Opportunitätskosten: Definition und Beispiele

Lesezeit: 4 min
Unter Opportunitätskosten versteht man die Kosten, die mit einer entgangenen oder nicht genutzten Möglichkeit (Opportunität) einhergehen.

Die Berechnung von Opportunitätskosten dient zur Beurteilung von verschiedenen Handlungsalternativen und hilft Unternehmen beim Setzen von Prioritäten. Wir zeigen Ihnen hier anhand von einigen Beispielen, was Opportunitätskosten sind und wie man sie nutzt, um die besten Entscheidungen für sein Unternehmen zu treffen.

Opportunitätskosten: Definition

Unter Opportunitätskosten versteht man die Kosten, die mit einer entgangenen oder nicht genutzten Möglichkeit (Opportunität) einhergehen. Sie werden auch Verzichts- oder Alternativkosten genannt, werden in der Kosten- und Leistungsrechnung jedoch nicht berücksichtigt, da sie keine realen Kosten darstellen.

Nouveau call-to-action

Opportunitätskosten: Beispiele

Hier einige Beispiele, wann Opportunitätskosten entstehen können:

  • Die entgangene Rendite durch eine verpasste Chance in die Investition einer bestimmten Finanzanlage (z.B. Aktie)
  • Eine nicht genutzte Möglichkeit zur Fortbildung, um eine Qualifikation zu erhalten, mit der man sich einen Markt-/Gewinnvorteil sichern kann
  • Eine nicht getätigte Investition in eine Sachanlage, z.B. eine neue Maschine zum Erweitern der Produktionskapazität
  • Ablehnen von Zusatzaufträgen
New call-to-action

Input- und Output-bezogene Opportunitätskosten

Man unterscheidet zwischen Input- und Output-bezogenen Opportunitätskosten. Erstere beziehen sich auf den relativen Deckungsbeitrag, der zur Deckung der Fixkosten im Unternehmen notwendig ist. Hat man zum Beispiel nur die Möglichkeit, eines von zwei Produkten zu fertigen, muss man sich anschauen, mit welchem sich ein höherer relativer Deckungsbeitrag erzielen lässt, um mehr Gewinn zu erzielen.

Bei den Output-bezogenen Opportunitätskosten schaut man sich die Deckungsbeiträge von entgangenen Möglichkeiten an. Die Opportunitätskosten teilen sich dabei in Alternativ- und Optimalkosten auf. Alternativkosten zeigen die Kosten von alternativen Möglichkeiten auf, z.B. beim Vergleich von zwei verschiedenen Produktionsprozessen. Optimalkosten zeigen die Abweichung an zwischen der gewählten und der optimalen Möglichkeit.

Opportunitätskosten berechnen

Zum Berechnen der Opportunitätskosten gibt es keine allgemeingültige Formel, denn je nach Situation gehen verschiedene Dinge in die Berechnung mit ein und die Formel für die Opportunitätskosten sieht dann immer anders aus. Schauen wir uns das am besten an einigen Beispielen an.

Beispiel 1: Opportunitätskosten zweier Güter berechnen

Ein Schreiner hat die Wahl zwischen zwei Aufträgen: Die Herstellung eines Schranks oder die Herstellung eines Betts. Da er im Moment nur Kapazitäten frei hat, um eines der beiden Möbelstücke herzustellen, muss er sich für einen der beiden Aufträge entscheiden und den jeweils anderen ablehnen.

Hierzu berechnet er nun, welcher Auftrag für ihn der lukrativere der beiden ist. Er muss dazu die Herstellungskosten bewerten und die Zeit, die er für die Herstellung benötigt. Er kalkuliert so:

  • Schrank: Verkaufspreis 1.000€, Zeit: 10 Stunden
  • Bett: Verkaufspreis 700€, Zeit: 5 Stunden

Danach vergleicht er die beiden Möglichkeiten miteinander und hat dann eine Wahl:

  • Möchte er den Auftrag annehmen, der am meisten Umsatz bringt?
  • Möchte er den Auftrag annehmen, mit dem er am wenigsten Zeit verbringt, damit er früher neue Aufträge annehmen kann?

Nimmt er den Auftrag für den Schrank an, entgehen ihm 300€ (1.000€ - 700€). Diese werden als Opportunitätskosten bezeichnet. Man sieht, dass es sich dabei jedoch nicht um reale Kosten handelt, sondern lediglich um einen entgangenen Umsatz.

Für die Herstellung des Betts benötigt er jedoch nur halb so lange, und kann sich nach dessen Fertigstellung den weiteren Aufträgen widmen. Es kommt also darauf an, welche Prioritäten der Schreiner setzen will.

Beispiel 2: Investitionen miteinander vergleichen

Ein Unternehmen hat die Wahl, 100.000€ in eine Kapitalanlage zu investieren oder seinen Produktionsbereich mit einer zusätzlichen Maschine auszustatten, um die Kapazität zu steigern. Welche der beiden Investitionen die rentablere ist, bewertet man, indem man den zu erwartenden Gewinn der Investition berechnet.

Dazu setzt man einen Zinsfuß an, mit dem die Investition verzinst wird. Im Fall der Kapitalanlage ist das die erwartete Rendite innerhalb eines bestimmten Zeitraums, und im Fall der Maschine die erwartete, höhere Umsatzrendite. Die Anlage am Kapitalmarkt würde mit 5% verzinst werden, während bei der Maschine mit einer höheren Umsatzrendite von 4% gerechnet wird.

Nach einem Jahr würde die Kapitalanlage also eine Rendite von 5.000€ einbringen, während eine neue Maschine den Umsatz um 4.000€ steigern würde. Entscheidet sich das Unternehmen für die Investition in die Maschine, würden ihm unterm Strich 1.000€ entgehen, was man als Opportunitätskosten bezeichnet.

Umgang mit Opportunitätskosten

Wie wir an den obigen Beispielen gesehen haben, dienen die Opportunitätskosten vor allem dazu, um zwei oder mehrere Handlungsalternativen miteinander zu vergleichen. Für welche der Möglichkeiten man sich letztendlich entscheidet, hängt jedoch nicht immer vom aktuell rentabelsten Angebot ab. Die Möglichkeit, bei der man die geringsten Opportunitätskosten hat, muss langfristig nicht die beste sein.

Das Unternehmen aus dem obigen Beispiel könnte sich trotz geringerer Rendite für die Investition in eine neue Maschine entscheiden, weil es dadurch seinen Umsatz langfristig steigern kann und sich am Markt vielleicht sogar besser positionieren könnte, da es dadurch wettbewerbsfähiger wird.

Die Beurteilung der Opportunitätskosten ist also wichtig, damit ein Unternehmen Prioritäten setzen kann. Sie sind jedoch nicht das einzige Kriterium, die in die Entscheidung für eine von mehreren Möglichkeiten miteinfließen sollten.


Melden Sie sich für unseren Newsletter an.

Das wird Ihnen auch gefallen