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Wie Sie die Nettoliquidität für die Unternehmensoptimierung nutzen

Lesezeit: 5 Min
Vor allem Banken und Investoren haben ein Interesse an der Nettoliquidität bzw. der Nettoverschuldung eines Unternehmens.

Die Nettoliquidität bzw. Nettoverschuldung ist eine Kennzahl zur Bewertung der finanziellen Lage eines Unternehmens. Sie ist gleichermaßen für Finanzverantwortliche im Unternehmen sowie für Banken und Investoren interessant. In diesem Artikel erfahren Sie, woraus sich die Nettoliquidität zusammensetzt, wie man sie berechnet und wie man ihren Wert interpretiert.

Nettoliquidität: Definition

Die Nettoliquidität ergibt sich aus der Differenz des verzinslichen Fremdkapitals und der liquiden Mittel sowie der Debitoren. Ist die Differenz negativ, spricht man von Nettoverschuldung; ist sie positiv von Nettoliquidität. Somit misst man mit diesem Wert die finanzielle Verschuldung eines Unternehmens.

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Nettoliquidität berechnen

Aus der Definition der Nettoliquidität ergibt sich die Formel:

Nettoliquidität = verzinsliches Fremdkapital – liquide Mittel – Debitoren

Das verzinsliche Fremdkapital ist die Höhe der Kreditsumme, die ein Unternehmen noch an seine Gläubiger abzuzahlen hat.

Unter liquiden Mitteln versteht man in diesem Zusammenhang Vermögenswerte, die entweder schon in liquider Form vorliegen (z.B. Kassenbestände, Bargeld und Schecks), oder relativ einfach in flüssige Mittel umgewandelt werden können (z.B. Aktien).

Debitoren sind Forderungen, z.B. offene Rechnungen, die vom Kunden noch beglichen werden müssen. Debitorenwerte sind noch nicht in das Vermögen des Unternehmens übergegangen und können deshalb noch nicht zum Begleichen von Schulden und Verbindlichkeiten genutzt werden.

Laut der oben angegebenen Formel stellt die Nettoliquidität also dar, wie viel Geld ein Unternehmen noch zur Verfügung hätte, um seine Kredite zurückzuzahlen, wenn sämtliche liquiden Mittel und Forderungen bereits aufgebraucht wären.

Nettoliquidität: Bedeutung

Vor allem Banken und Investoren haben ein Interesse an der Nettoliquidität bzw. der Nettoverschuldung eines Unternehmens. Die Kennzahl gibt an, wie viel Geld übrigbliebe, wenn zur Tilgung der Schulden alle verfügbaren liquiden Mittel und Forderungen bereits genutzt würden und zur weiteren Tilgung das Umlauf- und Anlagevermögen genutzt werden müsste.

Banken und Investoren bewerten anhand dieser Kennzahl ihr eigenes Risiko und können abschätzen, wie viel Geld sie bei einer Abwicklung des Unternehmens aus der Insolvenzmasse noch zurückbekommen würden.

Weist ein Unternehmen eine hohe Nettoliquidität auf, zeigt das, dass ein Unternehmen in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten aus den laufenden Einnahmen (liquiden Mitteln) zu decken. Je höher die Nettoliquidität, desto mehr finanziellen Spielraum hat ein Unternehmen, wenn es zum Beispiel um das Tätigen von Investitionen geht. Es kann dann entweder komplett auf einen Kredit verzichten, oder es erhält günstigere Konditionen, weil die Geldgeber sehen, dass ein geringes Ausfallrisiko besteht.

Nettoliquidität & Nettoverschuldung

Eine schwache Nettoliquiditätsposition ergibt sich bei einer geringen bzw. einer negativen Nettoliquidität. Im Letzteren Fall spricht man auch von Nettoverschuldung. In dieser Lage fällt es einem Unternehmen schwer, selbst unter wirtschaftlich günstigen Bedingungen seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Zahlungsausfälle seitens der Kunden oder unvorhergesehene Kosten können schnell zu einer drastischen Schieflage führen, die häufig in der Insolvenz endet.

Eine starke Nettoliquiditätsposition dagegen hat ein Unternehmen im Falle einer sehr hohen Nettoliquidität. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass das Unternehmen auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann, ohne einen Kredit aufnehmen zu müssen. In diesem Fall reichen die liquiden Mittel immer noch, um Schulden zurückzuzahlen und die Ausgaben zu decken.

Was ist eine gute Nettoliquiditätsposition?

Aus den vorherigen Abschnitten könnte nun der Schluss gezogen werden, dass eine möglichst hohe Nettoliquidität angestrebt werden sollte. Dies ist jedoch nicht ratsam. Der Grund: Liquide Mittel arbeiten nicht im Unternehmen.

Wenn Überschüsse lediglich auf einem Bankkonto angehäuft werden und somit eine hohe Liquidität aufbauen, tragen sie nicht zur Wertschöpfung im Unternehmen bei. Finanzverantwortliche sehen sich deswegen einer steten Gratwanderung ausgesetzt: Auf der einen Seite sollte die Nettoliquidität hoch sein, damit man auch in konjunkturschwachen Zeiten seinen Verbindlichkeiten nachkommen kann; und auf der anderen Seite sollten Überschüsse im Unternehmen investiert werden, damit sie zur Wertschöpfung beitragen.

Als Richtwert für eine solide Nettoliquidität wird empfohlen, so viel an liquiden Mitteln zur Verfügung zu haben, um seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten sechs Monate lang nachkommen zu können.

Lagerbestandsliste

Nettoliquidität auf- bzw. abbauen

Weder zu viel noch zu wenig Nettoliquidität sind erstrebenswert. Je nachdem, in welcher Lage sich ein Unternehmen befindet, gibt es verschiedene Stellschrauben an denen Finanzverantwortliche drehen können, um diese Kennzahl zu optimieren.

Aufbau von Nettoliquidität

Bei niedriger Nettoliquidität steigt das Risiko für einen Liquiditätsengpass, deswegen sollte mehr Liquidität aufgebaut werden. Dazu gibt es beispielsweise folgende Möglichkeiten:

Kosten reduzieren

Unter diesem Punkt ergibt sich je nach Unternehmen eine Vielzahl an Optionen. Beispielsweise können mit Lieferanten günstigere Verträge ausgehandelt werden, sodass evtl. nur noch geringere Stückzahlen abgenommen werden müssen, wodurch die Höhe der Vorfinanzierung sinkt.

Zahlungsziele verkürzen

Oftmals führen sehr lange Zahlungsziele, die Unternehmen ihren Kunden einräumen, zu Liquiditätsengpässen. In diesem Fall sollten die Zahlungsfristen verkürzt werden, damit das Unternehmen nicht so lange auf die Bezahlung warten muss.

Leasing anstatt Neukauf

Wenn Fahrzeuge oder Produktionsmaschinen geleast anstatt gekauft werden, schont dies die Liquidität, da keine größere Summe bereitgestellt werden muss. Das eingesparte Geld steht dann an anderen Stellen im Unternehmen zur Wertschöpfung zur Verfügung und ist nicht in Wirtschaftsgütern gebunden.

Lager und Einkauf optimieren

Ein kleines Lager verursacht weniger Kosten als ein großes. Unternehmen mit schwacher Nettoliquidität sollten prüfen, ob der Vorhalt von weniger Waren in Frage kommt. Gekoppelt mit einer besseren Einkaufsstrategie können hier Kosten gespart werden, was sich positiv auf die Liquidität auswirkt.

Nettoliquidität abbauen

Wenn sehr viel Geld auf Bankkonten lagert, sollten die Beträge, die weder für Rückstellungen noch für Rücklagen benötigt werden, an anderer Stelle im Unternehmen in den Wertschöpfungskreislauf eingebracht werden, zum Beispiel:

Kapitalanlagen

Überschüsse am Kapitalmarkt zu investieren, generiert eine Rendite und trägt somit zum Aufbau des Unternehmensvermögens bei.

Sachanlagen (Investitionen)

Wer hohe Überschüsse hat, kann sich überlegen, diese in die Modernisierung seiner Produktionsanlagen oder IT-Infrastruktur zu investieren, oder damit eine Unternehmensexpansion zu finanzieren. Eine Steigerung der Produktionskapazitäten oder das Betreten von neuen Märkten können langfristig zur Umsatzsteigerung beitragen.

Fazit: Nettoliquidität sollte ausgewogen sein

Die Nettoliquidität ist ein Maß für die finanzielle Lage eines Unternehmens und somit eine sehr wichtige Kennzahl für Banken und Investoren. Doch auch für Unternehmen liefert die Nettoliquidität wichtige Einblicke und kann Optimierungspotenzial freilegen. Deswegen sollten Finanzverantwortliche die Nettoliquidität regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls nach oben oder unten anpassen, sodass das Unternehmen über sechs Monate lang seine Ausgaben ausschließlich durch die liquiden Mittel und Forderungen decken kann.

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