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Tochtergesellschaft gründen: Welche Vorteile und Nachteile gibt es?

Lesezeit: 5 Min
Eine Tochtergesellschaft ist ein Unternehmen, das einer Muttergesellschaft unterstellt ist.

Eine Tochtergesellschaft ist ein Unternehmen, das einer Muttergesellschaft unterstellt ist. Diese Konstellation bietet unter gewissen Bedingungen einige Vorteile; kann jedoch auch Nachteile haben. In diesem Artikel erfahren Sie, was eine Tochtergesellschaft ausmacht, und welche Vor- und Nachteile sich aus einer solchen Unternehmensstruktur ergeben.

Inhalt:

Tochtergesellschaft: Definition

Im Englischen wird die Tochtergesellschaft auch als subsidiary company bezeichnet, was übersetzt so viel heißt wie Untergesellschaft. Ein Tochterunternehmen hat grundsätzlich immer ein Mutterunternehmen über sich, von dem es wirtschaftlich abhängig ist. Die Rechtsform (GmbH, AG oder KG) ist unerheblich, wenn es um die Ausgründung einer Tochtergesellschaft geht.

Besitzt ein Unternehmen mehr als 10 Prozent der Anteile an einem anderen Unternehmen, ist bereits von einer Mutter- bzw. Tochtergesellschaft die Rede. In den allermeisten Fällen besitzt die Muttergesellschaft jedoch den Mehrheitsanteil an der Tochtergesellschaft (üblicherweise 100%), sodass Entscheidungen leichter getroffen werden können.

Die Tochter ist zwar ein juristisch eigenständiges Unternehmen, jedoch wirtschaftlich nicht selbstständig. Welche Rechtsbeziehung konkret zwischen dem Tochter- und Mutterunternehmen besteht, regelt der Beherrschungsvertrag. In den allermeisten Fällen ist auch festgelegt, dass die Tochter ihre Gewinne an die Mutter abführt.

Abgrenzung zu anderen Strukturen

Niederlassung

Eine Niederlassung ist von der Hauptniederlassung zwar häufig organisatorisch und auch räumlich getrennt, ist jedoch kein eigenständiges Unternehmen im rechtlichen Sinne, d.h. sie ist keine eigene juristische Person wie das bei einer Tochtergesellschaft der Fall ist. Eine Niederlassung darf nur von Kaufleuten oder Handelsgesellschaften errichtet werden.

Betriebsstätte

Als Betriebsstätte bezeichnet man eine unselbstständige Niederlassung, auch Filiale genannt. Sie unterscheidet sich von der Niederlassung dadurch, dass sie von Unternehmer:innen betrieben werden kann, die nicht im Handelsregister eingetragen sind. Sie ist nicht eigenständig, muss den gleichen Geschäftsbetrieb wie die Hauptniederlassung aufweisen und ist von dieser komplett abhängig.

Tochtergesellschaft: Beispiele

Es gibt zahlreiche weitbekannte Unternehmen, die Tochter- bzw. Muttergesellschaften sind. Hier zwei Beispiele:

General Motors und Opel

Die Opel GmbH ist die Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns General Motors. Da Opel eine bekannte und etablierte Marke – vor allem im deutschen Sprachraum – ist, wurde bei der Übernahme die Tochtergesellschaft nicht umbenannt, damit das Vertrauen in die Marke erhalten bleibt.

Oetker-Gruppe mit mehr als 350 Tochterunternehmen

Der größte Lebensmittelhersteller in Deutschland – die Oetker-Gruppe – hat mehr als 350 Tochterunternehmen, unter anderem: Conditorei Coppenrath & Wiese, Radeberger Gruppe, Selters, Henkell.

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Ausgestaltung der Beziehung zwischen Tochter- und Muttergesellschaft

Das Verhältnis, in dem die Tochter- zur Muttergesellschaft steht, ist im Beherrschungs- und im Gewinnabführungsvertrag genau festgelegt. Darin ist geregelt, welche Rechte und Pflichten die Tochtergesellschaft innerhalb des Konzerns hat. Blickt man von außen auf die Konzernstruktur, spricht man von einer Holdinggesellschaft. In ihr sind sowohl das Mutterunternehmen, als auch alle seine Tochterunternehmen mitinbegriffen.

Je nach Holding-Struktur hat der Mutterkonzern mehr oder weniger Befugnisse in seinen Tochterunternehmen. Man unterscheidet dabei vier Varianten, wie das Holding ausgestaltet sein kann:

Operativ

Das Mutterunternehmen lenkt den operativen Bereich in seinen Tochterunternehmen und hat somit großen Einfluss auf die einzelnen Unternehmen.

Managementorientiert

Die Mutter gibt klare Richtlinien und Ziele an ihre Töchter vor, was die strategische Weiterentwicklung in den einzelnen Tochterunternehmen betrifft.

Organisatorisch

Die Holdinggesellschaft dient zur internen Organisation der einzelnen Geschäftsfelder, in denen die Tochterunternehmen tätig sind. Die Töchter gestalten ihren operativen Betrieb weitgehend „ohne Diktat von oben“.

Finanziell

Die Muttergesellschaft ist nur Gesellschafterin bei ihren Töchtern, fungiert also lediglich als Vermögensverwaltung. Die Töchter gestalten den operativen Betrieb selbst.

Konsolidierung und Haftung

Am Jahresende erstellt jedes Tochterunternehmen eine eigene Bilanz, sowie Gewinn- und Verlustrechnung. Diese lässt es dem Mutterunternehmen zukommen, wo die Konsolidierung für den kompletten Konzern stattfindet.

Auf Konzernebene werden dann sämtliche Forderungen und Verbindlichkeiten miteinander verrechnet. Der Mutterkonzern ist dazu verpflichtet, eventuelle Verluste bei seinen Tochterunternehmen auszugleichen.

Ansprüche von Gläubigern an ein Tochterunternehmen bleiben auch dann noch bestehen, wenn das Beherrschungsverhältnis aufgelöst wurde. Nach zehn Jahren sind die Ansprüche verjährt.

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Tochtergesellschaft gründen – Was sind die Vorteile?

Mehr Transparenz

Häufig werden mit Ausgründungen in größeren Konzernen einzelne Tätigkeitsbereiche voneinander getrennt, wodurch mehr Transparenz geschaffen wird und die Konzernführung einen besseren betriebswirtschaftlichen Blick auf die einzelnen Bereiche hat.

Outsourcing

Wird eine Tochtergesellschaft gegründet, um einen Tätigkeitsbereich auszulagern, der nicht zum Hauptgeschäft des Mutterunternehmens gehört, spricht man von Outsourcing. Oft ist dies der erste Schritt, wenn der Mutterkonzern im Anschluss das outgesourcte Unternehmen verkaufen möchte.

Da eine Tochtergesellschaft aus rechtlicher Sicht ein eigenständiges Unternehmen mit eigener Rechtsform ist, ist es generell leichter, das Tochterunternehmen zu verkaufen, da aufgrund der separaten Bilanzierung die Geschäftszahlen für potenzielle Käufer klar ersichtlich sind.

Mehr Innovation

Häufig steigt mit der Ausgliederung eines bestimmten Bereichs auch die Innovationskraft in der neuen Tochtergesellschaft, wovon letzten Endes der Konzern profitiert.

Breitere Risikostreuung für den Konzern

Durch das Ausgründen von Tochtergesellschaften wird das Risiko für den Konzern breiter gestreut. Außerdem ist es dadurch möglich, als Konzern in vielen unterschiedlichen Branchen tätig zu sein, um so mehr Marktmacht zu erlangen.

Tochtergesellschaft: Nachteile

Wirtschaftliche Abhängigkeit vom Mutterunternehmen

Der größte Nachteil für das Tochterunternehmen ist, dass es wirtschaftlich abhängig vom Mutterunternehmen ist. Das heißt, wenn dieses pleitegeht, geht in den allermeisten Fällen auch die Tochtergesellschaft pleite.

Interessenkonflikte zwischen Mutter und Tochter

Je nachdem wie hoch die Eigenständigkeit des Tochterunternehmens ist, können sich Interessenkonflikte mit dem Mutterkonzern ergeben, wenn beispielsweise die Geschäftsleitung des Tochterunternehmens andere Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs hat als die Geschäftsführung des Mutterkonzerns.

Kostspielig für Mutterkonzern

Wird eine Tochtergesellschaft ausgegründet, dauert es häufig mehrere Jahre, bis dieses Unternehmen effektiv zur Gewinnsteigerung des Gesamtkonzerns beiträgt. Die Ausgründung ist deshalb ein kostspieliges Unterfangen und will genau überlegt sein.

Fazit: Tochtergesellschaft zur strukturellen Trennung des Geschäftsbereichs

Unternehmen, die in vielen verschiedenen Geschäftsfeldern tätig sind, oder einzelne Produktpaletten unter einer separaten Marke vertreiben wollen, gründen häufig eine Tochtergesellschaft. Diese konzentriert sich dann lediglich auf diesen einen Bereich und ist häufig in ihren Entscheidungen frei, was die Weiterentwicklung der Produkte/Produktpalette betrifft. Der eigene Verantwortungsbereich fördert meist auch die Innovation, was sich in einem gesteigerten Umsatz niederschlägt.

Das Ausgründen einer Tochtergesellschaft ist für den Konzern jedoch nicht ohne Risiko, denn in den Anfangsjahren ist häufig mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen, bis die Tochtergesellschaft zum Gewinn beiträgt.

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