Liquiditätsengpass: Wie Sie Ihr Unternehmen hindurch manövrieren und welche Formeln Sie dafür benötigen

Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig? Was bereits für Privatpersonen eine unangenehme Situation ist, kann für ein Unternehmen fatale Folgen haben. Daher ist es essenziell zu verstehen, was sich hinter dem Begriff des Liquiditätsengpasses verbirgt, welche Berechnungen notwendig sind und wie Sie Ihr Unternehmen langfristig davor schützen können.

In diesem Artikel :

Liquiditätsengpass: Definition

Ein Liquiditätsengpass besteht, wenn vorübergehend zu wenig Guthaben auf dem Geschäftskonto vorhanden ist. Es besteht also eine mangelnde Liquidität. Regelmäßige Kosten wie Personalkosten, Miete, Materialkosten können nicht mehr (vollumfänglich) beglichen werden. Auch gut aufgestellte Unternehmen können von einem Liquiditätsengpass betroffen sein. Dies kann zum Beispiel durch eine schlechte Zahlungsmoral von KundInnen verursacht werden.

Wichtig Liquiditätsengpass ist nicht das gleiche wie Insolvenz!

Ursachen für einen Liquiditätsengpass

In der Regel gibt es nicht die Ursache für einen Liquiditätsengpass, sondern mehrere Ursachen, die gemeinsam eine negative Auswirkung auf die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens haben. Hierbei wird zwischen internen und externen Ursachen unterschieden.

  • Externe Ursachen

    • Banken mit rigiden Vorgaben für die Vergabe von Krediten
    • unpünktliche oder ausbleibende Zahlungen von KundInnen
    • durch Krisen verursachte Umsatzeinbrüche
    • Vorfinanzierung bei Aufträgen sind zu hoch

    → Ursachen, auf die das Unternehmen wenig Einfluss hat

  • Interne Ursachen

    • keine kontinuierliche Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben (Liquiditätsplanung)
    • Gewährung zu langer Zahlungsziele
    • zu späte Rechnungsstellung
    • kein professionalisiertes Mahnwesen bzw. Forderungsmanagement
    • Vorleistung für große Materialbestellungen
    • Fehlende Zahlungseingänge von Schuldnern

    → hier kann ein Unternehmen aktiv werden und Einfluss nehmen

Folgen eines Liquiditätsengpasses

Wenn Ihr Unternehmen über einen längeren Zeitraum fortlaufende Zahlungen nicht tätigen kann, wird dies große Schäden hinterlassen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer dauerhaften Zahlungsunfähigkeit führen und somit für ein Unternehmen die Insolvenz bedeuten.

Kurzfristige Überbrückung eines Liquiditätsengpasses

Für die Überbrückung einer vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit hält der Finanzmarkt einige kurzfristige Möglichkeiten bereit.

  • Zur Ausgabensenkung:

    • Inanspruchnahme von Kontokorrentkrediten der Hausbank
    • Klassischer Bankkredit
    • Reduzierung des Personals
    • Leasingverträge für Firmenfahrzeuge oder Maschinen kündigen
  • Zur Einnahmenerhöhung:

    • Teile des Firmeneigentums verkaufen
Achtung! Diese Maßnahmen sollten nur vorübergehend sein. Ihr Unternehmen wird auf lange Sicht durch diese Schritte mehr Schaden als Nutzen in Kauf nehmen müssen. Wählen Sie daher, wenn möglich, Wege, die Sie sehr früh auf potenzielle Liquiditätsengpässe aufmerksam machen, sodass Sie präventive Maßnahmen ergreifen können oder sich gänzlich vor Engpässen schützen.

Liquiditätsengpass berechnen

Um festzustellen, ob Ihr Unternehmen in Zukunft in der Lage sein wird, kurzfristige Verbindlichkeiten abzudecken, lassen sich drei Grade der Liquidität berechnen. Hierfür wird das prozentuale Verhältnis des kurzfristig verfügbaren Vermögens und der kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen ermittelt. Bei dem höheren Grad der Liquidität werden zusätzlich zu dem Geldvermögen, das ein Unternehmen hat, weitere Bestandteile des Umlaufvermögens hinzugezogen.

Liquidität 1. Grades

Die Liquidität ersten Grades wird auch als Barliquidität oder Cash Ration bezeichnet. Im Fokus stehen die flüssigen, also am schnellsten verfügbaren, Zahlungsmittel. Das ist etwa der Kassenbestand eines Unternehmens oder das Guthaben auf einem Girokonto. Unter “kurzfristig” versteht man Verbindlichkeiten, die eine Restlaufzeit von bis zu einem Jahr haben.

Blog - Formel Liquidität 1. Grades

Interpretation des Richtwerts: Der Richtwert dient der Einschätzung Ihrer Liquidität. Liegt er zwischen 5 und 20 %, brauchen Sie keine Befürchtungen zu haben. Liegt er über 20 %, bietet Ihnen das zwar eine höhere Sicherheit, wirkt sich aber negativ auf die Rentabilität Ihres Unternehmens aus. Das Geld steht Ihnen zwar zur Verfügung, bietet Ihnen aber keinerlei Mehrwert, da es nicht gewinnbringend angelegt ist.

Liquidität 2. Grades

Bei dieser Rechnung werden neben den flüssigen Mitteln außerdem kurzfristige Forderungen und Wertpapiere einbezogen.

Blog - Formel - Liquidität 2. Grades

Interpretation des Richtwerts: Beim Liquiditätsgrad 2 beträgt der Richtwert 100 %. Das bedeutet, dass Ihr Unternehmen bei einem Ergebnis von mindestens 100 % in der Lage ist, alle kurzfristigen Verbindlichkeiten mithilfe der flüssigen Zahlungsmittel, kurzfristig einziehbaren Forderungen und Wertpapiere begleichen kann.

Liquidität 3. Grades

Diese Rechnung basiert auf dem kompletten Umlaufvermögen Ihres Unternehmens. Zusätzlich zu allen Werten, die für die Liquidität zweiten Grades verwendet werden, werden Vorräte und Produkte einbezogen. Dazu gehören auch Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe sowie Produkte, die unfertig oder aber fertig sind. Denn diese können kurzfristig veräußert werden und liefern schnelle Gewinne, wenn Ihr Unternehmen darauf angewiesen ist.

Blog - Formel - Liquidität 3. Grades

Interpretation des Richtwerts: Wenn das Unternehmen den Richtwert von 200 % erreicht, ist es in der Lage, alle kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen zu begleichen. Dieser Wert sollte nicht viel höher oder niedriger als 200 % sein, da sonst eventuell ein Liquiditätsengpass droht oder zu viel ungenutztes Kapital vorhanden ist.

Übersicht Liquiditätsraten: Wofür sind sie gut?

Die Rechnungen ergeben Bilanzen, die Auskunft darüber geben, ob das Unternehmen in der Lage sein wird, zukünftige Rechnungen zu begleichen.

→ besonders relevant für Außenstehende, wie z. B. Geldgeber, da sie keine internen Informationen erhalten und somit auf Bilanzen angewiesen sind.

Grundprinzip:

Gegenüberstellung von kurzfristigem Fremdkapital und kurzfristig verfügbarem Vermögen.

Richtwerte:

  • Liquidität 1. Grades: 20 %
  • Liquidität 2. Grades: 100 %
  • Liquidität 3. Grades: 200 %

“Je höher die Zahl, desto besser”, gilt nicht!

Langfristige Lösungen zur Vermeidung eines Liquiditätsengpasses

Damit in Ihrem Unternehmen Liquiditätsengpässe Geschichte sind, ist es unerlässlich, die Finanzkraft zu stärken. Folgende Maßnahmen oder eine Kombination einiger ausgewählter Punkte könnte die Lösung von vorübergehender Zahlungsunfähigkeit sein und eine Insolvenz verhindern.

  • präzise Kalkulation der Marge zwischen Produktionskosten und dem Verkaufspreis
  • regelmäßiger Zahlungseingang offener Rechnungen
  • funktionierendes, professionalisiertes Forderungsmanagement
  • regelmäßige Erstellung von Liquiditätsplänen
  • überprüfen, ob Tilgungsraten von Krediten möglicherweise zu hoch gewählt sind

Fazit:

Sollten Sie in Ihrem Unternehmen einen Liquiditätsengpass feststellen, verfallen Sie nicht in Panik. Es handelt sich um einen vorübergehenden Zustand und bei einem geschickten Vorgehen bleibt die Insolvenz in weiter Ferne. Sie haben nun ein gutes Fundament, um die Lage einzuschätzen, Ihre Liquiditätsrate zu berechnen und die geeigneten Maßnahmen zu treffen, um Ihr Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

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