Studie: Steigende Insolvenzen weltweit

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Der Kreditversicherer Allianz Trade sagt einen Anstieg der Firmenpleiten weltweit und auch in Deutschland voraus

Allianz Trade sagt steigende Insolvenzzahlen voraus

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Kreditversicherers Allianz Trade sagt wirtschaftlich schwierige Zeiten voraus. Der Kreditversicherer prognostiziert einen Anstieg der Firmenpleiten sowohl auf globaler Ebene als auch in Deutschland. In einem Klima, das bereits von den Nachwirkungen der Pandemie belastet ist, könnten diese neuen Herausforderungen die Unternehmenslandschaft weiter verunsichern. Doch ganz so finster sieht es dann doch nicht aus.

Gastgewerbe, Einzelhandel und Transportwesen am härtesten getroffen

Die Studie sagt für das gesamte Jahr 2023 eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um 6 % voraus. 2024 ist es dann schon ein Plus von 10 %. In Deutschland, einem der größten Wirtschaftsmotoren Europas, ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr mit einer Zunahme der Insolvenzen um 22 Prozent zu rechnen, so Allianz Trade.

Die Prognose des Kreditversicherers klingt zuerst alarmierend. Besonders im Fokus stehen das Gastgewerbe, der Einzelhandel und das Transportwesen. Diese Sektoren haben bereits unter den Beschränkungen der Pandemie gelitten und haben nun vor allem mit anhaltend hohen Kosten zu kämpfen, die auf die Rentabilität drücken. Diese Branchen sind laut der Prognose am härtesten von Insolvenzen betroffen.

„Gleichzeitig verringern die längerfristig höheren Zinsen die Nachfrage in Sektoren wie Immobilien und langlebigen Gütern und werden die Solvenz in hoch verschuldeten Sektoren wie Versorgungs- und Telekommunikationsunternehmen zusätzlich zum Immobiliensektor auf beiden Seiten des Atlantiks unter Druck setzen", erklärt Maxime Lemerle, leitender Analyst in der Insolvenzforschung bei Allianz Trade.

"Darüber hinaus liegen die weltweiten WCR derzeit bei einem Rekordhoch von 86 Tagen, mehr als +2 Tage über dem Niveau vor der Pandemie. Höhere Zinssätze machen es für Unternehmen noch teurer, einen strukturell höheren Betriebskapitalbedarf zu finanzieren, was Risiken für Sektoren wie das Baugewerbe und den Maschinen- und Fahrzeugbau birgt", ergänzt er.

Rückkehr zur Normalität

Staatliche Hilfen waren während der Pandemie eine Lebensader für viele Unternehmen, die dadurch Insolvenzen vermeiden konnten. Diese Unterstützung half, die Wirtschaft zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu erhalten. Seit dem Auslaufen dieser Hilfsprogramme befinden wir uns auf dem Weg zu einem vorpandemischen Niveau.

„Letztlich ist es aber eine Rückkehr zur Normalität: Am Jahresende dürften die Insolvenzen weiterhin rund 5 % unterhalb des Niveaus von vor der Pandemie 2019 liegen und dieses erst nach einem weiteren Anstieg im kommenden Jahr überschreiten", sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bis Ende 2023 wird in den meisten westlichen Volkswirtschaften eine Normalisierung der Unternehmensinsolvenzen erwartet, wobei 55 % der Länder einen signifikanten zweistelligen Anstieg erleben werden, darunter die USA (+47 %), Frankreich (+36 %), die Niederlande (+59 %), Japan (+35 %) und Südkorea (+41 %).

Weltweit werden bis Ende 2024 drei von fünf Ländern die Unternehmensinsolvenzraten der Vorpandemiezeit erreichen, einschließlich großer Märkte wie USA und Deutschland. Um die Insolvenzzahlen zu stabilisieren, müsste sich das BIP-Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks verdoppeln, was voraussichtlich nicht vor 2025 der Fall sein wird.

Strategien zur Risikominimierung

In Anbetracht der prognostizierten Zunahme von Firmenpleiten ist es für Unternehmen unerlässlich, proaktive Schritte zur Risikominimierung und zur Stärkung ihrer finanziellen Resilienz zu unternehmen. Ein robustes Liquiditätsmanagement kann hierbei ein Schlüssel sein. Durch effektive Cashflow-Prognosen und -Management können Unternehmen ihre Finanzposition stabilisieren und besser auf unerwartete wirtschaftliche Schocks reagieren.

Es ist auch eine Gelegenheit, die Betriebsmodelle zu überdenken und möglicherweise effizientere Prozesse zu implementieren, die zu Kostensenkungen und verbesserten Betriebsmargen führen können. Technologie kann dabei eine entscheidende Rolle spielen, indem sie Unternehmen dabei unterstützt, ihre Finanzen in Echtzeit zu überwachen und bessere, datengestützte Entscheidungen zu treffen.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Geschäftsbeziehungen und -verträge zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie fair und nachhaltig sind, insbesondere in Bezug auf Zahlungsbedingungen und Kreditrisiken. Ein offener Dialog mit Lieferanten, Kunden und Kreditversicherern kann dabei helfen, gemeinsame Strategien zur Überwindung finanzieller Herausforderungen zu entwickeln und die langfristige finanzielle Stabilität zu sichern.

Die Warnungen von Allianz Trade sollten als Anlass genommen werden, die eigene finanzielle Gesundheit zu überprüfen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Unternehmensresilienz in diesen unsicheren Zeiten zu stärken. Mit einer gut durchdachten Strategie können Unternehmen besser auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Herausforderungen vorbereitet sein und ihre Zukunft sichern.

Hier finden Sie die Studie von Allianz Trade.

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