Wozu dient das Kalkulationsschema?

Lesezeit: 5 min
Das Kalkulationsschema dient im Rahmen der Zuschlagskalkulation dazu, die verschiedenen Kosten von Produkten aufzulisten bzw. zu berechnen.

Das Kalkulationsschema dient zur Berechnung der Kosten, um schlussendlich den Verkaufspreis für ein Produkt festlegen zu können. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie ein Kalkulationsschema in der Industrie und im Einzelhandel aussieht und wie Sie es sowohl vorwärts als auch rückwärts berechnen können.

Kalkulationsschema: Erklärung

Das Kalkulationsschema dient im Rahmen der Zuschlagskalkulation dazu, die verschiedenen Kosten von Produkten aufzulisten bzw. zu berechnen. Anhand des Schemas sieht man, aus welchen Bestandteilen sich die Gesamtkosten für die Herstellung oder den Verkauf eines Produkts konkret zusammensetzen. Damit lassen sich dann Produktpreise festlegen, zu denen die Produkte verkauft werden müssen, sodass das Unternehmen einen Gewinn erzielt.

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Das Kalkulationsschema kann vorwärts oder rückwärts gerechnet werden. Bei der Vorwärtskalkulation rechnet man von den Einkaufspreisen zu den Verkaufspreisen die Kostenkette durch. Bei der Rückwärtskalkulation rechnet man von einem vorgegebenen Verkaufspreis zurück auf den Einkaufspreis, zu dem maximal eingekauft werden kann.

Kalkulation in der Industrie

Ein produzierendes Unternehmen ermittelt mit Hilfe des Kalkulationsschemas die Einzel- und die Gemeinkosten, die mit der Herstellung eines Produkts einhergehen. Die Kosten werden auf die einzelnen Kostenträger verursachergerecht umgelegt, damit sich ein genaues Bild ergibt, wo welche Kosten in welcher Höhe anfallen.

In der Regel läuft die Kostenermittlung in folgender Reihenfolge ab:

  1. Herstellkosten berechnen: Wie hoch sind die Materialkosten und die Fertigungskosten?
  2. Selbstkosten berechnen: Wie hoch sind zusätzlich zu den Herstellkosten noch die Verwaltungs- und die Vertriebskosten?

Aus dieser Aufstellung lässt sich dann der Verkaufspreis für das Produkt festlegen, damit das Unternehmen einen Gewinn erzielt. Für ein produzierendes Unternehmen kann das Kalkulationsschema wie folgt aussehen:

  • Materialkosten = Materialeinzelkosten + Materialgemeinkosten
  • Herstellkosten = Materialkosten + Fertigungseinzelkosten + Fertigungsgemeinkosten + Sondereinzelkosten bei der Fertigung
  • Selbstkosten = Herstellkosten + Verwaltungsgemeinkosten + Vertriebsgemeinkosten + Sondereinzelkosten im Vertrieb
  • Barverkaufspreis = Selbstkosten + Gewinn
  • Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis + Kundenskonto + Vertreterprovision
  • Nettoverkaufspreis = Zielverkaufspreis + Nettoverkaufspreis
  • Bruttoverkaufspreis = Nettoverkaufspreis + Umsatzsteuer
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Kalkulationsschema im Einzelhandel

Einzelhandelsunternehmen produzieren nicht selbst, sondern kaufen ihre Ware beim Großhändler oder Hersteller und verkaufen diese dann weiter. Das Kalkulationsschema für ein Einzelhandelsunternehmen sieht deshalb oft so aus:

  • Zieleinkaufspreis = Listeneinkaufspreis – Lieferrabatt
  • Bareinkaufspreis = Zieleinkaufspreis – Lieferskonto
  • Bezugspreis = Bareinkaufspreis + Bezugskosten
  • Selbstkostenpreis = Bezugspreis + Handlungskostenzuschlag
  • Barverkaufspreis = Selbstkostenpreis + Gewinnzuschlag
  • Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis + Kundenskonto
  • Nettoverkaufspreis = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt
  • Bruttoverkaufspreis = Nettoverkaufspreis + Umsatzsteuer

Beispiele für ein Kalkulationsschema

Vorwärtskalkulation im Einzelhandel

Bei der Vorwärtskalkulation geht man von einem vorgegebenen Listeneinkaufspreis aus. Ein Unternehmen kauft zum Beispiel Waren im Wert von 100€ ein. Nun soll berechnet werden, zu welchem Preis die Ware verkauft werden soll, damit ein Gewinn erzielt wird. Folgende Eckdaten sind bekannt:

  • Lieferrabatt: 10%
  • Lieferskonto: 2%
  • Bezugskosten: 30€
  • Handlungskostenzuschlag: 50%
  • Gewinnzuschlag: 20%
  • Kundenskonto: 2%
  • Kundenrabatt: 10%
  • Umsatzsteuer: 19%

Gemäß dem Kalkulationsschema berechnen wir nun sämtliche Punkte:

  • Zieleinkaufspreis = 100€ - 100€/100 x 10% = 90€
  • Bareinkaufspreis = 90€ - 90€/100 x 2% = 88,20€
  • Bezugspreis = 88,20€ + 30€ = 118,20€
  • Selbstkostenpreis = 118,20€ + 118,20/100 x 50% = 177,30€
  • Barverkaufspreis = 177,30€ + 177,30€/100 x 20% = 212,76€

Bei der Berechnung des Kundenskontos und Kundenrabatts muss man nun aufpassen: Hier wird eine Dreisatzrechnung erforderlich, da man nicht wie bisher den jeweils vorangegangenen Betrag als Bezugsbasis (also 100%) nimmt, sondern den nachfolgenden Wert nehmen muss. Der Barverkaufspreis stellt bei 2% Skonto also nicht die 100%-Basis dar, sondern 98%. Man rechnet dann so:

Betrag für Kundenskonto = 212,76€ / 98% x 2% = 4,34€

  • Zielverkaufspreis = 212,76€ + 4,34 = 217,10€

Für den Kundenrabatt rechnet man ebenfalls nach dem Dreisatzschema: Betrag für Kundenrabatt = 217,10€ / 90% x 10% = 24,12€

  • Nettoverkaufspreis = 217,10€ + 24,12€ = 241,22€
  • Bruttoverkaufspreis = 241,22€ + 214,22€/100 x 19% = 287,05€

Das Unternehmen verkauft die Ware, die es zu 100€ eingekauft hat, zu einem Preis von 287,05€, damit es seine Gewinnziele erreicht.

Rückwärtskalkulation im Einzelhandel

Vor allem im Onlinehandel können Händler ihre Preise nicht frei festlegen, da dies aufgrund der zahlreichen Konkurrenz nicht möglich ist. Man muss sich also bei der Preisfestlegung an den Preisen der Konkurrenz orientieren. Dabei muss jedoch sichergestellt werden, dass das Unternehmen seine Kosten deckt und auch noch Gewinn erzielt.

Der Händler geht also von einem festgelegten Bruttoverkaufspreis aus, der von den Kunden akzeptiert wird und rechnet dann zurück auf den Listeneinkaufspreis, zu dem er maximal einkaufen kann. Das Kalkulationsschema erfolgt deshalb rückwärts von unten nach oben. Die Vorzeichen und Rechenoperationen drehen sich dabei um.

Der Einfachheit halber nehmen wir das Beispiel von oben. Der akzeptierte Bruttoverkaufspreis liegt bei 287,05€ und es gelten dieselben Randbedingungen wie im Beispiel zur Vorwärtskalkulation:

  • Lieferrabatt: 10%
  • Lieferskonto: 2%
  • Bezugskosten: 30€
  • Handlungskostenzuschlag: 50%
  • Gewinnzuschlag: 20%
  • Kundenskonto: 2%
  • Kundenrabatt: 10%
  • Umsatzsteuer: 19%

Von unten nach oben rechnen wir dann die Kette durch und machen sämtliche Rechenoperationen rückgängig:

  • Nettoverkaufspreis = 287,05€ / (1+19/100) = 241,22€
  • Zielverkaufspreis = 241,22€ / (1+10/90) = 217,10€
  • Barverkaufspreis = 217,10€ / (1+2/98) = 212,76€
  • Selbstkostenpreis = 212,76€ / (1+20/100) = 177,30€
  • Bezugspreis = 177,30€ / (1+50/100) = 118,20€
  • Bareinkaufspreis = 118,20€ - 30€ = 88,20€
  • Zieleinkaufspreis = 88,20€ / (1-2/100) = 90€
  • Listeneinkaufspreis = 90€ / (1-10/100) = 100€

Anhand dieses Kalkulationsschemas weiß der Händler, wenn er die Ware zum akzeptierten Preis von 287,05€ verkaufen möchte, muss er zum Listenpreis von 100€ einkaufen können und einen Lieferantenrabatt in Höhe von 10% sowie Skonto von 2% bekommen, damit er seine Gewinnziele realisieren kann.

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