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Der Verrechnungspreis als Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsprüfung

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Der Verrechnungspreis dient zur Bezifferung von Leistungen, die innerhalb eines Unternehmensverbunds erbracht bzw. bezogen werden.

Der Verrechnungspreis dient zur Bezifferung von Leistungen, die innerhalb eines Unternehmensverbunds erbracht bzw. bezogen werden. Mit ihm lassen sich zudem die Effizienz und Wirtschaftlichkeit verschiedener verbundener Unternehmen oder Teilbereiche bewerten. Unternehmen nutzen den Verrechnungspreis auch, um Steuervergünstigungen zu erzielen. Was rechtlich beachtet werden muss und wie man den Verrechnungspreis ermittelt, lesen Sie in diesem Artikel.

Verrechnungspreis: Definition zum Transfer Pricing

Der Verrechnungspreis wird im Englischen als transfer price bezeichnet, weswegen man auch manchmal im Deutschen vom Transfer Pricing spricht. Damit bezeichnet man den Preis für Güter oder Dienstleistungen, die innerhalb eines Betriebs oder Konzerns ausgetauscht werden.

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Im Unterschied zu außerbetrieblichen Preisen, die von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, unterliegt der Verrechnungspreis keinen ökonomischen Schwankungen, sondern kann als fix angesetzt werden. Er wird deshalb auch dazu genutzt, die Effizienz einzelner verbundener Unternehmen oder Teilbereiche im Konzern zu bewerten.

Auf diese Weise erhalten die einzelnen Controlling-Abteilungen in den verschiedenen Unternehmensbereichen oder verbundenen Unternehmen eines Konzerns eine Übersicht über die Effizienz der einzelnen Geschäftsbereiche. Anhand des Verrechnungspreises für den innerbetrieblichen Leistungsaustausch lassen sich Bereiche identifizieren, die suboptimal arbeiten.

Der Verrechnungspreis kann somit zur Kostenkontrolle in einem Unternehmen bzw. ganzen Konzern genutzt werden, da er auch Vergleiche zwischen den einzelnen Bereichen und verbundenen Unternehmen zulässt. Dadurch erhalten Verantwortliche ein klares Bild über die Wirtschaftlichkeit ihres Verantwortungsbereichs und können gegebenenfalls Maßnahmen zur Optimierung einleiten.

Bedeutung des Verrechnungspreises für Unternehmen

Der Verrechnungspreis hat in Unternehmen und Konzernen mehrere Aufgaben. Er dient dazu, einzelne Geschäftsbereiche zu steuern, indem deren einzelne Leistungen und Ressourcen mit einem internen "Preisschild" versehen werden.

Mehr Eigenverantwortung für Teilbereiche

So können Bereichsverantwortliche leichter erkennen, ob und wie effizient ihre Prozesse sind. Ziel ist die Gewinnmaximierung in diesem Teilbereich.

Anhand des Verrechnungspreises lassen sich auch Entscheidungen schneller treffen, weil ein Blick in die Preisliste beim Planen von Projekten hilft. So erhalten die einzelnen Teilbereiche eines Unternehmens mehr Autonomie und müssen sich bei Entscheidungen, die nur ihren Bereich betreffen, nicht an die Unternehmensführung wenden.

Steuern minimieren mit dem Verrechnungspreis

Innerhalb eines Konzerns, dem mehrere Unternehmen angehören, lässt sich der Verrechnungspreis auch zur Steuerminimierung nutzen. Er ermöglicht, dass Gewinne von einer Gesellschaft in eine andere verschoben werden können. Dies machen sich vor allem Konzerne zunutze, die in verschiedenen Ländern verbundene Unternehmen haben.

Da die Steuerbelastung von Land zu Land unterschiedlich ist, werden die Verrechnungspreise so angesetzt, dass eine Gesellschaft, die ihren Sitz in einem Land mit geringer Steuerbelastung den höchsten Gewinn hat. Es gibt hierbei jedoch strenge Steuervorschriften, an die sich die Unternehmen halten müssen.

Leichtere Analyse von Unternehmensbereichen

Da der Verrechnungspreis vom Markt entkoppelt ist, unterliegt er keinen Schwankungen durch Angebot und Nachfrage. Die Kostenkontrolle innerhalb eines Unternehmensbereichs ist dadurch einfacher. In der Bilanzanalyse werden Verrechnungspreise zudem zur Leistungsbewertung des Unternehmensbereichs genutzt.

6 Schritte und Tools zu mehr Unternehmenssicherheit

Transfer Pricing im Steuerrecht

Da es keine einheitliche Regelung gibt, wie Verrechnungspreise zu ermitteln sind, müssen Unternehmen und Konzerne gegenüber den zuständigen Steuerbehörden genau aufschlüsseln, wie sie auf ihre Verrechnungspreise gekommen sind. Das soll Steuerhinterziehung vermeiden.

Verrechnungspreisdokumentation ist immer Pflicht

In einer Verrechnungspreisdokumentation muss deswegen Schritt für Schritt durch die Ermittlung des Verrechnungspreises geführt werden. Dies ist verpflichtend für Unternehmen, die international tätig sind und Leistungen an Firmen im Ausland abgeben, bei denen sie zu mindestens 25 Prozent Teilhaber sind oder zu mindestens 25 Prozent dem ausländischen Unternehmen gehören.

Wer auf der sicheren Seite sein will, erstellt immer eine Verrechnungspreisdokumentation. Da die Steuerbehörden genau wissen, dass Unternehmen den Verrechnungspreis gerne für Gewinnverschiebungen und somit zur Steuerreduktion nutzen, schauen sie deshalb sehr genau hin.

Bekommt ein Unternehmen die Aufforderung vom Finanzamt die Dokumentation einzureichen, reicht häufig die sehr kurz gesetzte Frist nicht aus, um die nötigen Unterlagen zu erstellen. Es können Verzugszahlungen in Höhe von 5 bis 10 Prozent des Unternehmensergebnisses drohen.

Verrechnungspreis ermitteln

Fremdvergleich für Verrechnungspreis immer notwendig

Für Controlling-Abteilungen ist es immer am einfachsten, die Verrechnungspreise so zu wählen, dass sie sich an den reinen Kosten orientieren. Damit geben sich Steuerbehörden jedoch nicht immer zufrieden.

Diese wollen stattdessen lieber einen Verrechnungspreis sehen, der den üblichen Marktpreisen entspricht, die das Unternehmen bezahlt hätte, wenn es die Leistung extern bezogen hätte.

Werden also die Kosten als Verrechnungspreise angesetzt, müssen zu diesen noch Gewinnzuschläge addiert werden, um steuerrechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Es muss also ein Fremdvergleich angestellt werden.

Marktpreisorientierte Methode für den Verrechnungspreis

Eine Methode zur Bestimmung des Verrechnungspreises durch Fremdvergleich ist die über den Marktpreis. Beim marktpreisorientierten Verrechnungspreis wird ein Markt simuliert.

Ziel ist es, den Marktpreis zur Bewertung der Effizienz eines Unternehmensbereichs zu nutzen. Voraussetzung, damit der Marktpreis als Verrechnungspreis funktioniert, ist ein vollkommener Markt, der sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet:

  • Der leistende und der leistungsbeziehende Bereich haben Zugang zum Markt.
  • Der Marktpreis für eine Leistung muss einheitlich sein und die extern bezogene Leistung muss identisch mit der internen Leistung sein
  • Die Marktkapazitäten sind unbegrenzt.
  • Synergievorteile, die beim Bezug von externen Leistungen entfallen, müssen rechnerisch berücksichtigt werden.
  • Der Verrechnungspreis muss Marktpreisschwankungen angepasst werden.

Die Nutzung des Marktpreises als Verrechnungspreis hat den Vorteil, dass er von Steuerbehörden anerkannt wird und ein effizientes Mittel ist, die Effizienz der unterschiedlichen Konzernbereiche zu bewerten.

Transfer Pricing: Beispiel zur Bestimmung des Verrechnungspreises

Ein Unternehmen aus Deutschland verkauft Komponenten für Elektromotoren an ein verbundenes Unternehmen in den USA, wo die Produkte endgefertigt werden. Das Unternehmen in Deutschland schaut sich zur Bildung des Verrechnungspreises dann an, was es für den Verkauf der Komponenten an Drittbezieher in Rechnung stellen würde.

Dies gelingt am einfachsten, wenn solche Transaktionen in der Vergangenheit schon getätigt wurden, denn dann liegt ein Fremdvergleich vor, an dem man sich orientieren kann. Meist ergibt sich aufgrund von vergangenen Marktschwankungen ein Preisspektrum. Es ist dann sinnvoll, den Verrechnungspreis innerhalb dieses Spektrums anzusiedeln.

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