Was fällt alles unter die Materialeinzelkosten?

Lesezeit: 4 min
Die Materialeinzelkosten sind ein Teil der Herstellungskosten.

Die Materialeinzelkosten sind ein großer Bestandteil der Herstellungskosten eines Produkts. Deshalb spielen sie bei der Preiskalkulation eine wichtige Rolle. Was alles zu den Materialeinzelkosten gehört und wie man mit ihnen rechnet, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Was sind Materialeinzelkosten?

Die Materialeinzelkosten sind ein Teil der Herstellungskosten. Mit den Materialgemeinkosten stellen sie gemeinsam die Materialkosten dar, die für die Herstellung von Produkten anfallen und bei der Preisbildung berücksichtigt werden müssen.

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Materialeinzelkosten & Gemeinkosten

Die Materialeinzelkosten können einem Kostenträger (Produkt) direkt zugeordnet werden. Damit unterscheiden sie sich von den Materialgemeinkosten, die einem Kostenträger nicht unmittelbar zugeordnet werden können. Ob es sich um Materialeinzel- oder -gemeinkosten handelt, wird über die Zurechenbarkeit bestimmt. Können Materialien direkt einem Produkt zugerechnet werden, handelt es sich um Materialeinzelkosten.

Zu den Materialeinzelkosten zählen beispielsweise:

  • Rohstoffe
  • Hilfsstoffe
  • Halbfertige Produkte

Materialgemeinkosten müssen dagegen per Zuschlagssätzen einem Kostenträger zugeordnet werden. Zu den Materialgemeinkosten zählen zum Beispiel:

  • Miete und Versicherung für Lagerhalle
  • Bezugskosten für Material
  • Transport- und Logistikkosten
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Materialeinzelkosten & variable Kosten

Variable Kosten sind meistens Einzelkosten, so auch beim Material. Für die Herstellung eines Produkts sind eine bestimmte Menge und Art an Materialien nötig. Diese sind bekannt, wodurch sich die Kosten direkt einem Produkt zuordnen lassen. Die Materialeinzelkosten gehen beispielweise in die Stückkostenberechnung mit ein und sind wichtig, wenn man Stückdeckungsbeiträge und den Verkaufspreis ermitteln möchte.

Materialeinzelkosten: Beispiel

Ein Unternehmen stellt Stühle und Tische aus Holz her. Dazu benötigt es neben Holz auch Schrauben und Leim. Holz ist ein Rohstoff, die Schrauben und der Leim sind Hilfsstoffe. Sowohl das Holz, die Schrauben und der Leim können einem Stuhl oder einem Tisch direkt zugeordnet werden, da die benötigte Menge zur Herstellung genau bekannt ist. Bei den Kosten für all diese Stoffe handelt es sich also um Materialeinzelkosten.

Die Miete für die Lagerhalle, wo sämtliche Betriebsmittel gelagert werden, zählt dagegen zu den Materialgemeinkosten, da diese nicht direkt einem Stuhl oder einem Tisch zugeordnet werden kann.

Materialeinzelkosten berechnen mit Formel

Materialeinzelkosten lassen sich einem Produkt direkt zuordnen. Deswegen kann man sie auch leicht berechnen, ohne wie bei den Gemeinkosten mit Zuschlagssätzen und einem Betriebsabrechnungsbogen arbeiten zu müssen. Man liest die Materialeinzelkosten einfach aus der Buchhaltung ab, wo erfasst wurde, wie viel für welches Material bezahlt wurde.

Greifen wir das Beispiel von oben auf und schauen uns die Herstellung eines Stuhls genauer an: Es wird eine bestimmte Menge an Holz, Schrauben und Leim benötigt, sowie eine Fachkraft, die den Stuhl unter Einsatz von verschiedenen Maschinen und Werkzeugen herstellt.

Die Materialeinzelkosten für einen Stuhl sind:

  • 10€ für Holz
  • 1€ für Schrauben
  • 0,01€ für Leim

Somit ergeben sich für die Herstellung Materialeinzelkosten von:

Materialeinzelkosten = 10€ + 1€ + 0,01€ = 11,01€

Je mehr Stühle hergestellt werden, desto höher sind die Materialeinzelkosten. Bei 10 Stühlen demnach 110,10€. Man sieht hier also auch ganz gut, warum die Materialeinzelkosten zu den variablen Kosten zählen, denn sie sind von der Menge der hergestellten Produkte abhängig.

Materialeinzelkosten im BAB

Mit Hilfe der Materialeinzelkosten werden im Betriebsabrechnungsbogen (BAB) die Materialgemeinkosten berechnet. Dazu wird ein Zuschlagssatz auf Basis der Materialeinzelkosten ermittelt.

In Anlehnung an obiges Beispiel gehen wir davon aus, dass das Unternehmen pro Monat Materialeinzelkosten von 1.500€ hat und Materialgemeinkosten von 500€. Zu letzteren zählt beispielsweise der Lohn für die Fachkraft, die einen Teil der Stühle und Tische zusammenbaut. Wir berechnen dann den Zuschlagssatz so:

Materialgemeinkostenzuschlagssatz = Materialgemeinkosten / Materialeinzelkosten = 0,33%

Mit diesem Zuschlagssatz werden die Materialgemeinkosten auf die Kostenträger (Tische und Stühle) umgelegt. Für einen Stuhl oder einen Tisch entstehen dann Materialgemeinkosten von:

Materialgemeinkosten pro Stück = 500€ / 100% x 0,33% = 0,15€

Die Materialkosten für einen Stuhl betragen dann:

Materialkosten = Materialeinzelkosten + Materialgemeinkosten = 11,01€ + 0,15€ = 11,16€

Materialeinzelkosten: Kalkulation hilft bei der Kostenoptimierung

Die Ermittlung der Materialeinzelkosten ist wichtig für die Kostenoptimierung im Unternehmen, da sie den größten Teil der Herstellungskosten ausmachen. Sind die Materialeinzelkosten also möglichst gering, lässt sich Geld sparen.

So lässt sich zum Beispiel der Materialeinkauf optimieren, indem man sich anschaut, ab welcher Bezugsmenge man einen Mengenrabatt bekommen würde. Man könnte dann mehr Material bestellen, um den Rabatt zu nutzen, anstatt in kürzeren Intervallen kleinere Mengen zu bestellen. Dieser Ansatz lohnt sich selbstverständlich nur, wenn die Auftragslage bzw. die Marktaussicht eine höhere Bestellmenge rechtfertigen.

Vor der Einführung eines neuen Produkts hilft die Ermittlung der Materialeinzelkosten auch bei der Bewertung, ob sich die Produktion überhaupt lohnt. Im Vorfeld müssen sämtliche Materialeinzelkosten deshalb möglichst genau ermittelt werden, damit man eine Aussage darüber treffen kann, wie viele Produkte man herstellen (und verkaufen!) muss, um einen Gewinn zu erzielen.


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