Jahresfehlbetrag: Wie lässt er sich ausgleichen?

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Der Jahresfehlbetrag wird in der Bilanz und/oder der Gewinn-und-Verlustrechnung am Ende des Geschäftsjahres ausgewiesen, wenn das Betriebsergebnis negativ war.

Der Jahresfehlbetrag wird in der Bilanz und/oder der Gewinn-und-Verlustrechnung am Ende des Geschäftsjahres ausgewiesen, wenn das Betriebsergebnis negativ war. Es gibt mehrere Möglichkeiten für eine Kapitalgesellschaft, ihn auszugleichen. Welche das sind, lesen Sie in diesem Artikel.

Jahresfehlbetrag: Definition

Der Jahresfehlbetrag ist eine Kenngröße, die aus der Bilanz oder der Gewinn-und-Verlustrechnung (GuV) hervorgeht. Erwirtschaftet ein Unternehmen in einem Geschäftsjahr einen Verlust (nach Steuern), entsteht ein Jahresfehlbetrag; erwirtschaftet es einen Gewinn (nach Steuern), entsteht ein Jahresüberschuss.

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Unternehmen, die oft einen Jahresfehlbetrag in der Bilanz oder GuV zu verzeichnen haben, wirtschaften ineffizient und müssen früher oder später Insolvenz anmelden, sofern sie den Fehlbetrag nicht ausgleichen können und keine Maßnahmen ergreifen, ihre Rentabilität zu steigern.

Jahresfehlbetrag in der Bilanz

Am Ende des Geschäftsjahres sind Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG) dazu verpflichtet, eine Bilanz sowie eine GuV zu erstellen. In diesen werden die Aufwendungen den Erträgen während des vergangenen Geschäftsjahres gegenübergestellt. Gewinn- oder Verlustvorträge, Entnahmen sowie Rücklagen werden zur Ermittlung nicht berücksichtigt.

Jahresfehlbetrag und Bilanzverlust

Der Jahresfehlbetrag (oder Überschuss) wird herangezogen um den Bilanzverlust (oder Bilanzgewinn) zu berechnen. Geht man von einem Fehlbetrag aus, werden mit diesem die Gewinn- und Verlustvorträge aus dem vorherigen Geschäftsjahr verrechnet. Außerdem werden Entnahmen aus der Kapital- und Gewinnrücklage hinzuaddiert und Einstellungen in die Gewinnrücklage abgezogen.

Das Ergebnis ist dann entweder ein Bilanzverlust oder ein Bilanzgewinn. Letzterer kann trotz Fehlbetrag entstehen, wenn beispielsweise aus dem Vorjahr hohe Gewinnvorträge vorliegen, mit denen der Fehlbetrag kompensiert werden kann.

Jahresfehlbetrag berechnen

Zur Berechnung des Jahresendergebnisses subtrahiert man sämtliche Aufwendungen innerhalb eines Geschäftsjahres von den Erträgen. Ist das Ergebnis positiv handelt es sich um einen Jahresüberschuss, da das Unternehmen mehr Erträge erwirtschaftet hat als es Kosten zu tätigen hatte. Bei einem negativen Ergebnis überstiegen die Kosten die Einnahmen und man spricht von einem Jahresfehlbetrag.

Zur Ermittlung des Jahresendergebnisses kann man das Gesamtkostenverfahren aus der GuV anwenden. Dabei werden folgende Erträge bzw. Aufwendungen miteinander verrechnet:

(- + Umsatzerlöse) (- +/- Erhöhung bzw. Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen) (- + andere aktivierte Eigenleistungen) (- + sonstige betriebliche Erträge) (- - Materialaufwand (Aufwendungen für Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe sowie für Waren, und Aufwendungen für bezogene Leistungen) ( - - Personalaufwand (Löhne, Gehälter, soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersvorsorge) ( - - Abschreibungen (auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen, auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens) ( - - sonstige betriebliche Aufwendungen) (- + Erträge aus Beteiligungen) (- + Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens) (- + sonstige Zinsen und ähnliche Erträge) (- - Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens) (- - Zinsen und ähnliche Aufwendungen) (- - Steuern vom Einkommen und Ertrag)

Der Saldo aus den obigen Positionen entspricht dem Ergebnis nach Steuern und somit dem Jahresendergebnis des Unternehmens.

Jahresfehlbetrag ausgleichen

Personengesellschaften (KG, OHG) müssen ihre Verluste mit Kapitalanteilen ausgleichen, das heißt, sie müssen Rücklagen auflösen. Dagegen können Kapitalgesellschaften ihren Jahresfehlbetrag mit Gewinnvorträgen aus dem Vorjahr ausgleichen.

Jahresfehlbetrag mit Gewinn- und Verlustvortrag

Kapitalgesellschaften können den Jahresfehlbetrag durch die Erhöhung des Kapitals ausgleichen (z.B. Erhöhung der Stammeinlagen durch die Gesellschafter, oder Veräußern von Unternehmensaktien).

Es kann jedoch auch ein sogenannter Verlustausgleich durchgeführt werden. Wurde im Vorjahr ein Gewinnvortrag gemacht, kann der Fehlbetrag durch diesen ausgeglichen werden. Die Bilanz kann dann trotz Jahresfehlbetrag positiv sein und sogar als Bilanzgewinn enden. In diesem Fall kann trotz des negativen Jahresergebnisses eine Ausschüttung an die Gesellschafter oder Aktionäre erfolgen.

Ist kein Ausgleich möglich, wird der Verlust auf das nächste Geschäftsjahr übertragen. In der Bilanz wird der Verlustvortrag als eigene Position unter Eigenkapital aufgeführt. Der Vortrag mindert somit das Eigenkapital des Unternehmens und kann diesen Wert sogar übersteigen. Er wird in der Bilanz als "nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" ausgewiesen.

Ein Unternehmen, das auf diese Weise Verluste vor sich herschiebt, ist finanziell stark angeschlagen, da es nicht über genügend Mittel verfügt, Verluste auszugleichen.

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Bedeutung des Jahresfehlbetrags

Selbstverständlich ist ein Jahresüberschuss besser als ein Fehlbetrag, jedoch deutet der Fehlbetrag nicht immer auf eine ernste Situation hin. Es gibt schlichtweg Geschäftsjahre, in denen das Geschäft nicht gut läuft. Es kann auch sein, dass in einem Jahr eine große Investition getätigt wurde, wodurch die Aufwendungen im Vergleich zu den Erträgen sehr viel höher waren, was schlussendlich zum Fehlbetrag führte.

Vor allem Unternehmen, die noch in der Anfangsphase sind, haben oft Jahresfehlbeträge, da sie in den ersten Jahren viele Anschaffungen tätigen müssen und es eine gewisse Zeit dauert, bis sie genügend hohe Erträge erwirtschaften.

Damit außergewöhnliche Aufwendungen (wie zum Beispiel große Investitionen) nicht das Bild der finanziellen Lage des Unternehmens verfälschen, werden diese Aufwendungen oft auch aus dem Jahresendergebnis herausgerechnet. Damit lässt sich die eigentliche finanzielle Lage des Unternehmens besser analysieren.

Grund zur Sorge stellt ein Jahresfehlbetrag dann dar, wenn es ein Dauerzustand ist oder er nicht auf außergewöhnliche Ereignisse zurückgeführt werden kann. Ein Unternehmen, das ständig einen Fehlbetrag erwirtschaftet, ist nicht rentabel. Irgendwann sind die Kapitalrücklagen aufgebracht und der Fehlbetrag kann dann nicht mehr ausgeglichen werden. Die Folge: Insolvenz.

Jahresfehlbetrag bei einer GmbH: Was nun?

Wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, muss ein Jahresfehlbetrag nicht unbedingt auf eine schlechte finanzielle Lage des Unternehmens hinweisen. Er sagt lediglich aus, dass im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust erwirtschaftet wurde. Damit man die Gründe für den Fehlbetrag klarer sieht, sollten außergewöhnliche Aufwendungen nicht betrachtet werden.

Auf der Gesellschafterversammlung wird beschlossen, wie mit Jahresüberschüssen bzw. -fehlbeträgen umgegangen wird. Im Fall von Überschüssen kann festgelegt werden, dass diese für Gewinnrücklagen verwendet werden und ein Teil davon an die Gesellschafter ausgeschüttet wird.

Ein Fehlbetrag verbleibt dagegen stets im Unternehmen. Er kann durch die Gesellschafter ausgeglichen werden, indem die Kapitaleinlagen erhöht werden, oder ins nächste Jahr fortgeschrieben wird. Das Fortschreiben des Jahresfehlbetrags ist dann sinnvoll, wenn das Unternehmen finanziell solide ist und die Verluste im kommenden Jahr durch Gewinne ausgeglichen werden können.

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