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Eigenkapital: So berechnen Sie es fürs Unternehmen

Eine Unternehmensfinanzierung besteht sowohl aus Eigenkapital als auch Fremdkapital. Gerade das Eigenkapital ist für Unternehmen essenziell: Wer über viel Eigenkapital verfügt, gilt als krisensicher und wirtschaftlich stabil. Woran liegt das? Und was ist Eigenkapitel überhaupt?

In diesem Artikel :

Eigenkapital: Definition

Als Eigenkapital werden die Mittel bezeichnet, die vom Unternehmenseigentümer/von den Gesellschaftern in das Unternehmen eingebracht und zeitlich unbefristet überlassen werden oder die im Unternehmen durch Gewinn erwirtschaftet wurden. Es handelt sich also um eine Kapitalart in der Unternehmensfinanzierung.

Was ist Eigenkapital?

Wer ein Unternehmen gründen will, benötigt entsprechende finanzielle Mittel. Die Mittel, die Eigentümer oder Gesellschafter dauerhaft selbst in das Unternehmen einbringen, werden als Eigenkapital bezeichnet. Es handelt sich also um die Eigenfinanzierung des Unternehmens (abzugrenzen von der Fremdfinanzierung).

Doch wie hoch muss die Einlage sein? Je nach Rechtsform des Unternehmens, ergeben sich bei den gesetzlichen Vorgaben Unterschiede:

  • Bei einer GmbH ist beispielsweise gesetzlich festgelegt, dass das Stammkapital mindestens 25.000 Euro betragen muss (§5 Absatz 1 GmbHG).
  • Bei einer Aktiengesellschaft beträgt der Mindestnennbetrag des Grundkapitals 50.000 Euro (§ 7 Aktiengesetz).
  • Anders sieht es aus, wenn es sich beispielsweise um ein Einzelunternehmen handelt: Hier ist kein Mindestkapital vorgeschrieben. Allerdings sei hier auch erwähnt: Ein Einzelunternehmer haftet mit seinem privaten und betrieblichen Vermögen. Im Gegensatz zu einer GmbH gibt es also im Falle einer Insolvenz keine Haftungsbeschränkung.

Doch das Unternehmen kann auch selbst Eigenkapital „produzieren“: Wenn Gewinne erwirtschaftet und nicht ausgeschüttet werden, erhöht dies auch das Eigenkapital. Umgekehrt kann das Eigenkapital durch Verluste verringert werden.

Eigenkapital in einer GmbH

Wie bereits beschrieben, gilt vor allem für Unternehmen in der Rechtsform GmbH eine Besonderheit beim Eigenkapital: Das Gesetz fordert ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro. Die GmbH muss also bereits bei der Gründung über bestimmte liquide Mittel verfügen. Das kann schon zu Beginn einen erheblichen finanziellen Druck ausüben. Zudem ist zu beachten, dass auch Gründungskosten, wie Notarkosten, anfallen. Die Haftungsbeschränkung reduziert die finanziellen Risiken der Gesellschafter.

Problematisch bei der „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ ist allerdings, dass sich die Haftungsbeschränkung bei der Kreditvergabe negativ auswirken kann. Die Beschränkung der Haftung auf das Gesellschaftsvermögen bringt mit sich, dass ein Kreditgeber die verschiedenen Kennzahlen sehr genau prüfen wird. Im Vergleich mit anderen Rechtsformen ist die GmbH häufig weniger kreditwürdig. Neben hohen Gründungskosten können also auch hohe Finanzierungskosten entstehen oder im schlimmsten Fall ein Kreditantrag sogar gänzlich abgelehnt werden.

Was zählt als Eigenkapital?

Was gehört zum Eigenkapital? Zum Eigenkapital zählen insbesondere Bareinlagen (zum Beispiel als Bareinzahlung oder Überweisung) und Sacheinlagen (beispielsweise Maschinen oder Immobilien) sowie nicht ausgeschüttete Gewinne. Das Eigenkapital als Bilanzposition wird im Handelsrecht vor allem für Kapitalgesellschaften genau definiert.

Eigenkapital in der Bilanz

Das Eigenkapital ist eine Bilanzposition im Jahresabschluss und wird der Passiva der Bilanz zugeordnet. Für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften gibt das Handelsrecht eine festgelegte Gliederung vor (§ 266 HGB). Demnach ergibt sich das Eigenkapital aus folgenden Positionen:

Eigenkapital:

I. Gezeichnetes Kapital;

II. Kapitalrücklage;

III. Gewinnrücklagen:

  1. gesetzliche Rücklage
  2. Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen;
  3. satzungsmäßige Rücklagen;
  4. andere Gewinnrücklagen;

IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag;

V. Jahresüberschuß/Jahresfehlbetrag.

Hinweis: Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften gelten bei der bilanziellen Behandlung von Einlagen Besonderheiten. An dieser Stelle wird jedoch auf die (insbesondere steuerbilanziellen) Regelungen nicht eingegangen.

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Eigenkapital berechnen

Doch wie wird das bilanzielle Eigenkapital nun berechnet? Das Eigenkapital ergibt sich aus der Differenz des Vermögens (vgl. Aktiva) und den Schulden eines Unternehmens.

Die Formel lautet: Eigenkapital = Vermögen – Schulden

Ergibt sich ein Überschuss, wird das häufig auch als Reingewinn bezeichnet. Doch Achtung: Wenn sich ein negativer Betrag ergibt, liegt bereits eine Überschuldung vor. Und eine Überschuldung gilt als Insolvenzgrund.

In dieser Berechnung sind beim Vermögen sog. stille Reserven noch nicht enthalten. Wenn diese jedoch ermittelt werden können und entsprechend in der Berechnung berücksichtigt werden, dann erhält man im Ergebnis das sog. effektive Eigenkapital.

Eigenkapital versus Fremdkapital

Als Fremdkapital werden liquide Mittel bezeichnet, die von einem Außenstehenden an das Unternehmen überlassen werden. Im Gegensatz zum Eigenkapital werden diese Mittel nur vorübergehend bereitgestellt. Der Kapitalgeber will also diese Mittel – verzinst – kurz-, mittel- oder langfristig zurückerhalten.

Es gibt beim Eigen- und Fremdkapital auch wesentliche Unterschiede bei den Stimmrechten: Wer beispielsweise Aktien erwirbt, erhält damit eine Beteiligung an einem Unternehmen. Es handelt sich also bei der Investition um Eigenkapital. Allerdings: Wenn ein Fremdkapitalgeber das Kapital überlässt, erhält er damit nicht automatisch einen Anteil am Unternehmen.

Das Eigenkapital ist für die existenzielle Absicherung eines Unternehmens von großer Bedeutung. Zudem ist aus Sicht des Liquiditätsmanagements wichtig, dass das Eigenkapital „günstiger“ ist als Fremdkapital. Für das Überlassen von Fremdkapital müssen Zinsen und Tilgungsraten beglichen werden.

Wer über viel Eigenkapital verfügt, läuft auch nicht Gefahr, sich schnell zu überschulden und die Konditionen für Kredite sind häufig wesentlich besser. Allerdings müssen an Eigenkapitalgeber auch ggf. Ausschüttungen erfolgen. Und die Eigenkapitalgeber bestimmen über das Unternehmen mit. Da das Eigenkapital durch Verluste verringert werden kann, besteht hier für den Eigenkapitalgeber auch ein Risiko.

Eigenkapital erhöhen

Wie kann das Eigenkapital erhöht werden? Dazu gibt es verschiedene Optionen, beispielsweise:

  • Gewinne werden nicht ausgeschüttet.
  • Die Gesellschafter leisten mehr Einlagen.
  • Es werden mehr Anteile an Investoren verkauft (aber Achtung: Dann verringern sich auch bei den bisherigen Gesellschaftern die Stimmrechte).
  • Die Rentabilität des Unternehmens erhöhen: Wer mehr Gewinne erzielt und diese im Unternehmen behält, der steigert auch das Eigenkapital und stärkt die Eigenfinanzierung.
  • Ein konsequentes Liquiditätsmanagement wirkt sich auch positiv auf das Eigenkapital aus: Wer beispielsweise auf Factoring setzt und das Risiko von Forderungsausfällen verringert, dem verbleiben auch mehr liquide Mittel.

Eigenkapital und Kredit

Für das Liquiditätsmanagement ist das Eigenkapital ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensfinanzierung: Wer sich ausreichend selbst finanzieren kann, benötigt keine Hilfe von außen und muss auch keine entsprechenden Finanzierungskosten tragen.

Ein Unternehmen, das über viel Eigenkapital verfügt, zeigt auch, dass es die Substanz hat, in schwierigen Situationen wirtschaftlich zu bestehen.

Wenn jedoch ein Kredit beantragt werden soll, dann wirkt sich ein hoher Eigenkapitalanteil regelmäßig positiv auf die Konditionen aus. Günstige Finanzierungskonditionen wirken sich wiederum positiv auf die gesamte Liquiditätssituation des Unternehmens aus.

Bedeutung der Kennzahl Eigenkapitalquote

Bei der Prüfung, ob ein Unternehmen tatsächlich kreditwürdig ist, wird in der Regel die Kennzahl Eigenkapitalquote ermittelt. Die Formel lautet hier:

Eigenkapitalquote = (Eigenkapital / Gesamtvermögen) x 100

Mit dieser Kennzahl wird also berechnet, zu welchem Prozentsatz das Vermögen des Unternehmens eigenkapitalfinanziert ist. Für Kreditgeber ist das eine wichtige Information. Wenn die Eigenkapitalquote vergleichbar niedrig ist, kann dies bereits ein Risiko darstellen.

Als „solide“ gelten Unternehmen häufig dann, wenn die Eigenkapitalquote bei etwa 20-30 % liegt. Natürlich sollten jedoch branchenspezifische Unterschiede beachtet werden. Doch was, wenn kein Eigenkapital vorhanden ist und dennoch eine Unternehmung finanziert werden soll?

Kredit ohne Eigenkapital

Vorweg gesagt: Ohne Eigenkapital einen Kredit zu erhalten, ist sehr schwierig. Unternehmensgründer, die selbst kein Kapital haben, aber dennoch den Weg in die Selbstständigkeit schaffen wollen, können hiervon ein Lied singen. Klar ist jedoch: Auch Kreditgeber wollen Sicherheiten. Wer über keinerlei Eigenkapital verfügt, muss sich Gedanken machen, wie Vertrauen geschaffen werden kann:

  • Ein überzeugender Business-Plan, der auch realistisch die erhöhten Finanzierungskosten und mögliche Risiken berücksichtigt, ist unbedingt erforderlich.
  • Können andere Sicherheiten angeführt werden?
  • Welche Finanzierungsalternativen zum Bankkredit könnten infrage kommen?
  • Kommt vielleicht eine Kombination aus Finanzierungsalternative und Bankkredit infrage?

Finanzierungsalternativen prüfen

Ein klassischer Bankkredit wird ohne Eigenkapital in vielen Situationen gar nicht vergeben werden. Manch ein angehender Unternehmer kann seine Bank nur überzeugen, wenn er Sicherheiten, wie eine Hypothek auf das private Wohnhaus, gibt. Mit diesem Szenario muss sich ein angehender Unternehmer, der beispielsweise Gründer ist oder eine Firmenübernahme plant, auseinandersetzen. Doch das muss nicht bedeuten, dass die Pläne nicht realisierbar sind.

  • Mögliche Alternativen zur Finanzierung können sein:
  • Gründerkredite, wie zum Beispiel von der KfW-Bank, erfordern kein Eigenkapital und werben dennoch mit fairen Konditionen.
  • Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, ist mittlerweile in der Start-up-Szene schon öfter vertreten. Hier können Gründer auf einem Crowdfunding-Portal ihre Geschäftsidee vorstellen und um Investoren werben. Allerdings: Der Erfolg steht und fällt mit dem Konzept.
  • Für Gründer ohne Eigenkapital kann Franchise eine interessante Lösung sein. Wichtigster Erfolgsfaktor ist auch hier das Konzept: Sowohl Franchisegeber als auch der potenzielle Franchisenehmer müssen genau prüfen, ob diese Partnerschaft Aussicht auf Erfolg hat.

Fazit: Eigenkapital ist wichtig, aber nicht alles

Auch ohne Eigenkapital kann also eine Finanzierung grundsätzlich realisierbar sein. Allerdings sollte auch eine sorgfältige Risikoabwägung stattfinden. Das Liquiditätsmanagement ist also in diesem Fall gefragt, verschiedene Szenarien zu erstellen und mögliche Finanzierungsmodelle zu prüfen.

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