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Cash-Pooling: Das Prinzip der Liquiditätsbündelung einfach erklärt

Konzerne haben regelmäßig einen hohen Bedarf an Kapital und nutzen das Instrument Cash-Pooling. Doch was hat es mit Cash-Pooling auf sich? Und warum bietet sich diese Form der Liquiditätsbündelung vor allem für Konzerne an? Hier ein Überblick.

In diesem Artikel :

Cash-Pooling: Definition

Cash-Pooling ist ein Instrument zur Steuerung der Konzernfinanzierung. Im Kern soll ein konzerninterner Liquiditätsausgleich erzielt werden. Hierbei vergeben die Tochtergesellschaften liquide Mittel in Form von Darlehen an die Konzerngesellschaft, die diese Mittel wiederum für alle Gesellschaften zentral verwaltet.

Das Prinzip Cash-Pooling einfach erklärt

Warum sollten Tochtergesellschaften ihre liquiden Mittel an die Konzerngesellschaft vergeben? Das Prinzip ist recht simpel: Häufig ergibt sich in Konzernen eine unterschiedliche Liquiditätssituation bei den verschiedenen Gesellschaften.

Wenn ein Einzelunternehmen Kapital benötigt, so ist meist die Hausbank ein wichtiger Ansprechpartner. Ein Kredit wird aufgenommen, doch dafür entstehen auch entsprechende Finanzierungskosten. Wenn in einem Konzern eine Tochtergesellschaft Kapital benötigt, kann es wesentlich günstiger sein, die Mittel innerhalb des Konzerns zur Verfügung zu stellen. Dies kann die Liquidität insgesamt erheblich verbessern.

Cash-Pooling im Konzern

Die Tochterunternehmen eines Konzerns legen beim Cash-Pooling ihre liquiden Mittel zusammen und lassen diese durch die Muttergesellschaft verwalten. Zuständig ist also ein zentrales Management. Zielsetzung ist es, die Kapitalbeschaffungskosten insgesamt im Konzern erheblich zu reduzieren. Ein Cash-Pooling-Vertrag regelt im Einzelnen, wie die Liquiditätsbündelung erfolgt.

Viele Kreditinstitute bieten für diese Finanzierungsform günstige Konditionen zur Führung eines Masterkontos (auch Master Account genannt) an – und zwar auch, wenn der Konzern sowohl aus inländischen als auch ausländischen Tochtergesellschaften besteht.

Hier lohnt es sich, mit der Hausbank Kontakt aufzunehmen und sich individuell zu einem möglichen Konzept beraten zu lassen. Doch auch ein Vergleich mit anderen Instituten und möglichen Services sollte hier nicht versäumt werden.

Echtes und unechtes Cash-Pooling

Beim Cash-Pooling wird zwischen verschiedenen Varianten unterschieden:

  • Echtes Cash-Pooling (häufig auch effektives oder physisches Cash-Pooling genannt)
  • Unechtes Cash-Pooling (häufig auch virtuelles, fiktives oder notional Cash-Pooling genannt)

Beim echten Cash-Pooling werden tatsächlich die Salden der jeweiligen Unternehmen auf ein Masterkonto transferiert, das wiederum von der Muttergesellschaft zentral verwaltet wird.

Beim unechten Cash-Pooling werden die verschiedenen Salden nicht tatsächlich auf ein Konto übertragen, sondern nur fiktiv verrechnet.

Cash-Pooling: Beispiel

In folgendem Beispiel kann es für den Konzern überlegenswert sein, Cash-Pooling einzusetzen und die Liquiditätssituation insgesamt zu verbessern:

Ein Konzern besteht aus fünf Gesellschaften. Zum Tag X sehen die Banksalden wie folgt aus:

Gesellschaft A: 2.000.000 Euro

Gesellschaft B: - 50.000 Euro

Gesellschaft C: 600.000 Euro

Gesellschaft D: -30.000 Euro

Gesellschaft E: 400.000 Euro

Während also in drei Gesellschaften deutliche Überschüsse auf den Bankkonten vorhanden sind, müssten in dieser Situation zwei Gesellschaften mit negativen Salden hohe Finanzierungskosten in Kauf nehmen. Denn wer sein Konto überzieht, muss hierfür gegenüber dem Kreditinstitut entsprechend Zinsen begleichen. Mit einer Liquiditätsbündelung könnte das vermieden werden.

Die Gesellschaften A, C und E würden in diesem Beispiel für die Überlassung von Kapital an die Muttergesellschaft Zinsen erhalten, die Gesellschaften B und D müssten für die Inanspruchnahme von Mitteln Zinszahlungen (die vertraglich geregelt werden) begleichen. Im Gegensatz zu einem Fremddarlehen verbleiben hier die Zinserträge und -aufwendungen innerhalb eines Konzerns.

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Cash-Pooling bietet Chancen zur Verbesserung der Liquidität

Durch Cash-Pooling können viele Vorteile in der Liquiditätssteuerung und -planung genutzt werden. Die bereits erwähnte Einsparung von Fremdkapitalkosten ist ein wesentlicher positiver Effekt.

Doch durch die Bündelung der liquiden Mittel erhält das Cash-Management auch zentral einen besseren Überblick. Das Cash-Management kann eine Strategie entwickeln, wie die liquiden Mittel angelegt werden könnten.

Eine verbesserte Liquiditätssituation dank Cash-Pooling kann wiederum bei der Aufnahme von Fremdkapital zu verbesserten Konditionen bei den Kreditgebern führen.

Wichtig ist: Der Erfolg der Liquiditätsbündelung liegt in einer guten Vorbereitung und Struktur.

Wenn Cash-Pooling genutzt wird, heißt das nicht, dass die einzelnen Gesellschaften keine eigene Liquiditätsplanung mehr benötigen. Das Liquiditätsmanagement ist hier weiterhin gefragt!

Risiken beim Cash-Pooling

Für Konzerne bieten sich also unter Umständen erhebliche Vorteile, wenn Liquidität gebündelt wird. Doch das Cash-Pooling birgt für einen Konzern auch einige Risiken, die es abzuwägen gilt.

Wenn das Monitoring und die Steuerung beim Cash-Pooling nicht ausreichend erfolgen, leidet das Liquiditätsmanagement aller Gesellschaften. Hier sollten moderne Tools zum Einsatz kommen, um jederzeit den Überblick zu bewahren.

Für Tochtergesellschaften bedeutet vor allem das echte Cash-Pooling, dass sie in gewisser Weise nicht mehr vollkommen wirtschaftlich unabhängig agieren.

Im Falle einer Insolvenz können komplexe Fragen zur Insolvenzmasse entstehen: Inwiefern kann zum Beispiel die Insolvenz einer Gesellschaft und damit verbundene Gläubigeransprüche die Liquiditätssituation der anderen Gesellschaften beeinflussen, wenn bereits Mittel in den Cash-Pool geflossen sind? Ein prominentes Beispiel, das in den Medien thematisiert wurde, ist die Fluggesellschaft Condor. Als die Muttergesellschaft Thomas Cook 2019 Insolvenz anmeldete, geriet auch Condor aufgrund von Cash-Pooling in Liquiditätsprobleme.

Weitere Risiken können gerade bei international agierenden Unternehmen in Währungsschwankungen liegen. Eine Herausforderung für das Liquiditätsmanagement liegt in der Frage, wie die liquiden Mittel verwaltet werden. Das kann Chancen und Risiken gleichermaßen mit sich bringen.

Hinweis: Unternehmen sollen sich rechtlich beraten lassen, insbesondere, welche haftungsrechtlichen, steuerlichen oder gar strafrechtlichen Risiken entstehen können beim Aufsetzen eines Cash-Pools.

Cash-Pooling: Steuerrecht und Bilanzierung

Damit die wirtschaftlichen Vorteile von Cash-Pooling tatsächlich ausgeschöpft werden können, müssen zwingend auch steuerliche Besonderheiten beachtet werden. So muss beispielsweise bei den Vertragsbedingungen der Fremdvergleichsgrundsatz beachtet werden. Also die Frage: Hätte ein fremder Dritter diesen Konditionen zugestimmt? Wird der Fremdvergleichsgrundsatz nicht beachtet, kann dies insbesondere erhebliche körperschaftsteuerliche und gewerbesteuerliche Folgen mit sich bringen.

Zu beachten sind außerdem Besonderheiten, wie zum Beispiel:

  • Kapitalertragsteuer bzw. Quellensteuer bei Zinserträgen
  • Dokumentationspflichten
  • Zinsschranke nach § 4h EStG
  • Fragen der Hinzurechnungsbesteuerung nach dem Außensteuergesetz
  • Die Bilanzierung: Hier ist zu unterscheiden, ob es sich um echtes oder unechtes Cash-Pooling handelt. Je nach Konzept, ergeben sich unterschiedliche bilanzielle Folgen.

Hinweis: Steuerliche und bilanzielle Fragestellungen sind gerade im Zusammenhang mit Konzernen komplex. Hier sind eine gute Vorbereitung und Hilfe durch Berater unersetzlich. Doch auch wenn die steuerliche Komplexität zunächst abschreckend wirken kann: Die Liquiditätsvorteile können so attraktiv sein, dass es sich lohnen kann, einen Cash-Pool sorgfältig und mit Unterstützung externer Berater aufzusetzen.

Cash-Pooling: Agreement

Basis für Cash-Pooling bietet ein entsprechender Vertrag. Sämtliche Konditionen müssen hier eindeutig und transparent geregelt werden. Dabei müssen beispielsweise Fragen geregelt werden, wie:

  1. Wer nimmt an dem Cash-Pooling teil?
  2. Wie sieht ein Monitoring und Reporting aus? Wie wird ein Frühwarnsystem implementiert?
  3. Welche Zinsvereinbarungen werden getroffen?
  4. Wie können die Gesellschaften über liquide Mittel verfügen?
  5. Welche Sicherheiten werden vereinbart?
  6. Wie wird das Cash-Pooling technisch abgewickelt?
  7. Welche haftungsrechtlichen Regelungen werden getroffen?
  8. Welche Kündigungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Vertragsgestaltung ist zu beachten, dass der Fremdvergleichsgrundsatz gewahrt wird. Zudem sollte auch sichergestellt werden, dass die Gesellschaften sich jederzeit informieren können zur aktuellen Situation des Cash-Pools.

Klar ist: Wer auf Cash-Pooling setzt und verschiedene Gesellschaften und Konten bündelt, der kann nicht auf traditionelles Controlling mit manuellen Exceltabellen setzen. Moderne Tools bieten hier die Möglichkeit, auch bei einem Instrument wie Cash—Pooling ein Liquiditätsmanagement in Echtzeit zu gewährleisten.

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