Welche Vor- und Nachteile birgt das Management Buy Out?

Lesezeit: 5 min
Der Management Buy Out ist der Kauf eines Unternehmens durch das bereits aktive Management.

Der Management Buy Out ist der Kauf eines Unternehmens durch das bereits aktive Management. Es kann eine attraktive Möglichkeit für Manager:innen darstellen, in das Unternehmertum einzusteigen. Welche Vor- und Nachteile sich dabei ergeben und wie der Buy Out abläuft, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.

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Management Buy Out: Definition & Ziele

Beim Management Buy Out kauft das aktive Management des Unternehmens das komplette Unternehmen oder einen Teil davon. Falls nur ein Teil übernommen wird, werden die erworbenen Teile ausgegliedert und ein neues Unternehmen gegründet. Auf diese Weise kann beispielsweise nur ein einzelner Geschäftsbereich übernommen werden.

Das Ziel des Management Buy Out ist, dass ein Unternehmen vom aktiven Management weitergeführt werden kann. Das erhöht die Erfolgschancen, denn die bisherigen Manager:innen kennen das Unternehmen gut. Oft kommt es zu einem Management Buy Out, wenn ein inhabergeführtes Unternehmen keinen Nachfolger findet (z.B. in einem Familienunternehmen).

Management Buy Out vs. Buy In

Der Management Buy In ist das genaue Gegenteil vom Buy Out. Beim Buy In übernimmt ein externes Management das Unternehmen. Es kann auch ein externer Investor ein neues Management für das Unternehmen forcieren.

Finanzierung beim Management Buy Out

Der Management Buy Out erfordert einen großen Anteil an Kapital, damit der Kauf abgeschlossen werden kann. Meistens verfügen die Personen im Management nicht über genügend eigene Mittel, um den Kauf zu finanzieren. Es müssen dann anderweitig Mittel beschafft werden, entweder über Banken oder auch über Private Equity-Gesellschaften, die als Investoren einsteigen.

Wird der Management Buy Out per Private Equity finanziert, wird dabei häufig eine neue Gesellschaft gegründet, um die Finanzierung zu regeln. Die Private Equity-Gesellschaft und das aktive Management, die das Unternehmen kaufen wollen, gründen gemeinsam eine Gesellschaft. Sie bringen Eigenkapital ein und nehmen gegebenenfalls zur weiteren Finanzierung auch noch ein Bankdarlehen auf. Ist der Fremdkapitalanteil dabei besonders hoch, spricht man auch vom Leveraged Buy Out.

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Ablauf des Buy Out

Man kann fünf Punkte identifizieren, die beim Management Buy Out durchlaufen werden:

  1. Entscheidung: Die aktiven Manager:innen (alle oder nur ein Teil davon) entscheiden jeweils für sich selbst, ob sie sich die Führungsrolle zutrauen, oder doch lieber im Angestelltenverhältnis bleiben wollen.
  2. Unternehmensbewertung: Das aktive Management schätzt die Lage des Unternehmens genau ein, bewertet (ggf. auch mit Hilfe von außen) den Unternehmenspreis und verhandelt dann mit den bisherigen Eigentümer:innen bis man sich auf einen Preis geeinigt hat.
  3. Absichtserklärung: Beide Parteien unterzeichnen eine Absichtserklärung zum Unternehmerwechsel. Darin wird auch festgelegt, wie die Summe finanziert werden soll.
  4. Strukturierung festlegen: Es wird festgelegt, wie das Unternehmen künftig strukturiert werden soll (z.B. wenn Teilbereiche ausgegliedert werden). Mit Hilfe von Steuerberater:innen muss zudem geprüft werden, wie sich eventuelle Neustrukturierungen des Unternehmens auf die Steuerlast auswirken. Ergeben sich Steuervorteile, muss geprüft werden, ob sich dies im rechtlichen Rahmen bewegt.
  5. Verkauf: Nachdem die Formalitäten in Form von Finanzierung, Strukturierung und Steueraspekten geklärt sind, wird ein Kaufvertrag aufgesetzt, von beiden Parteien unterzeichnet und von einem Notar beglaubigt. Das Unternehmen hat nun eine neue Führung.

Management Buy Out: Vorteile & Nachteile

Vorteile

Der Management Buy Out kommt oft zum Zuge, wenn bisherige Geschäftsinhaber:innen im Familienkreis keine geeigneten Nachfolger:innen finden können. Viele Inhaber:innen bevorzugen es dann, ihr Unternehmen an jemanden zu übergeben, den sie kennen und dem sie vertrauen. Die bisherigen Eigentümer:innen profitieren beim Management Buy Out davon, dass sie ihr Unternehmen auch nach ihrem Weggang in guten Händen wissen.

Für die Käufer:innen hat der Management Buy Out den Vorteil, dass sie das Unternehmen mit all seinen Stärken und Schwächen bereits kennen. Sie können dann selbst entscheiden, welche Bereiche sie weiterentwickeln sollen. Sie fangen bei der Unternehmensführung also nicht bei Null an, sondern knüpfen dort an, wo der bisherige Eigentümer aussteigt.

Der bestehende Kundenstamm und sämtliche Geschäftskontakte bleiben erhalten. Die Weiterführung eines bestehenden Unternehmens ist in vielen Fällen einfacher als die Neugründung eines Unternehmens, das noch keinen Namen in der Branche hat.

Nachteile

Der Management Buy Out ist für Verkäufer:innen in der Regel weniger gewinnbringend als der Verkauf an einen Wettbewerber. Das Management kennt nämlich alle Stärken und vor allem auch Schwächen des Unternehmens, und kann den Preis viel besser einschätzen als ein externer Käufer dies jemals könnte.

Nachteilig für die bisherigen Manager:innen kann sein, dass sich diese in ihrer Rolle als zukünftige Unternehmensführer:innen nicht wohlfühlen. Nicht alle Manager:innen sind automatisch für die Lenkung eines Unternehmens geeignet. Manchmal fehlt der Unternehmergeist und die strategischen Fähigkeiten, Visionen in gangbare Ziele herunterzubrechen.

Ein weiterer großer Nachteil ist, dass zum Management Buy Out sehr viel Kapital benötigt wird, welches die Kaufinteressent:innen in den wenigsten Fällen als Eigenkapital zur Verfügung haben. Deswegen muss per Fremdkapital finanziert werden, wodurch der Druck auf das Unternehmen steigt, denn künftig müssen aus den Einnahmen dann auch Tilgungszahlungen getätigt werden.

Geringere Einnahmen können sich in der Folge negativ auf das operative Geschäft auswirken, da zum Beispiel keine Gelder mehr für Investitionen oder andere Wachstumsvorhaben zur Verfügung stehen.

Fazit: Management Buy Out birgt viele Chancen & Risiken

Ob ein Management Buy Out sinnvoll ist oder nicht, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Die bisherigen Manager:innen sollten einen Unternehmergeist haben, denn sie werden von der Angestelltenrolle in die Führungsrolle wechseln müssen, was nicht für jeden geeignet ist.

Die Finanzierung des Management Buy Out erfolgt in den meisten Fällen über einen großen Anteil an Fremdkapital oder Private Equity-Beteiligungen, die dann Mitspracherecht fordern. All das kann belastend auf die neuen Geschäftsführer:innen wirken.

Auf der anderen Seite birgt der Management Buy Out jedoch auch viele Chancen. Wenn Manager:innen sich die Führungsrolle zutrauen, kann diese Form des Unternehmenskaufs der ideale Einstieg in das Unternehmertum sein. Man fängt nämlich nicht ganz von vorne an, sondern hat schon viele Ressourcen zur Verfügung, auf die man zurückgreifen kann.

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