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Wie kurzfristige Verbindlichkeiten Ihr Liquiditätsmanagement aufwirbeln können

Wer wissen möchte, wie viele finanziellen Verpflichtungen ein Unternehmen gegenüber Dritten hat, findet Informationen in der Buchhaltung bzw. der Bilanz unter der Position „Verbindlichkeiten“. Kurzfristige Verbindlichkeiten werden dabei gesondert ausgewiesen und geben an, wie der Name bereits vermuten lässt – welche Verbindlichkeiten kurzfristig fällig werden. Für das Liquiditätsmanagement ist es wichtig, diesen Posten genau im Blick zu halten. Wenn Verbindlichkeiten kurzfristig fällig werden, müssen schließlich ausreichend Mittel vorhanden sein, um dieser Verpflichtung auch tatsächlich nachkommen zu können. Dieser Beitrag informiert, was es mit dem Posten kurzfristige Verbindlichkeiten auf sich hat, für welche Berechnungen die Größe maßgeblich ist und wie die Buchungen zu erfolgen haben.

Inhalt:

Kurzfristige Verbindlichkeiten: Definition und Zeitraum

Als Verbindlichkeiten werden Verpflichtungen gegenüber einem Dritten bezeichnet. Es handelt sich also um Fremdkapital. Je nach Restlaufzeit wird unterschieden, ob es sich um

  • langfristige Verbindlichkeiten oder
  • kurzfristige Verbindlichkeiten

handelt. Wenn die Restlaufzeit maximal ein Jahr beträgt, spricht man von kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Beispiele für kurzfristige Verbindlichkeiten

Doch was fällt in der Praxis unter kurzfristige Verbindlichkeiten? Das können beispielsweise Darlehen bei einer Bank sein, die zur Überbrückung aufgenommen werden und eine Laufzeit von weniger als einem Jahr haben. Doch auch Kontokorrentkredite fallen unter den Begriff.

Gerade, wenn ein Unternehmen große Warenlieferungen bestellt, kann es eine erhebliche Erleichterung für die Liquidität eines Unternehmens sein, wenn die Zahlung nicht sofort fällig wird, sondern der Lieferant hier einen Kredit gewährt. Wer mit seinem Lieferanten ein entsprechendes Zahlungsziel vereinbart hat, muss ebenfalls eine „kurzfristige Verbindlichkeit“ verbuchen, wenn die Zahlung innerhalb von max. einem Jahr geleistet werden muss. In der Buchhaltung findet man hier die Formulierung „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ohne Kontokorrent - Restlaufzeit bis 1 Jahr“. Bei der Buchung selbst ist zu beachten, dass auch der Wareneingang und die Vorsteuer zu verbuchen ist.

Wichtig! Wenn beispielsweise zufällig gleichzeitig auch eine Forderung gegenüber dem Lieferanten besteht, kann die Forderung nicht einfach mit der Verbindlichkeit verrechnet werden. Hier gibt es ein Verrechnungsverbot. § 246 Absatz 2 HGB besagt: „Posten der Aktivseite dürfen nicht mit Posten der Passivseite, Aufwendungen nicht mit Erträgen, Grundstücksrechte nicht mit Grundstückslasten verrechnet werden.“ Da Forderungen auf der Aktivseite und Verbindlichkeiten auf der Passivseite gebucht werden, können diese nicht miteinander verrechnet werden. Auch nicht, wenn es sich um kurzfristige Forderungen und kurzfristige Verbindlichkeiten beim selben Lieferanten handelt. Die Buchhaltung muss die Forderung und die Verbindlichkeit jeweils separat dokumentieren – im schlimmsten Fall wird ansonsten der komplette Jahresabschluss nicht anerkannt.

Weitere Fallgestaltungen für kurzfristige Verbindlichkeiten können beispielsweise Wechsel und Anzahlungen sein. Auch Steuern oder Sozialabgaben können mit einer Laufzeit von weniger als 12 Monaten fällig werden.

Hinweis: Entscheidend ist, dass Unternehmen alle Verbindlichkeiten, die maximal ein Jahr Restlaufzeit haben, gesondert aufzeichnen. Für die Liquiditätsplanung ist es hier essenziell, immer auf dem Laufenden zu sein und entsprechende Fälligkeitstermine im Blick zu haben.

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Kurzfristige Verbindlichkeiten berechnen

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten werden mit ihrem Erfüllungsbetrag bewertet. Die Buchhaltung muss die Verbindlichkeiten, deren Restlaufzeit maximal ein Jahr beträgt, einzeln bewerten und aufzeichnen.

Im Liquiditätsmanagement werden kurzfristige Verbindlichkeiten auch benötigt, um verschiedene Kennzahlen zu berechnen. So beispielsweise für die Liquiditätskennzahlen ersten, zweiten und dritten Grades:

  • Liquidität 1. Grades: Liquide Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten × 100
  • Liquidität 2. Grades: (Liquide Mittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten × 100
  • Liquidität 3. Grades: Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind also eine wichtige Berechnungsgröße für die Liquiditätsplanung.

Verbindlichkeiten nach dem Handelsgesetzbuch (HGB)

Das Handelsgesetzbuch führt die Bilanzposition „Verbindlichkeiten“ explizit in der Gliederung nach § 266 HGB auf. Demnach müssen Verbindlichkeiten auf der Passivseite ausgewiesen werden.

Die Verbindlichkeiten sind außerdem nach folgendem Schema aufzuteilen:

  1. Anleihen, davon konvertibel;
  2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
  3. erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
  4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
  5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel;
  6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
  7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
  8. sonstige Verbindlichkeiten, davon aus Steuern, davon im Rahmen der sozialen Sicherheit.

Wie man hier bereits sehen kann, ist laut der Gliederung nach § 266 HGB keine Unterscheidung zwischen langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten an dieser Stelle explizit gefordert. Viele Unternehmen teilen jedoch hier die Verbindlichkeiten bereits entsprechend auf.

Kurzfristige Verbindlichkeiten: Bilanzierung

Warum unterscheidet man in der Bilanzierung überhaupt zwischen langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten? Das hängt mit steuerrechtlichen Vorgaben zusammen. Für Verbindlichkeiten, die eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr haben, gilt das sog. Abzinsungsgebot. Sie sind mit 5,5 Prozent/Jahr der Restlaufzeit abzuzinsen. Für die exakte Berechnung kommen entsprechende Vervielfältiger zur Anwendung.

Wenn jedoch die Restlaufzeit weniger als ein Jahr beträgt, dann erfolgt auch keine Abzinsung.

Kurzfristige Verbindlichkeiten: Rückstellungen

Für ungewisse Verbindlichkeiten sind Rückstellungen zu bilden. Eine entsprechende gesetzliche Verpflichtung ergibt sich handelsrechtlich aus § 249 HGB. Wenn also noch nicht genau klar ist, wann die Verbindlichkeit exakt fällig ist und/oder in welcher Höhe, dann ist eine Rückstellung auf der Passivseite der Bilanz zu bilden. Ein klassisches Beispiel ist hier die Steuerrückstellung: Diese ist regelmäßig für betriebliche Steuern zu bilden, wie beispielsweise die Gewerbesteuer, die Körperschaftsteuer, die Einkommensteuer, die Umsatzsteuer usw.

Kurzfristige Verbindlichkeiten: Beispiel

Wie die Berechnung und Buchung einer kurzfristigen Verbindlichkeit aussehen kann, zeigt dieses Beispiel: Der Unternehmer A benötigt dringend eine Finanzierung und nimmt ein Überbrückungsdarlehen bei seiner Hausbank für 6 Monate über insgesamt 10.000 Euro auf.

Der Buchungssatz lautet dann wie folgt: Bank 10.000 Euro / Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, Restlaufzeit bis 1 Jahr 10.000 Euro

In der Regel fallen hier natürlich auch Zinsaufwendungen an. Geht man in dem Beispiel davon aus, dass 135 Euro Zinsaufwendungen anfallen, dann sind diese ebenfalls zu verbuchen:

Zinsaufwendungen 135 Euro / Bank 135 Euro

Welches Konto bei der Buchung genau zu wählen ist, hängt von der Art der Verbindlichkeit ab. Standardkontorahmen verfügen über entsprechende Konten, je nach Fallgestaltung.

Zu beachten ist auch, dass variieren kann, wie eine Verbindlichkeit zurückzuzahlen ist: Ist Ratenzahlung vereinbart? Oder wird der Betrag als Ganzes bei Fälligkeit beglichen? Die Buchhaltung muss hier bei der Zahlung dann entsprechend unterscheiden und die Tilgungszahlung(en) verbuchen.

Kontenrahmen SKR 03 und SKR 04 zur Buchung

In der Buchhaltung kommen unterschiedliche Kontenrahmen zur Anwendung. Verbreitete Standardkontenrahmen, die von deutschen Unternehmen genutzt werden, sind die Kontenrahmen

SKR 03 SKR 04

Hinweis: Bei Datev finden Sie Informationen zu den Kontenrahmen von SKR 03 und SKR 04.

Kurzfristige Verbindlichkeiten in SKR 03

In dem Kontenrahmen gibt es verschiedene Konten, die für die Buchung kurzfristiger Verbindlichkeiten wichtig sind, zum Beispiel in SKR 03 für 2021:

  • 0631 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten - Restlaufzeit bis 1 Jahr
  • 1301 Wechsel aus Lieferungen und Leistungen - Restlaufzeit bis 1 Jahr
  • 1625 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ohne Kontokorrent - Restlaufzeit bis 1 Jahr

Kurzfristige Verbindlichkeiten in SKR 04

Für SKR 04 für 2021 sind beispielsweise folgende Konten wichtig:

  • 3151 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten – Restlaufzeit bis 1 Jahr
  • 3335 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ohne Kontokorrent – Restlaufzeit bis 1 Jahr
  • 3351 Wechselverbindlichkeiten – Restlaufzeit bis 1 Jahr

Fazit: Kurzfristige Verbindlichkeiten erfordern erhöhte Aufmerksamkeit

Die korrekte Erfassung von kurzfristigen Verbindlichkeiten in der Buchhaltung ist enorm wichtig für Unternehmen. Die Daten sind nicht nur für den Jahresabschluss relevant. Auch das Liquiditätsmanagement greift auf die Informationen zu und richtet die Liquiditätsplanung entsprechend aus. Nur, wenn hier die Informationsbasis stimmt, kann auch sichergestellt werden, dass ausreichend Mittel für die Einhaltung von Zahlungsverpflichtungen vorhanden sind.

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