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Variator: So hilft er der Kosten- und Erlösrechnung

Lesezeit: 5 min
Der Variator ist eine Kennzahl aus der Plankostenrechnung.

Der Variator ist eine Kennzahl in der Kostenrechnung. Er gibt an, wie sich die Gesamtkosten ändern, wenn sich die zugrundeliegende Leistungsmenge verändert. Die Variatormethode kommt zur Anwendung in der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis, die mittlerweile jedoch von der flexiblen Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis abgelöst wurde. Dennoch wollen wir Ihnen in diesem Artikel aufzeigen, wie man den Variator berechnet und interpretiert.

Variator: Definition

Der Variator ist eine Kennzahl aus der Plankostenrechnung, genauer: der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis. Er gibt an, wie sich die Gesamtkosten ändern, wenn sich die Leistungsmenge (auch Basisbeschäftigung genannt) ändert. Im Gegensatz zur starren Plankostenrechnung wird bei der flexiblen Variante zwischen fixen und variablen Kosten unterschieden.

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Der Variator hat immer einen Wert zwischen 0 und 10. Ein Wert von 0 bedeutet, dass keinerlei variablen Kosten vorhanden sind; ein Wert von 10 bedeutet, dass die variablen Kosten 100 Prozent betragen und keine Fixkosten vorhanden sind. Die Methode, um den Variator zu berechnen, nennt man auch Variatormethode.

Diese Methode kann nur angewendet werden, wenn es sich um eine Basisplanbeschäftigung handelt, das heißt, wenn die Istbeschäftigung keinen großen Schwankungen unterliegt, bzw. sich die variablen und fixen Kosten proportional nach oben oder unten entwickeln, wenn sich die Beschäftigung geringfügig ändert.

Die Variatormethode dient dazu, die neuen Kosten zu überschlagen, wenn sich an der Basisplanbeschäftigung etwas ändert. Wenn zum Beispiel eine Maschine eine bestimmte Stückzahl an Teilen pro Tag herstellt, ist diese Stückzahl die Basisbeschäftigung. Für diese ermittelt man den Variator. Ändert sich die Stückzahl dann geringfügig nach oben oder unten, gibt der Variator an, wie sich die Änderung der Basisbeschäftigung auf die Gesamtkosten auswirkt.

Heutzutage werden die Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis und die Variatormethode jedoch in der Praxis nur noch selten angewendet, und stattdessen eine flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis verwendet.

Variator berechnen

Zur Berechnung des Variators benutzt man folgende Formel:

V = K_v / K_p x 10

V ist der Variator, K_v sind die variablen Kosten und K_p sind die Plankosten oder Gesamtkosten.

Weicht die Istbeschäftigung von der Basisplanbeschäftigung ab, benutzt man den Variator anschließend, um die Sollkosten für diese Istbeschäftigung zu berechnen:

K_s = K_p x (1 + (IB - BPB)/BPB) x V / 10)

K_s sind die Sollkosten, K_p die Plankosten, IB die Istbeschäftigung, BPB die Basisplanbeschäftigung und V der Variator.

Interpretation der Variator-Kennzahl

Schaut man sich die obige Formel für den Variator an, sieht man, dass er angibt, wie sich die Gesamtkosten bei einer Leistungsänderung verändern. Beträgt der Variator zum Beispiel 4.5, ändern sich die Gesamtkosten um 4.5 Prozent, wenn sich die Leistungsmenge um 10 Prozent ändert. Würde sich die Leistungsmenge um 20 Prozent ändern, entspräche dies einer Gesamtkostenänderung von 9 Prozent, also dem Doppelten.

Veranschaulichen kann man sich dies auch in einer Formel:

Änderung Gesamtkosten in % = Änderung der Leistungsmenge in % x Variator / 10

Beispiel zum Berechnen des Variators

Ein Imbissbesitzer hat eine Fritteuse, mit der er gleichzeitig 5 Portionen Pommes frittieren kann. Pro Tag verkauft er 50 Portionen Pommes. Er muss die Fritteuse also 10 Mal pro Tag befüllen, genügend Pommes und Frittieröl im Großhandel kaufen und den Strom bezahlen, den er für die Fritteuse benötigt. Zusätzlich beschäftigt er in seinem Imbiss noch einen Mitarbeiter.

Die Fixkosten sind das Gehalt des Imbissbesitzers und das des Angestellten, sowie die Stromkosten für die Fritteuse, deren Abschreibung, und die Mietkosten für seine Imbissbude. Diese Kosten ändern sich nicht, egal wie viele Portionen Pommes er pro Tag verkauft. Seine Fixkosten pro Tag betragen 55 Euro.

Die variablen Kosten sind die Kosten für das Frittierfett und die Pommes. Je nachdem, wie viele Portionen er pro Tag verkauft, desto mehr muss er wieder nachkaufen. Die variablen Kosten pro Portion belaufen sich auf 50 Cent.

Die Gesamtkosten pro Tag berechnet er dann so:

Gesamtkosten = Leistungsmenge x variable Stückkosten + Fixkosten = 50 x 0.5 Euro + 55 Euro = 25 Euro + 55 Euro = 80 Euro

Die Basisbeschäftigung sind die 50 Portionen, auch Leistungsmenge genannt. Es entstehen also bei der gegebenen Basisbeschäftigung Gesamtkosten von 80 Euro pro Tag.

Variator berechnen

Um den Variator zu berechnen, setzt man die Größen wie folgt in die Variator-Formel ein:

V = variable Kosten / Plankosten x 10 = 25 Euro / 80 Euro x 10 = 3.125

Wenn sich nun die Leistungsmenge um 10 Prozent ändert, ändern sich die Gesamtkosten um 3.125 Prozent. Bereitet er also 55 Portionen zu, steigen die Gesamtkosten auf 82.50 Euro. Bereitet er 45 Portionen zu, sinken sie auf 77.50 Euro.

Variator bei Änderung der Planbeschäftigung

Sieht der Imbissbesitzer, dass er regelmäßig mehr als 50 Portionen pro Tag zubereitet, weil die Nachfrage gestiegen ist, ändert er die Basisbeschäftigung auf 60 Portionen pro Tag.

Dann muss er allerdings auch den Variator neu berechnen, denn wenn sich die Basisbeschäftigung ändert, ändert sich auch der Variator. Die variablen Kosten steigen, weil mehr Öl und Pommes benötigt werden. Möglicherweise muss er auch eine zweite Fritteuse kaufen, wodurch er höhere Stromkosten und Abschreibungen hat, welche die Fixkosten erhöhen.

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Variator-Verwendung in der Praxis

Die Variatormethode lässt eine Kostenkontrolle zu, weil zwischen variablen Kosten und Fixkosten unterschieden wird. Dabei werden jedoch die Fixkosten proportionalisiert, das heißt, es wird vorausgesetzt, dass bei steigender oder sinkender Beschäftigungsmenge die Fixkosten gleichbleiben.

In der Praxis ist dies jedoch nicht immer der Fall, da bei höherer Beschäftigungsmenge manchmal auch Investitionen nötig werden, die die Fixkosten in die Höhe treiben (wenn zum Beispiel eine neue Maschine angeschafft werden muss, um die Produktionskapazität zu steigern).

Nachteilig an der Variatormethode ist außerdem, dass sie ungeeignet ist für die Kostenstellenrechnung, da den einzelnen Kostenträgern ebenfalls ein proportionaler Anteil an Fixkosten zugerechnet wird.

Wie eingangs erwähnt, finden deshalb der Variator bzw. die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis in der Kostenrechnung heutzutage kaum noch Anwendung. Stattdessen wird die flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis verwendet, wo nur proportionale Kosten berücksichtigt werden und die Fixkosten somit nicht proportionalisiert werden.

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