sinnvoll. Während kleinere Unternehmen anstreben, möglichst viel aus Eigenkapital zu finanzieren, setzen große Unternehmen mehr auf die Finanzierung mit Fremdkapital.

Haben Unternehmen immer wieder mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen, ist es ratsam, die Liquidität aufzustocken. Eine Faustregel besagt, dass ein Unternehmen für mindestens sechs Monate liquide Mittel zur Verfügung haben sollte, um seinen Verbindlichkeiten auch bei einem totalen Einnahmenausfall nachzukommen.

Unternehmen, die Kredite zurückbezahlen müssen, sollten dies so schnell wie möglich tun. Das heißt, sobald Überschüsse entstehen, werden die Gläubiger bezahlt. Das reduziert am schnellsten die Nettoverschuldung. Durch die Erhöhung des Eigenkapitals wird ebenfalls die Liquidität erhöht. Gewinne können zum Aufbau von Rücklagen verwendet werden.

Ein weiteres effektives Mittel die Verbindlichkeiten langfristig zu reduzieren – und damit auch die Nettoverschuldung – ist Factoring. Einem Factoring-Dienstleister werden die offenen Kundenrechnungen verkauft, der sie prompt bezahlt. Abzüglich der Factoring-Gebühr hat das Unternehmen dann sofort sein Geld und drei Ziele gleichzeitig erreicht: weniger Verbindlichkeiten und mehr Liquidität, ergo eine niedrigere Nettoverschuldung.

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