Liquiditätsanalyse erstellen: Das müssen Sie wissen

Zu jeder Zeit einen akkuraten Überblick über die finanzielle Situation des Unternehmens zu haben, ist unerlässlich, wenn man langfristig Erfolg haben möchte. Der Überwachung der ein- und ausgehenden Geldströme kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn so lassen sich Aussagen darüber treffen, ob das Unternehmen zu jedem Zeitpunkt seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Es wird dabei also ermittelt, wie liquide ein Unternehmen ist. Daher spricht man bei dieser Überwachung auch von Liquiditätsanalyse. Mit ihrer Hilfe erhält man tiefere Einblicke in die einzelnen Kostenstellen und kann anhand einer Liquiditätsvorschau auch zukünftige Szenarien durchspielen, sodass man für finanzielle Engpässe schon frühzeitig vorsorgen kann. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, welche Möglichkeiten es zur Liquiditätsanalyse gibt, wie Sie diese in Ihrem Unternehmen anwenden- und sie sogar zum Treffen strategischer Entscheidungen für sich nutzen können.

In diesem Artikel :

Liquiditätsanalyse: Was ist das?

Definition des Begriffs Liquiditätsanalyse

Mit Hilfe der Liquiditäts- oder Cashflow-Analyse lassen sich die unterschiedlichen Grade der Liquidität eines Unternehmens ermitteln. Das heißt, es lässt sich daraus ableiten, ob ein Unternehmen sowohl kurz- als auch langfristig seinen Verbindlichkeiten nachkommen kann. Die Liquidität gibt also auch Auskunft darüber, wie „gut“ es einem Unternehmen gerade geht. Als liquide Mittel bezeichnet man dabei sämtliches Vermögen des Unternehmens, das entweder schon frei verfügbar- (z.B. Bargeld, Guthaben auf den Geschäftskonten, Schecks) oder in anderen Vermögensgegenständen gebunden ist und bei Veräußerung in ein liquides Mittel umgewandelt werden kann (z.B. Maschinen, Gebäude, Inventargegenstände). Banken ziehen diese Kennzahlen heran, wenn es um die Vergabe von Krediten geht. Je genauer und detaillierter Sie Ihre Liquidität aufschlüsseln können, desto transparenter können Sie Ihre finanzielle Situation der Bank darlegen, was Ihnen unter Umständen sogar einen größeren Verhandlungsspielraum einräumt und Sie bessere Kreditkonditionen aushandeln lässt. Es lassen sich zwei Varianten der Liquiditätsanalyse unterscheiden: die statische und die dynamische. Diese stellen wir Ihnen in den folgenden Abschnitten genauer vor.

Was ist eine statische Liquiditätsanalyse?

Bei der statischen Variante wird die Liquidität des Unternehmens zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt betrachtet, z.B. im Rahmen der Jahresabschlussrechnung, wenn die Bilanz erstellt wird. Bei dieser Methode werden Liquiditätsgrade errechnet, die eine Auskunft über die finanzielle Lage des Unternehmens zum Zeitpunkt der Berechnung geben und eine Aussage darüber zulassen, ob finanzielle Engpässe zu erwarten sind. Die Grade geben also an, ob die kurzfristigen Verbindlichkeiten des Unternehmens durch die bereits bestehenden Mittel gedeckt sind.

Wie geht man bei der statischen Liquiditätsanalyse vor?

Damit Sie einen besseren Eindruck über die Liquiditätsgrade und deren Aussagefähigkeit bekommen, fassen wir diese hier kurz für Sie zusammen.

Liquidität 1. Grades

Der erste Grad wird auch als Cash Ratio bezeichnet, da er die flüssigen Mittel den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüberstellt:

Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten

Die flüssigen Mittel bezeichnen hier den zum gegebenen Zeitpunkt aktuellen Kassenbestand, Bankguthaben, Schecks oder Wertpapiere (sofern diese schnell veräußert werden können, z.B. an der Börse gehandelte Aktien). Die kurzfristigen Verbindlichkeiten setzen sich zusammen aus den Verbindlichkeiten aus Leistungen und Lieferungen sowie aus kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber Banken, z.B. in Form eines Kredits und Rückstellungen für Steuern.

Liquidität 2. Grades

Der zweite Grad wird auch als Quick Ratio bezeichnet. Er bezieht nicht nur flüssige Mittel mit ein, sondern auch kurzfristige Forderungen, d.h. er setzt das gesamte Finanzumlaufvermögen eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen kurzfristigen Verbindlichkeiten:

Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Die kurzfristigen Forderungen schließen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und ggf. auch Umsatzsteuerforderungen mit ein. Schnell veräußerbare Wertpapiere können hier auch mit in die kurzfristigen Forderungen einbezogen werden. Ein Unternehmen, das hier einen Wert von 100% oder darüber für die Liquidität 2. Grades erreicht, ist finanziell solide aufgestellt, da es zu jeder Zeit in der Lage ist, fristgerecht und betragsgenau seinen Verbindlichkeiten nachzukommen.

Liquidität 3. Grades

Den dritten Grad bezeichnet man auch als Current Ratio. Hier werden noch die Vorräte zum Finanzumlaufvermögen hinzugerechnet, sodass man in dieser Betrachtungsstufe das gesamte Umlaufvermögen im Unternehmen mit dessen kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis setzt:

Liquidität 3. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liegt hier der Wert über 150%, dann steht das für eine ausreichende Liquidität des Unternehmens, das seinen Verbindlichkeiten kurz- und mittelfristig nachkommen kann.

Nachteile der statischen Liquiditätsanalyse

Aus den oben vorgestellten Liquiditätsgraden wird nun eines ersichtlich: Sie geben lediglich Auskunft über die Liquidität des Unternehmens zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Häufig werden die erforderlichen Werte für die Berechnung der Liquiditätsgrade aus der Jahresbilanz herausgezogen. Das heißt, sie sind meist nicht aktuell, da die Bilanz über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder sogar Monaten erstellt wird. Die liquide Situation des Unternehmens kann sich in diesem Zeitraum jedoch verändern. Laufende Verpflichtungen wie das Bezahlen von Gehältern oder Mieten, oder das Tilgen von monatlichen Kreditraten, werden in der statischen Cashflow-Analyse nicht oder nur teilweise abgebildet.

Außerdem werden auch die genauen Fälligkeiten nicht berücksichtigt. So wirkt sich zum Beispiel die Verbindlichkeit gegenüber einem Lieferanten negativ auf die Liquidität aus, da die Rechnung zu einem bestimmten Datum beglichen werden muss, auf der Einnahmenseite die Mittel jedoch nur nach und nach wieder aufgestockt werden. Die Betrachtung der Liquidität anhand der statischen Liquiditätsgrade ist also immer mit Vorsicht zu genießen. Je länger die Zahlen, die zur Berechnung herangezogen werden, in der Vergangenheit liegen, desto schlechter lassen sich Aussagen über die aktuelle Liquidität machen oder Prognosen treffen. Die effektivere und genauere Methode ist daher die dynamische Variante.

Dynamische Liquiditätsanalyse

Die dynamische Cashflow-Analyse ist nicht zeitpunktbezogen, sondern zeitraumbezogen. Sie zieht also nicht nur die Kennzahlen aus der Bilanz in Betracht, sondern auch das über den betrachteten Zeitraum im Umlauf befindliche Vermögen des Unternehmens. Man kann es auch als Kapitalflussrechnung oder Cashflow-Rechnung bezeichnen.

Wie geht man bei der dynamischen Liquiditätsanalyse vor?

Bei dieser Methode stellt man die Einzahlungen den Auszahlungen gegenüber. Dies kann man für jeden Monat separat machen und die einzelnen Einnahmen- und Ausgabenpunkte in einer Tabelle aufschlüsseln.

Auf der Einzahlungsseite sind dann z.B. folgende Geldströme vertreten:

  • Zahlungen von Kunden (Rechnungsbegleichung durch Überweisung oder Bargeldeinnahmen)
  • Bankkredite
  • Subventionen
  • Kapitalerhöhungen

Dem gegenüber stehen auf der Ausgabenseite:

  • Verbindlichkeiten ggü. Lieferanten
  • Gehaltsauszahlungen
  • Tilgungsraten für Kredite
  • Mieten
  • Betriebskosten (Wasser, Strom, Heizung etc.)
  • Verträge (Internetprovider, Software-Abonnements)
  • Steuern
  • Sonstige Aufwendungen (Reise-, Marketing- und Mitarbeiterkosten etc.)

Vom Anfangssaldo ausgehend, wird dann von Monat zu Monat immer der Endsaldo berechnet, wodurch sich Aussagen über die Liquidität treffen lassen. Erstellt man eine solche Übersicht rückblickend auf die letzten Monate, lassen sich zudem Hochrechnungen für die nächsten Monate anstellen, sodass man eine Prognose über die zukünftige Liquidität treffen kann. Eine solche dynamische oder situative Analyse lässt sich prinzipiell für beliebige Zeiträume durchführen und ist umso genauer, je aktueller die Werte sind. Für eine effektive dynamische Cashflow-Analyse empfiehlt sich daher das Verwenden einer Liquiditätssoftware, die sich mit Ihren Bankkonten synchronisiert und die Daten jeden Tag automatisch für Sie aufbereitet.

Ziele einer Liquiditätsanalyse

Ein Unternehmen, das wirtschaftlich arbeitet, hat einen höheren eingehenden Cashflow als einen ausgehenden. Die dynamische Liquiditätsanalyse unterstützt dabei, diese Kennzahlen immer im Blick zu haben. Darüber hinaus hilft Sie Ihnen dabei, hohe Kostenpunkte zu identifizieren, die im Rahmen einer statischen Cashflow-Analyse untergehen würden. Schlüsseln Sie nämlich alle Ihre Ausgaben, wie weiter oben vorgeschlagen, auf, dann sehen Sie auf einen Blick, wofür Sie welche Beträge ausgeben. Auf diese Weise können Sie möglicherweise Maßnahmen zur Kostenreduktion einleiten, was sich im Endeffekt positiv auf Ihren Cashflow auswirken wird. Ziel der Cashflow-Analyse ist es nicht nur, den Status Quo Ihrer Geldströme zu ermitteln, sondern in Form einer Liquiditätsprognose auch Aussagen über Ihren zukünftigen Cashflow zu treffen. Das hilft Ihnen dabei, Engpässe vorauszusehen und besser zu planen. Sie können dann auch besser einschätzen, wann es sinnvoll ist, neue Mitarbeiter:innen einzustellen oder in eine neue Maschine zu investieren.

Wie oft sollte eine Liquiditätsanalyse im Unternehmen gemacht werden?

In vielen Unternehmen wird die Cashflow-Analyse immer noch in ihrer statischen Form durchgeführt und es wird mit veralteten Werten aus der Bilanz gerechnet, was das Ergebnis sehr stark verfälschen kann. Doch auch Unternehmen, die zur Liquiditätsanalyse Excel oder ein anderes statisches Programm zur Tabellenkalkulation verwenden, arbeiten nur mit zeitlich zurückliegenden Werten. Denn es ist mit viel Arbeit verbunden, die Zahlungsströme aus den Bankkonten in die Excel-Tabelle zu übertragen. Bestenfalls findet die Analyse dann einmal zum Monatsende hin statt. Ist ein Unternehmen mit Turbulenzen konfrontiert, zum Beispiel durch stark schwankende Einnahmen, zurückgehende Nachfrage oder Lieferengpässe, ist es ratsam, sich öfter einen Überblick über die aktuelle Liquidität zu verschaffen. Denn nur wenn man mit möglichst aktuellen Werten arbeitet, lassen sich die bestmöglichen strategischen Entscheidungen treffen. Da es kaum möglich ist, sämtliche Geldströme manuell jeden Tag zu erfassen, empfiehlt sich das Verwenden einer Liquiditätsmanagement-Software. Diese erstellt für Sie auch eine Liquiditätsvorschau basierend auf allen für Sie relevanten Parametern.

Was ist eine Liquiditätsvorschau und warum ist sie ratsam?

Die Liquiditätsvorschau ist ein Hilfsmittel zur Prognose Ihres zukünftigen Cashflows. Beispielsweise können Sie so verschiedene Szenarien durchspielen, die Sie von „pessimistisch“ bis „optimistisch“ einteilen können. Welche Auswirkungen hat es auf meinen Cashflow, wenn mein bester Kunde abspringt? Welche Auswirkungen hat es auf meinen Cashflow, wenn ich jetzt einen Kredit aufnehme? Solche Gedankenspiele mögen auf den ersten Blick müßig erscheinen, vor allem, wenn es einem Unternehmen gerade hervorragend geht. Doch das Planen für die Zukunft und auch das Vorbereiten auf finanzielle Engpässe oder unvorhergesehene Ereignisse gehören zu den Aufgaben eines:einer Geschäftsführers:in und sollten gerade in Zeiten, in denen „alles läuft“ gemacht werden. Ein Plan B in der Schublade, den man nie braucht, ist besser als kein Plan im Notfall. Mit einem detaillierten Liquiditäts-Forecasting haben Sie auch bei Ihrer Bank einen größeren Verhandlungsspielraum, da die Berater:innen den bestmöglichen Überblick über Ihre finanzielle Lage bekommen. Möglicherweise können Sie auf diese Weise sogar vermeiden, dass Sie große Sicherheiten zurücklegen müssen oder einen hohen Zinssatz zur Tilgung bezahlen müssen. Sie vermitteln den Beratern:innen auch, dass Sie Ihre Aufgabe als Geschäftsführer:in sehr ernst nehmen und alles dafür tun, Ihr Unternehmen auf Kurs zu halten oder – falls schon in Schieflage – es wieder zurück auf Erfolgskurs zu bringen.

Zusammenfassung Wir haben in diesem Artikel den Unterschied zwischen der statischen und dynamischen Liquiditätsanalyse erklärt. Erstere ist zeitpunktbezogen und wird aus den Kennzahlen der Jahresbilanz ermittelt. Letztere ist zeitraumbezogen und stellt die laufenden Ein- und Auszahlungen des Unternehmens einander gegenüber. Der Vorteil der dynamischen Cashflow-Analyse ist daher, dass sich die aktuelle finanzielle Situation des Unternehmens darin genauer widerspiegelt, als in den Ergebnissen der statischen Liquiditätsanalyse. Zur Planung von zukünftigen Investitionen, Expansionen des Unternehmens, Kreditbeantragungen oder Veräußerung von Unternehmensvermögen eignet sich die dynamische Betrachtung der Liquidität daher besser. Da man damit auch die Fälligkeiten berücksichtigt, lassen sich finanzielle Engpässe schon im Voraus absehen, sodass man vorsorgen kann, indem man beispielsweise eine Investition aufschiebt oder rechtzeitig einen Kredit beantragt, der die Liquidität gewährleistet. Die Cashflow-Analyse und -Prognose unterstützen Sie auch bei Kreditverhandlungen, da Berater:innen einen detaillierten Einblick in Ihr Unternehmen bekommen. Transparenz ist wichtig für beide Seiten, denn das schafft auch Vertrauen. Bessere Kreditkonditionen können die Folge sein. Eine aktuelle Liquiditätsanalyse zu erstellen, ist auf manuelle Weise kaum möglich, vor allem wenn man sich statischer Tools wie z.B. Excel bedient, wo man sämtliche Ein- und Auszahlungen von Hand eintragen muss. Das ist nicht nur fehleranfällig, sondern auch zeitintensiv, wodurch die Aussagekraft einer solchen Analyse deutlich geringer ist, als wenn man ein dynamisches Tool verwenden würde. Hierfür eignet sich die Liquiditätssoftware von Agicap. Diese synchronisiert sich direkt mit Ihren Geschäftskonten und übernimmt die aktuellen Transaktionen automatisch. Sie und Ihre Mitarbeiter:innen können diese Transaktionen dann nach Belieben und wie es für Ihr Unternehmen am besten passt, kategorisieren. So fällt es leicht, hohe Kosten zu identifizieren. Durch das individuelle Einstellen von Parametern können Sie auch Ihren Cashflow in die Zukunft projizieren und verschiedene Szenarien erstellen. So fallen strategische Entscheidungen leichter. Falls Sie einen Kredit beantragen müssen, erstellt Agicap per Knopfdruck die relevante Dokumentation, die für Ihre Berater:innen bei der Bank von Bedeutung sind. Cashflow-Analyse und -Prognose ist also in vielerlei Hinsicht wichtig für den Erfolg eines Unternehmens und sollte daher nicht nebenbei – wenn gerade Zeit ist – erledigt werden.

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