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Gemeinkostenzuschlag: Wofür wird er benötigt?

Lesezeit: 5 min
Gemeinkostenzuschlag

Der Gemeinkostenzuschlag verteilt die indirekten Kosten eines Unternehmens auf die verschiedenen hergestellten Produkte oder angebotenen Dienstleistungen. Dies ist wichtig für die Preiskalkulation für die angebotenen Produkte bzw. Dienstleistungen. Warum man den Gemeinkostenzuschlag benötigt und wie man ihn berechnet, erfahren Sie hier.

Gemeinkostenzuschlag: Definition

Der Gemeinkostenzuschlag wird anteilmäßig auf die Einzelkosten eines Produkts aufgeschlagen. Er dient dazu, die Gemeinkosten aus den einzelnen Kostenstellen verursachergerecht in den Gesamtkosten eines Produkts zu berücksichtigen.

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Mit ihm lässt sich auch bewerten, wie wettbewerbsfähig ein Unternehmen ist. Ist er gering, hat das Unternehmen mehr Spielraum, die Preise für seine Produkte zu senken. Damit wird es konkurrenzfähiger und kann seinen Gewinn steigern.

Was sind Gemeinkosten genau?

Die Gesamtkosten eines Produkts setzen sich zusammen aus den Einzelkosten und den Gemeinkosten. Während die Einzelkosten sich direkt dem Produkt zuordnen lassen, müssen die Gemeinkosten verursachergerecht nach einem Verteilungsschlüssel diesem zugerechnet werden.

Zu den Einzelkosten zählen zum Beispiel die Kosten für Rohstoffe, Materialien, und Vorprodukte, die für die Herstellung des Produkts nötig sind. Auch Personalkosten für die Herstellung werden zu den Einzelkosten gezählt.

Die Gemeinkosten dagegen haben keine direkte Verbindung mit dem Produkt. Man spricht bei Gemeinkosten deshalb auch von indirekten Kosten. Zu ihnen zählen beispielsweise:

  • Fertigungsgemeinkosten: Miete für Produktionshallen oder Maschinen
  • Verwaltungsgemeinkosten: Gehälter für Mitarbeiter:innen in der Personal- und Finanzabteilung
  • Materialgemeinkosten: Gebäudemiete, Gehälter für Mitarbeiter:innen im Einkauf
  • Vertriebsgemeinkosten: Gehälter für Mitarbeiter:innen im Vertrieb und der Marketingabteilung

Durchschnitt des Gemeinkostenzuschlags

Branchenunabhängig gaben bei mehreren Befragungen Finanzcontroller:innen an, dass die Gemeinkosten in ihrem Unternehmen ungefähr 25% betragen. Das heißt, dass ein Viertel aller Kosten nicht direkt mit der Herstellung eines Produkts oder dem Erbringen einer Dienstleistung in Verbindung steht.

Aus diesem Grund ist die Gemeinkostenoptimierung ein wichtiger Bestandteil der Kostenoptimierung des Unternehmens. Wenn man an Gemeinkosten einsparen kann, ergeben sich einige Vorteile: Das Unternehmen kann seine Preise senken und ist damit möglicherweise attraktiver für Kund:innen, und es kann seine Gewinnziele schneller erreichen, da weniger Kosten gedeckt werden müssen.

Gemeinkostenzuschlag berechnen

Zuerst verteilt man die Gemeinkosten auf die einzelnen Kostenstellen im Unternehmen. Dies gibt einen Überblick, wo, welche Kosten entstanden sind, sodass sie dem Produkt anteilmäßig zugeschlagen werden können. Den Gemeinkostenzuschlag ermittelt man mit Hilfe des Betriebsabrechnungsbogens (BAB). In ihm werden die Einzel- und die Gemeinkosten miteinander ins Verhältnis gesetzt.

Der Gemeinkostenzuschlag ergibt sich dann, wenn man die Summe der Gemeinkosten durch die Summe der Einzelkosten teilt:

Gemeinkostenzuschlag = Summe Gemeinkosten / Summe Einzelkosten x 100

Durch die Multiplikation mit 100 erhält man den Gemeinkostenzuschlag in Prozent.

Beispiel zur Berechnung

Ein Unternehmen stellt Smoothies und Limonade her. Die Maschine für die Produktion der Smoothies ist gemietet. Es fallen folgende Kosten pro Tag an:

  • 200€ Miete für Produktionshalle (verteilt auf 2 Produkte = 100€ pro Produkt)
  • 100€ Miete für die Smoothie-Maschine
  • 2000 Smoothies pro Tag (à 0.20€ pro Stück) = 400€
  • 1000 Limonaden pro Tag (à 0.15€ pro Stück) = 150€

Für die Produktion der Smoothies fallen 100€ Miete für die Halle und 100€ Miete für die Maschine an. Die Smoothie-Produktion hat also Gemeinkosten in Höhe von 200€. Die Einzelkosten für einen Smoothie betragen 20 Cent pro Stück, und die Einzelkosten pro Tag 400€.

Zur Ermittlung des Gemeinkostenzuschlags rechnen wir dann so:

Gemeinkostenzuschlag = Summe Gemeinkosten / Summe Einzelkosten = 200€ / 400€ = 0.5

Der Gemeinkostenzuschlag beträgt also 50%. Diesen schlagen wir dem Stückpreis für die Smoothies zu:

Zuschlagspreis = 0.20€ x 0.5 = 0.10€ Stückpreis pro Smoothie mit Aufschlag = 0.20€ + 0.10€ = 0.30€

Der Stückpreis für einen Smoothie beträgt also nach Berücksichtigung aller Kosten 30 Cent.

Für die Limonaden rechnen wir ähnlich, nur dass wir hier die Miete für die Smoothie-Maschine nicht berücksichtigen. Es ergeben sich hier also Gemeinkosten von 100€ (nur Miete für die Halle) und Einzelkosten von 150€ pro Tag. Für den Gemeinkostenzuschlag bedeutet das:

Gemeinkostenzuschlag = 100€ / 150€ = 0.67

Der Stückpreis pro Limonade beträgt also:

Stückpreis (Limonade) = 0.15€ + (0.67 x 0.15€) = 0.25€

Zuschlagskalkulationen

In den meisten Fällen stellt ein Unternehmen mehr als ein Produkt her oder bietet mehr als eine Dienstleistung an, die unterschiedliche Kosten verursachen. Werden beispielsweise für verschiedene Produkte unterschiedliche Materialien verwendet, variiert der Stückpreis von Produktsorte zu Produktsorte. Um die Gemeinkosten anteilmäßig richtig auf die verschiedenen Produkte zu verteilen, benutzt man die Zuschlagskalkulation.

Hierbei gibt es das einstufige und das mehrstufige Verfahren. Das einstufige Verfahren haben wir im oberen Beispiel angewendet. Dabei haben wir die gesamten Gemeinkosten durch die gesamten Einzelkosten der jeweiligen Produktart geteilt. Nachteil dabei ist jedoch, dass man dabei davon ausgeht, dass das Verhältnis zwischen den Gemeinkosten und den unterschiedlichen Einzelkosten gleichbleiben.

Bei der mehrstufigen Zuschlagskalkulation versucht man diesen Umstand realistischer darzustellen. Man schaut sich dann die Gemeinkosten im Detail an und versucht, diese den jeweiligen Bereichen zuzuordnen, in denen sie entstanden sind.

Wenn im oberen Beispiel die Produktion der Limonade mehr Platz in der Halle in Anspruch nimmt, kann man dies durch einen höheren Anteil der Miete darin abbilden. Aus diesem Grund gibt es vor allem in großen Unternehmen sog. Kostenstellen, damit man die Gemeinkosten im Betriebsabrechnungsbogen differenzierter darstellen kann.

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Gemeinkostenzuschlag: Bedeutung für Unternehmen

Wie wir gesehen haben, dient der Gemeinkostenzuschlag der verursachergerechten Zuordnung von indirekten Kosten zu einem Produkt. Dies ist wichtig für ein Unternehmen, denn die Gemeinkosten müssen genau wie die Einzelkosten mit dem Gewinn wieder hereingeholt werden. Das heißt, bei der Preiskalkulation für ein Produkt dürfen nicht nur die Einzelkosten (die direkten Kosten) berücksichtigt werden, sondern auch die Gemeinkosten.

In vielen Unternehmen macht der Gemeinkostenzuschlag zwischen 20% und 30% der Gesamtkosten aus. Eine wichtige Teildisziplin in der Kostenoptimierung ist also das Senken oder Niedrighalten der Gemeinkosten, da auf diese Weise höhere Gewinne erzielt werden oder die Produkte zu geringeren Preisen angeboten werden können.

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