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Solvenz und Liquidität: Wo ist genau der Unterschied?

Lesezeit: 6 Min
Was ist eigentlich die Solvenz und wo besteht der Unterschied zur Liquidität?

Ein Unternehmen muss im Laufe der Zeit in vielen verschiedenen Situationen zeigen, dass Solvenz gewährleistet ist. Es muss fähig sein, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen. Doch was verbirgt sich nun konkret hinter dem Begriff „Solvenz“? In diesem Beitrag wird ein Überblick zu dem Begriff und eine Abgrenzung zur „Liquidität“ gegeben. Außerdem wird verdeutlicht, warum Solvenz für Unternehmen von so großer Bedeutung ist und wann Geschäftspartner entsprechende Nachweise verlangen.

Inhalt:

Solvenz: Definition

Mit dem Begriff Solvenz wird die Zahlungsfähigkeit eines Rechtssubjekts gemeint. Unternehmen, die solvent sind, sind also in der Lage, ihre (bereits fälligen und demnächst fälligen) Schulden zu begleichen.

Solvenz: Synonyme

Es gibt zahlreiche Begriffe, die synonym zu Solvenz verwendet werden: Zahlungsfähigkeit, Bonität, Kreditwürdigkeit. Doch nicht jeder Begriff passt hier gleichwertig als Synonym. Die Zahlungsmoral sagt beispielsweise nicht unbedingt etwas zur Solvenz eines Unternehmens aus.

Es gibt durchaus Unternehmen, die zahlungsfähig wären, jedoch eine schlechte Zahlungsmoral zeigen und ihre Rechnungen verspätet begleichen. Dennoch sind sie in diesen Fällen solvent. Zahlungsmoral und Solvenz sind also nicht dasselbe.

Unterschied von Solvenz und Liquidität

Auch Liquidität und Solvenz werden häufig synonym verwendet. Eine Ähnlichkeit der Begriffe ist auch gegeben, denn in beiden Fällen geht es darum, dass beispielsweise ein Unternehmen zahlungsfähig ist. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Liquidität wie folgt: „Liquidität ist die Ausstattung an Zahlungsmitteln, die für Investitions- und Konsumauszahlungen und zur Befriedigung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung stehen.“

Mit anderen Worten: Ein Unternehmen, dass ausreichend Liquidität vorweist, ist wahrscheinlich auch solvent. Allerdings kann ein Unternehmen über liquide Mittel verfügen – und dennoch nicht solvent sein. Dies wird deutlich, wenn man sich klar macht, wann ein Unternehmen insolvent ist.

Von der Solvenz zur Insolvenz

Insolvenz ist ein Begriff, der vielen wesentlich geläufiger ist als die Solvenz. Häufig liest man in den Medien von Unternehmen, die in eine Krise geraten sind und daher Insolvenz anmelden mussten. Doch wann ist ein Unternehmen überhaupt solvent bzw. insolvent?

Das Insolvenzrecht gibt hier klare Vorgaben: Ein Insolvenzverfahren muss eröffnet werden, wenn ein Insolvenzgrund vorliegt. Folgende drei Insolvenzgründe sind hier maßgeblich:

  • Zahlungsunfähigkeit (§ 17 Insolvenzordnung),
  • drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 Insolvenzordnung) oder
  • Überschuldung (§ 19 Insolvenzordnung).

Wenn also beispielsweise ein Unternehmen im Sinne des Insolvenzrechts überschuldet ist, ist es auch insolvent und verpflichtet einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. In der Regel kann man zwar davon ausgehen, dass ein Unternehmen, dass überschuldet ist, auch mit der Liquidität Schwierigkeiten hat.

Wer zu viel Fremdkapital aufnimmt, muss dies auch irgendwann wieder begleichen. Ein überschuldetes Unternehmen wird dies langfristig nicht gewährleisten können. Es verfügt nicht mehr über ausreichende Vermögenswerte. Es wird also deutlich, dass für den Begriff „Solvenz“ offensichtlich mehr Kriterien betrachtet werden, um langfristige Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

6 Schritte und Tools zu mehr Unternehmenssicherheit
Hinweis: Während der Corona-Krise wurde die Insolvenzantragspflicht vorübergehend ausgesetzt, um eine große Pleitewelle zu vermeiden. Auch für Opfer der Flutkatastrophe vom Juli 2021 wurden Erleichterungen gewährt. Kritiker befürchteten, dass hierdurch viele Unternehmen am Markt aktiv blieben, die eigentlich insolvent waren und hierdurch auch andere Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten brachten.

Konzerne bringen Besonderheiten im Hinblick auf eine Teilinsolvenz mit sich. An dieser Stelle sei das jedoch nur am Rande erwähnt.

Bedeutung von Solvenz

Die Solvenz eines Unternehmens ist von großer Bedeutung. Ein Unternehmen, dass ausreichend solvent ist, bleibt handlungsfähig. Es ist in der Lage, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen und ggf. auch neue Investitionen zu tätigen. Es kann Wachstum vorantreiben.

Die Solvenz ist auch Voraussetzung bei der Kreditwürdigkeitsprüfung. Denn wer würde gerne einen Kredit an ein Unternehmen vergeben, bei dem sehr wahrscheinlich Forderungsausfälle zu befürchten sind? Die Solvenz eines Unternehmens bedeutet also auch, dass keine Insolvenz vorliegt.

Solvenzrisiko kann zahlreiche Folgen nach sich ziehen Für Wirtschaftsteilnehmer ist es entscheidend, dass Geschäfte mit Partnern geschlossen werden, die ebenfalls ihre Verpflichtungen erfüllen (können). Wer als Dienstleister ein großes Projekt begleitet hat, jedoch dann nicht bezahlt wird, weil der Geschäftspartner insolvent gegangen ist, kann schnell selbst in eine wirtschaftliche Krise geraten. Deshalb sollte bei Geschäftsabschlüssen auch ein aufmerksamer Blick auf das Solvenzrisiko, also das Verlustrisiko durch Insolvenz, gelegt werden.

Wie erfolgt der Solvenznachweis?

Doch wie kann ein Unternehmen nun die Solvenz prüfen oder nachweisen? Verschiedene deutsche Auskunfteien bieten sogenannte Bonitätsprüfungen an. Bekannt sind beispielsweise die SCHUFA, Creditreform, CRIF Bürgel und weitere Anbieter.

Sehr häufig wird es nicht ausreichen, dass der Geschäftspartner beispielsweise eine SCHUFA-Auskunft einholt. Auch eine Selbstauskunft wird regelmäßig gefordert. Und hier kann ein Unternehmen überzeugen, wenn es entsprechende Daten aufbereitet und präsentiert. In der Praxis wird auch häufig von Bonitätsauskunft gesprochen.

Das Liquiditätsmanagement kann wesentliche Daten durch Kennzahlen liefern. Das sind beispielsweise Kennzahlen zu

  • Verbindlichkeiten
  • Liquidität (zum Beispiel Liquidität I., II., III. Grades)
  • Eigenkapital (zum Beispiel Eigenkapitalquote).

Die Aktualität der Daten spielt hierbei eine große Rolle. Wer keine aktuellen Kennzahlen vorweisen kann, wird hier unter Umständen nicht überzeugen können. Wichtig ist daher ein Liquiditätsmanagement, dass schnell aktuelle Daten bereitstellen kann.

Hinweis: Im Zusammenhang mit der Corona-Krise konnten Unternehmen staatliche Hilfen beantragen, beispielsweise auch durch Überbrückungshilfen. Voraussetzung war jedoch, dass das Unternehmen vor der Corona-Krise nicht bereits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war. Auskunfteien, wie Creditreform, boten in diesen Fällen kostenfreie Bonitätsnachweise für deutsche Unternehmen an.

Solvenzprüfung gehört zum Geschäftsalltag

Die Solvenz wird von vielen verschiedenen Stellen unter die Lupe genommen. Wenn beispielsweise neue Räumlichkeiten angemietet werden sollen, dann wollen sich potenzielle Vermieter auch vor möglichen Forderungsausfällen schützen. Dies gilt übrigens durchaus auch bei Privatpersonen. Eine SCHUFA-Auskunft gehört daher oft zum Standardverfahren. Die Solvenz wird daher häufig im Rahmen einer Bonitätsprüfung geprüft.

SCHUFA ist die Abkürzung für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Und diese Gemeinschaft kann laut eigenen Angaben Daten zu 68 Millionen natürlichen Personen und 6 Millionen Unternehmen liefern. Wer also mit Geschäftspartnern Verträge schließen möchte, muss häufig eine entsprechende Prüfung bestehen, damit der Kontrakt überhaupt zustande kommt.

Bonitätsprüfungen durch Auskunftei

Auch bei Kreditanfragen werden im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung Abfragen zur Bonität des Antragsstellers gemacht. Das Prinzip ist recht einfach: Wer eine gute Bonität vorweisen kann, steigert auch die Chancen für günstige Kreditkonditionen. Kreditinstitute prüfen hierbei standardmäßig, wie groß das Risiko ist, dass das Unternehmen den Kredit nicht planmäßig zurückzahlt.

Für die Unternehmensfinanzierung kann es deshalb sinnvoll sein, eine Selbstauskunft einzuholen. Was erfährt der potenzielle Geschäftspartner über das eigene Unternehmen? Es kann vorkommen, dass bei den Daten der Bonitätsprüfung auch Fehler vorhanden sind, die sich für künftige Geschäfte negativ auswirken können. In diesem Fall sollten Unternehmen mit der Auskunftei Kontakt aufnehmen und die Angaben richtigstellen lassen.

Hinweis: Für Unternehmen kann es interessant sein, sich über Geschäftspartner Auskünfte einzuholen und die eigene Liquidität zu sichern, indem man mögliche Zahlungsausfälle im Voraus bereits ermittelt.

Stresstests und Solvenzquote in der Banken- und Versicherungsbranche

Auch Kreditinstitute müssen sicherstellen, solvent zu sein. Klar ist: Die Finanzwirtschaft basiert auf solventen Kreditinstituten. Für Anleger, Unternehmen, Privatpersonen und weitere Institute kann die Insolvenz einer Bank katastrophale Konsequenzen mit sich bringen. Ein Beispiel lieferte im Frühjahr 2021 die Greensill Bank.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellte im März 2021 den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Überschuldung. Private Anleger konnten weitestgehend durch Einlagensicherungsfonds Entschädigungen erhalten. Die viele Kommunen gerieten durch die Pleite selbst unter Druck. Dies zeigt, wie empfindlich eine Insolvenz treffen kann.

Sowohl die Institute selbst, als auch die Aufsicht führen daher regelmäßig Stresstests durch, um festzustellen, welche Auswirkungen eine Krise auf die Eigenkapitalsituation von Banken haben könnte.

Auch Versicherungsunternehmen müssen solvent sein, damit ihre Kunden auch tatsächlich abgesichert sind. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff „Solvabilität“. Versicherungsunternehmen müssen sicherstellen, dass ausreichend Kapital vorhanden ist, ihre Existenz und ihre eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Hierfür gibt es aufsichtsrechtliche Vorgaben. Versicherungsunternehmen müssen demnach eine Solvenzquote erfüllen. Richtlinien, wie Solvency II, geben vor, wie die Bewertung zu erfolgen hat. Weitere Informationen hierzu gibt beispielsweise die BaFin.

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