Die 10 wichtigsten Logistik-Kennzahlen, um Ihre Prozesse zu optimieren

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Logistik-Kennzahlen sind wichtig zur Beurteilung des Logistikprozesses.

Logistik-Kennzahlen sind wichtig zur Beurteilung des Logistikprozesses. Mit ihnen misst man die Effizienz von einzelnen Prozessschritten, kann diese mit Planzahlen vergleichen und dann gegebenenfalls die Prozesse optimieren. Wir haben hier für Sie 10 wichtige Logistik-Kennzahlen zusammengestellt.

Logistik-Kennzahlen: Definition

Unter Logistik-Kennzahlen versteht man zahlreiche verschiedene Kennwerte, mit denen man Logistikprozesse bewerten kann. Die Bewertung kann dabei je nach Kennzahl auf Lager-, Lieferketten- oder Transportaspekte gerichtet sein. Durch die Erhebung von Kennzahlen lassen sich Prozesse in ihrer Effizienz messen und gegebenenfalls optimieren.

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Logistik-Kennzahlen ermöglichen es somit, durch die Prozessanalyse die Logistikeffizienz zu steigern und die Kosten für die Logistik zu senken. Es werden dabei vor allem Kennzahlen betrachtet, mit denen sich Qualität und Produktivität messen lassen.

10 Logistik-Kennzahlen in der Übersicht

1. Liefergenauigkeit

Die Liefergenauigkeit misst, wie viele Bestellungen ohne Zwischenfälle abgewickelt werden, das heißt, die von Bestellungseingang, über Bearbeitung bis hin zum Versand reibungslos ablaufen. Als Zwischenfälle gelten beispielsweise:

  • unvollständige Lieferungen
  • fehlerhafte Lieferungen
  • Verzögerungen beim Versand
  • Beschädigung der Ware auf dem Transportweg
  • Totalverlust der Ware

Möchte man die Liefergenauigkeit in Prozent angeben, kann man so rechnen:

Liefergenauigkeit = Anzahl an Bestellungen ohne Zwischenfälle / Anzahl der Gesamtbestellungen x 100

Unternehmen sollten hier einen Wert von 90% oder mehr anstreben.

2. Lieferzeit

Unternehmen, die ihre vereinbarten Lieferzeiten einhalten können, haben zufriedenere Kund:innen. Deswegen ist das Erfassen der sogenannten On-Time-Shipping-Rate wichtig, um die Häufigkeit zu bewerten, mit der die Ware zum vorgesehenen Versandtag abgeschickt wird. Daneben gibt es auch noch die On-Time-Delivery-Rate, bei der die Häufigkeit bewertet wird, mit der die Ware auch zum tatsächlichen Liefertermin ankommt.

Berechnen kann man die beiden Kennzahlen in Prozent so:

On-Time-Shipping-Rate = Anzahl der zum vorgesehenen Zeitpunkt versendeten Lieferungen / Anzahl der Gesamtlieferungen x 100

On-Time-Delivery-Rate = Anzahl der zum vorgesehenen Zeitpunkt angekommenen Lieferungen / Anzahl der Gesamtlieferungen x 100

3. Lieferqualität

Die Lieferqualität zeigt an, dass die Ware auch tatsächlich dem entspricht, was die Kund:innen bestellt haben. Das heißt, dass die Ware nicht retourniert oder reklamiert werden muss. Man kann die Kennzahl so berechnen:

Lieferqualität = Anzahl reklamierter bzw. retournierter Lieferungen / Gesamtzahl der Lieferungen

4. Transport- und Lieferkosten

Damit die Logistikkosten so gering wie möglich gehalten werden, müssen die Kosten aus den einzelnen Teilbereichen überwacht werden. Je nach Unternehmen gibt es unterschiedliche Bereiche, wo Kosten anfallen. Diese können zum Beispiel sein:

  • Auftragsabwicklungskosten
  • Verwaltungskosten
  • Lagerhaltungskosten
  • Transportkosten

Jede Kostenart sollte so gering wie möglich gehalten werden. Man kann die Transportkosten auch in Relation zum Produktpreis ermitteln, um zu bewerten, welche Produkte beim Transport gemessen an ihrem Preis besonders hohe oder niedrige Kosten verursachen:

Transportkosten in Relation zum Produktpreis = Transportkosten pro Produkt / Verkaufspreis pro Produkt x 100

Zur Bewertung, wie hoch die Kosten für die gesamte Logistik im Verhältnis zum Umsatz sind, kann man den Logistikkostenanteil berechnen:

Logistikkostenanteil = Logistikkosten / Umsatz x 100

5. Kapitalbindung

Kapital, das in die Vorfinanzierung von Waren investiert wurde, ist solange in diesen gebunden, bis sie aus dem Lager entnommen und entweder verarbeitet oder verkauft werden. Das Kapital steht deshalb so lange nicht an anderer Stelle zur Verfügung, was die Liquidität schmälert.

Man kann ausrechnen, wie hoch die Kapitalbindung für Lagerbestand ist und vergleichen, was das Kapital an Zinsen erwirtschaften würde, wenn man es stattdessen am Kapitalmarkt anlegte. Dazu berechnet man den Lagerzinssatz:

Lagerzinssatz = marktüblicher Zinssatz x durchschnittliche Lagerdauer in Tagen / 360 Tage

Anschließend kann man die Kapitalbindungskosten berechnen:

Kapitalbindungskosten = Lagerzinssatz x in Waren investiertes Kapital

6. Lagerumschlagshäufigkeit

Die Lagerumschlagshäufigkeit gibt an, wie häufig eine bestimmte Ware das Lager komplett verlässt und durch neue Ware ersetzt wird. Man berechnet sie so:

Lagerumschlagshäufigkeit = Umsatzerlös / Wert des durchschnittlichen Lagerbestands

Wichtig bei der Berechnung ist, dass man den Umsatzerlös und den Wert des durchschnittlichen Lagerbestands auf denselben Zeitraum, z.B. auf ein Jahr bezieht. Je höher der Wert für die Lagerumschlagshäufigkeit, desto häufiger wird die Ware abverkauft und nachbestellt.

7. Lagerreichweite

Der Kehrwert der Lagerumschlagshäufigkeit ist die Lagerreichweite. Sie gibt an, wie hoch die interne Versorgungssicherheit durch eigene Bestände ist. An ihr kann man ablesen, wie lange der Bestand noch ausreicht, um die bereits eingegangenen Bestellungen zu erfüllen. Man berechnet sie so:

Lagerreichweite = 1 / Lagerumschlagshäufigkeit

Möchte man sie auf kürzere Zeiträume beziehen, kann man sie auch so berechnen:

Lagerreichweite = durchschnittlicher Lagerbestand / Bedarf pro Tag

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8. Lagerbestandsgenauigkeit

Die Lagerbestandsgenauigkeit gibt an, wie groß der Unterschied zwischen der im Warenwirtschaftssystem vorhandenen Ware und der tatsächlich vorhandenen Ware im Lager ist. Im Idealfall ist der Unterschied 0. Kommt es zu Diskrepanzen, sind im ERP-System zu viele oder zu wenige Waren erfasst als tatsächlich im Lager vorhanden sind. Man berechnet die Lagerbestandsgenauigkeit so:

Lagerbestandsgenauigkeit = Anzahl der im ERP-System erfassten Ware - Anzahl der tatsächlich vorhandenen Ware

9. Inventar-Umsatz-Verhältnis

Ein weitere wichtige Logistik-Kennzahl ist das Inventar-Umsatz-Verhältnis. Dieses zeigt an, wie hoch der Anteil der tatsächlich verkauften Ware am Gesamtwarenbestand ist. So lässt sich bewerten, ob ein Übervorrat vorhanden ist. Man berechnet die Kennzahl so:

Inventar-Umsatz-Verhältnis = Anzahl der verkauften Waren / Anzahl der Waren im Lager

10. Lieferanten-Compliance

Wie hoch die Effizenz der Lieferanten ist, die einem Unternehmen die Waren liefern, lässt sich ebenfalls berechnen. Damit lassen sich unterschiedliche Lieferanten miteinander vergleichen. Die Kennzahl ist ein Indikator für die Lieferantenzuverlässigkeit. Sie berechnet sich so:

Lieferanten-Compliance-Rate = verspätet eingegangene Bestellungen / insgesamt eingegangene Bestellungen x 100

Behält man diese Logistik-Kennzahl im Auge, kann man die Preis- und Lieferrisiken minimieren, indem man seine Lieferanten dazu anhält, die Liefertermine einzuhalten, oder sich gegebenenfalls andere Lieferanten sucht. Je höher die Lieferanten-Compliance-Rate, desto besser erfüllt ein Lieferant die mit ihm vereinbarten Rahmenbedingungen.

Logistik-Kennzahlen interpretieren

Mit Logistik-Kennzahlen lassen sich Aussagen über den Logistikprozess treffen. Während einige Logistik-KPIs wie die Liefergenauigkeit und die Lieferqualität einfach interpretiert werden können, ist es bei der Lagerumschlagshäufigkeit beispielsweise schon etwas schwieriger.

Bei der Liefergenauigkeit und -qualität gilt: je höher der Wert, desto besser. Bei der Umschlagshäufigkeit lassen sich jedoch keine Pauschalaussagen treffen. Einzelhandels- oder E-Commerce-Unternehmen haben niedrigere Umschlagshäufigkeiten als produzierende Industriebetriebe.

Manche Logistik-Kennzahlen müssen deshalb im Branchenvergleich betrachtet werden, damit ein Unternehmen bewerten kann, wie effizient es in diesem Bereich im Vergleich zur Konkurrenz arbeitet.

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