Was ist totes Kapital und wie kann es von Unternehmen vermieden werden?

Lesezeit: 5 min
Totes Kapital ist gebundenes Kapital.

Totes Kapital kommt in allen Unternehmen vor, denn gänzlich vermeiden lässt es sich nicht. Da es jedoch nicht aktiv zur Wertschöpfung beiträgt, weil es gebunden ist, sollten Unternehmen darauf achten, dass die Menge an totem Kapital nicht zu hoch wird. Wir zeigen Ihnen hier, wo man totes Kapital häufig antrifft und was man dagegen tun kann.

Totes Kapital: Definition

Totes Kapital ist gebundenes Kapital. Durch diese Gebundenheit kann es nicht genutzt werden, um beispielsweise die Effizienz zu steigern, das Unternehmenswachstum anzukurbeln oder die Rentabilität zu verbessern. Totes Kapital kommt in sehr vielen Unternehmen vor. Es gilt, seine Menge so gering wie möglich zu halten, denn ein Unternehmen gedeiht am besten, wenn das Kapital aktiv arbeitet und nicht nur herumliegt.

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Totes Kapital reduziert die Effizienz eines Unternehmens, weil es nicht sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Ist viel Kapital in Waren oder anderen Sachanlagen gebunden, hat das Unternehmen auch weniger Liquidität zur Verfügung. Sind die Cash-Reserven nur gering, kann das das Risiko für einen Liquiditätsengpass erhöhen. Totes Kapital sollte deshalb so gut wie möglich vermieden werden.

Totes Kapital: Beispiele

Totes Kapital lässt sich in vielen Unternehmensbereichen finden. In den folgenden kommt es besonders häufig vor:

  • Bei der Lagerhaltung: Ein großes Lager, wo viele Waren auf Halde liegen, beherbergt eine große Menge an totem Kapital, das in den Lagerbeständen gebunden ist. Hierzu zählen auch nicht mehr genutzte Maschinen oder Fahrzeuge.
  • Im Forderungsmanagement: Offene Forderungen stellen ebenfalls totes Kapital dar, denn das Unternehmen ist in Vorleistung gegangen, hatte dabei Ausgaben und muss nun auf seine Bezahlung warten.
  • Bei den Verbindlichkeiten: Auch bei Verbindlichkeiten, die ein Unternehmen anderen gegenüber hat, handelt es sich um totes Kapital, denn diese Mittel sind für die Bezahlung reserviert und können nicht anderweitig verwendet werden.
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Totes Kapital in der Lagerhaltung

Vor allem in der Lagerhaltung ist totes Kapital häufig anzutreffen. Manche Unternehmen haben ein überdimensioniertes Lager, was dem Bedarf nicht angemessen ist. Es werden dort sehr viele Waren oder Güter gelagert, die erst zu einem viel späteren Zeitpunkt entnommen werden.

Es ist den Verantwortlichen nicht immer bewusst, dass in einem so großen Lager hohe Geldbeträge stecken, die nirgends anders sinnvoller verwendet werden können, weil sie gebunden sind.

Totes Kapital erhöht die Lagerkosten

Je weniger Kapital in der Lagerhaltung gebunden ist, desto mehr Kapital ist frei verfügbar und kann zu anderen Zwecken eingesetzt werden. Beim Anschaffen von Waren ist es deshalb empfehlenswert, einen Mittelweg zu finden, damit man auf der einen Seite nicht zu viel zu lange auf Halde liegen hat, und auf der anderen Seite der tägliche Betrieb nicht gefährdet wird, weil es an Nachschub für die Produktion oder den Versand mangelt.

Totes Kapital im Lagerbestand identifizieren

Der Lagerbestand sollte regelmäßig überprüft und bewertet werden. So lassen sich Ladenhüter aufspüren und Waren, die häufig oder weniger häufig entnommen werden. Basierend auf dieser Analyse kann der Einkauf angepasst werden, damit man nicht unnötig Waren beschafft.

Für sämtliche Materialien, Vorprodukte etc. kann man sich anschauen, wann diese benötigt werden und in welcher Menge. Das Ermitteln der Lagerumschlagshäufigkeit kann dabei helfen.

Mit Lieferanten kann man dann zum Beispiel kürzere Lieferintervalle und kleinere Abnahmemengen vereinbaren. Von Lieferantenrabatten sollte man sich nicht locken lassen. Es ist kontraproduktiv, eine große Menge an Waren zu bestellen, nur um einen Mengenrabatt zu bekommen, wenn diese hohe Abnahmemenge nicht die Nachfrage in der kommenden Zeit rechtfertigt.

Totes Kapital vermeiden: Diese Schritte helfen

Wer sich mit viel totem Kapital konfrontiert sieht, kann Maßnahmen ergreifen, es zu reduzieren. Die bereits genannte Optimierung der Lagerhaltung ist dabei nur eine Möglichkeit. Im Grunde genommen geht es bei der Reduzierung des toten Kapitals um die Optimierung des Working Capitals – also des Umlaufvermögens.

Forderungen und Verbindlichkeiten optimieren

Ist viel totes Kapital in Forderungen gebunden, muss das Forderungsmanagement des Unternehmens optimiert werden. Konkrete Schritte können sein, dass man die Zahlungsziele für Kund:innen heruntersetzt, und Kund:innen mit schlechter Zahlungsmoral nur noch per Vorkasse oder Lastschrifteinzug bezahlen lässt.

Auf der Verbindlichkeitsseite ist es empfehlenswert, die Zahlungsziele von Lieferanten auszuschöpfen, diese aber nicht zu überziehen, denn damit verschlechtert man auf Dauer das Geschäftsverhältnis und erhält möglicherweise schlechtere Zahlungsbedingungen.

Totes Kapital aus der Wertschöpfungskette fernhalten

Die Wertschöpfungskette wird auch Supply Chain genannt. Darunter fallen sämtliche Prozesse, die vom Einkauf einer Ware, über die Produktion bis hin zum Verkauf des Produkts durchlaufen werden. In jedem Schritt nimmt der Wert der verarbeiteten Waren zu, bis am Ende das Produkt steht – deshalb Wertschöpfung.

In jedem dieser Teilschritte kann totes Kapital entstehen. Indem man seine komplette Supply Chain darauf abklopft, spürt man es jedoch auf und kann die jeweiligen Teilprozesse optimieren. Liegen Vorprodukte zum Beispiel lange Zeit herum, bis sie weiterverarbeitet werden, kann man die Produktionsschritte anpassen, um die Durchlaufzeiten zu optimieren.

Es gibt zahlreiche Stellschrauben, an denen man drehen kann, um die Prozesse zu optimieren, damit die Effizienz möglichst hoch ist. Das ist aufwändig, aber es lohnt sich, denn totes Kapital entsteht nur dort, wo ineffizient gearbeitet wird. Wer sein Unternehmen also auf Effizienz trimmt, sorgt dafür, dass das Kapital langfristig optimal im Unternehmen arbeitet.


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