Was sind Verrechnungspreise?

Lesezeit: 4 min
Verrechnungspreise werden gebildet, wenn innerhalb eines Konzerns Waren und/oder Dienstleistungen ausgetauscht werden.

Verrechnungspreise dienen zur Leistungsbewertung beim internen Austausch von Gütern oder Dienstleistungen, z.B. zwischen zwei verbundenen Unternehmen innerhalb eines Konzerns. Wozu Verrechnungspreise noch genutzt werden, wie sie gebildet werden und warum sich das Finanzamt besonders für sie interessiert, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Verrechnungspreise: Definition

Verrechnungspreise werden gebildet, wenn innerhalb eines Konzerns Waren und/oder Dienstleistungen ausgetauscht werden. Der Unterschied zwischen dem Verrechnungspreis und dem Marktpreis liegt darin, dass der Verrechnungspreis nicht vom Markt bestimmt wird und nur zu innerbetrieblichen Abrechnungszwecken dient.

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Warum sind Verrechnungspreise im Controlling wichtig?

Kontroll- und Steuerinstrument

Mit dem Bilden von Verrechnungspreisen kann ein Konzern seine einzelnen Unternehmen bzw. Teilbereiche davon besser steuern und koordinieren. Bereichsleiter sind damit in der Lage, autonom Entscheidungen zu treffen, ohne, dass die Zentrale eingebunden werden muss.

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Steueroptimierung

Mit Hilfe von Verrechnungspreisen, die durch den Austausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen zwei Unternehmen im Konzern zustande kommen, lassen sich Gewinne verschieben.

Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn eine Gesellschaft eine andere Rechtsform hat, oder der Konzern Unternehmen in verschiedenen Ländern hat, wo die Besteuerung unterschiedlich ist. Der höchste Gewinn wird dann bei jener Gesellschaft bilanziert, wo die niedrigste Steuerbelastung ist.

Performancebewertung innerhalb des Konzerns

Der Verrechnungspreis kann als interner Erlös des leistenden Unternehmens angesehen werden. Für das beziehende Unternehmen entstehen Kosten. Anhand des Verrechnungspreises kann deshalb auch bewertet werden, welches Unternehmen besonders viel an ein anderes Unternehmen leistet (bzw. von anderen Unternehmen bezieht).

Strategische Entscheidungen zur Unternehmens- oder Bereichsoptimierung lassen sich damit leichter treffen, wenn es beispielsweise um die Zuteilung von finanziellen Mitteln oder anderen Ressourcen geht.

Verrechnungspreise: Methoden zur Ermittlung

Zur Ermittlung von Verrechnungspreisen gibt es verschiedene Methoden, von denen wir Ihnen in diesem Abschnitt einige vorstellen werden. Gemein sind allen Methoden, dass bei der Preisbildung ein sogenannter Fremdvergleich stattfinden muss.

Marktpreisorientiert

Man unterscheidet bei marktpreisorientierten Verrechnungspreisen zwei Modelle: die Orientierung am tatsächlichen Marktpreis und die Orientierung an einem modifizierten Marktpreis. Für Ersteres ist ein vollkommener Markt die Voraussetzung, für den folgende Kriterien gelten:

  • Hohe Nachfrage nach der Ware bzw. Dienstleistung
  • Transparente Preise
  • Weder Käufer noch Verkäufer können Preis beeinflussen

Liegt kein vollkommener Markt vor, an dem man den Verrechnungspreis orientieren kann, kann man den tatsächlichen Marktpreis modifizieren, indem man von ihm die Vertriebskosten abzieht, da diese bei internen Leistungen nicht vorhanden sind.

Marktpreiseorientierte Methoden kommen in der Praxis am häufigsten vor, da Unternehmen damit steuerrechtlich auf der sicheren Seite sind.

Kostenorientiert

Auch bei kostenorientierten Verrechnungspreisen gibt es zwei Methoden zur Ermittlung: mit Hilfe der Grenzkosten oder mit Hilfe der Vollkosten. Das Grenzkostenverfahren hat sich in der Praxis jedoch nicht durchgesetzt und wird nur sehr selten angewendet.

Bei der Variante über die Vollkosten sollen sämtliche durchschnittliche Kosten, die im leistenden Unternehmen bzw. Bereich anfallen, gedeckt werden. Für das leistende Unternehmen bedeutet das, dass ein Gewinn nicht realisiert werden kann.

Damit eine kostenorientierte Methode auch steuerrechtlich anerkannt wird, muss zu den Kosten immer noch ein Gewinnzuschlag addiert werden.

Verrechnungspreise: Beispiel

Einem Lebensmittelkonzern gehören mehrere Unternehmen an. Eines davon produziert Fertig-Pizzen, das andere produziert Wurstwaren. Das Unternehmen, das die Pizzen herstellt, möchte von dem anderen Unternehmen Salami beziehen. Um einen Verrechnungspreis zu bilden, wird die marktpreisorientierte Methode gewählt.

Der Bezug von 100kg Salami bei einem fremden Unternehmen würde 200€ kosten. Dies entspricht also dem Marktpreis. Um nun einen Verrechnungspreis zu bilden, wird der Marktpreis modifiziert, indem sämtliche Kosten, die beim internen Güteraustausch nicht anfallen, herausgerechnet werden:

  • Vertriebskosten: 20€
  • Marketingkosten: 5€
  • Absatzkosten: 3€
  • Kalkulatorische Zinsen auf Forderungen: 1€

Hinzugerechnet werden noch die innerbetrieblichen Transportkosten, die 5€ betragen sollen.

Den Verrechnungspreis kann man dann wie folgt bilden:

Verrechnungspreis = Marktpreis – Vertriebskosten – Marketingkosten – Absatzkosten – kalk. Zinsen auf Forderungen + innerbetriebliche Transportkosten = 200€ - 20€ - 5€ - 3€ - 1€ + 5€ = 176€

Es wird zwischen den beiden Unternehmen also ein Verrechnungspreis in Höhe von 176€ für die Lieferung von 100kg Salami vereinbart.

Verrechnungspreise im Steuerrecht

Die Finanzbehörden schreiben keine allgemein gültige Methode vor, wie Verrechnungspreise gebildet werden sollen. Dennoch muss die Methode nachvollziehbar und transparent sein, und die Preise realistisch. Steuerhinterziehung aufgrund von Gewinnverschiebungen durch Fantasie-Verrechnungspreise sind nicht gewünscht und die Behörden prüfen dementsprechend sehr genau.

Dokumentationspflicht bei Verrechnungspreisen

Unternehmen sind steuerrechtlich dazu verpflichtet, ihre Verrechnungspreise und deren Ermittlung zu dokumentieren, damit die Preise nachvollziehbar sind. Für Unternehmen, die international tätig sind, ist dies besonders wichtig.

Dokumentiert ein Unternehmen seine Verrechnungspreise nicht oder sind die Preise nicht nachvollziehbar, können Strafzahlungen von 5 bis 10 Prozent des Unternehmensergebnisses fällig werden. Die Fristen, die für ein Nachreichen der Dokumentation gesetzt werden, reichen oft nicht aus, um diese Strafzahlung zu vermeiden. Vorbeugen mit dem Erstellen einer gewissenhaften Dokumentation ist hier deshalb die beste Strategie.


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