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So funktioniert Netting im Cash Management eines Unternehmens

Lesezeit: 6 Min
Wenn Netting zwischen zwei Vertragsparteien zur Anwendung kommt, spricht man auch von bilateralem Netting.

Vor allem in Konzernen finden viele Zahlungsbewegungen statt. Wenn konzernintern viele Dienstleistungen oder Lieferungen ausgeführt werden, dann kann die Anzahl und das Volumen der Zahlungsbewegungen enorme Ausmaße annehmen. Das wiederum wirkt sich auf das Cash-Management und die Prozesse insgesamt aus. Viele Unternehmen setzen deshalb Netting im Cash-Management ein. Doch auch im Bankwesen ist Netting weit verbreitet. Dieser Beitrag erläutert, worum es sich bei Netting handelt und warum es für viele Unternehmen und Banken von Bedeutung ist.

Netting: Definition und Verfahren

Netting wird allgemein definiert als eine Verrechnung gegenläufiger Zahlungsansprüche und -verpflichtungen. Forderungen werden also mit Verbindlichkeiten verrechnet. In Konzernen wird das insbesondere zwischen Tochtergesellschaften gemacht, damit weniger Zahlungsbewegungen stattfinden müssen. Es handelt sich beim Netting also um ein bestimmtes Verrechnungsverfahren zwischen verschiedenen Vertragsparteien. Häufig wird Netting auch mit „Aufrechnung“ übersetzt.

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Beispiel: Tochtergesellschaft A erbringt regelmäßig Dienstleistungen an Tochtergesellschaft B. B wiederum beliefert A regelmäßig mit Waren. Zwischen den beiden Gesellschaften kommt es daher zu zahlreichen Transaktionen. Hier kann es überlegenswert sein, einen Rahmenvertrag zu schließen und Netting einzusetzen.

Formen und Varianten von Netting

Wenn Netting zwischen zwei Vertragsparteien zur Anwendung kommt, spricht man auch von bilateralem Netting. Handelt es sich um mehr als zwei Vertragsparteien, dann spricht man von multilateralen Netting. In diesem Fall kommt regelmäßig ein sog. Netting-Center zum Einsatz, das als zentrale Stelle das Netting verwaltet. Diese zentrale Lösung ist für Konzerne attraktiv, da viele Abläufe vereinfacht werden können.

Besonderheiten gibt es beispielsweise bei international tätigen Konzernen. Regelmäßig müssen dann auch unterschiedliche Währungen berücksichtigt und Währungsrisiken vermieden werden. Eine zentrale Organisation kann hier durch einen entsprechenden Rahmenvertrag eine effiziente Lösung bieten.

Man unterscheidet zudem zwischen verschiedenen Varianten, wie beispielsweise

  • Close‐out Netting
  • Payment Netting
  • Novationsnetting

Close‐out Netting

Das Close-Out-Netting wird häufig auch als Liquidationsnetting bezeichnet. Hier wird erst bei Eintritt eines bestimmten Ereignisses, wie einer Insolvenz, alle offenen Forderungen und Verbindlichkeiten unter einem Vertrag zwischen den Geschäftspartnern zum Marktwert saldiert.

Die geschäftliche Vereinbarung wird also in einer juristischen Sekunde vor dem Eintritt des Ereignisses beendet und der Ausgleichsanspruch entsprechend ermittelt und abgerechnet. Vertragspartner müssen auf diese Weise nicht befürchten, dass bei Insolvenz des anderen Vertragspartners erhebliche Forderungsausfälle die eigene Liquidität treffen.

Payment Netting

Das Payment Netting wird auch Zahlungsverkehr-Netting oder Settlement Netting genannt. Zwischen Vertragspartnern werden hier laufende Zahlungen in einer Währung verrechnet. Zur Transaktion kommt lediglich der Differenzbetrag. Vor allem Währungsrisiken lassen sich hierdurch minimieren.

Novationsnetting

Dies betrifft hauptsächlich derivative Finanzgeschäfte. Hier gehen mehrere einbezogene Verträge unter und werden durch einen Schuldumwandlungsvertrag ersetzt. Das Novationsnetting kommt in der Praxis seltener vor als beispielsweise das Payment Netting oder das Close-out Netting.

Netting: Beispiel

Wenn zwischen zwei Vertragsparteien Netting vereinbart wird, dann kann das beispielsweise wie folgt aussehen:

Der Warenhändler A hat eine Forderung an das Unternehmen B in Höhe von 250.000 Euro. Doch B hat auch gegenüber A eine Forderung in Höhe vom 320.000 Euro. Beim Netting werden die Forderungen und Verbindlichkeiten verrechnet:

Forderungen von A: 250.000 Euro Forderungen von B: 320.000 Euro Saldo: 70.000 Euro

B hat noch Anspruch auf 70.000 Euro. Es muss also nur eine Transaktion an B mit einem Betrag von 70.000 Euro erfolgen.

Netting: Bedeutung und Vorteile

Wenn Unternehmen intensiv mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, kann das für das eigene Geschäftsmodell oder auch innerhalb eines Konzerns sehr erfolgreich sein. Es bringt jedoch auch ein entscheidendes Risiko mit sich: Was, wenn der Vertragspartner in eine Krise gerät und möglicherweise insolvent wird? Das Risiko von Forderungsausfällen ist für das Liquiditätsmanagement eines Unternehmens eine ernste Bedrohung. Daher suchen Unternehmen häufig nach Mitteln und Wegen, ihre Geschäftsbeziehungen so zu gestalten, dass die eigene Liquidität nicht gefährdet wird.

Netting ist ein Modell zur Minimierung von Risiken. Durch den Einsatz können Kreditrisiken und Transaktionskosten minimiert werden. Es kann auch zur Vorbeugung von Währungsrisiken dienen. Doch vor allem im Falle der Insolvenz eines Vertragspartners ist Netting von großer Bedeutung. Durch die Aufrechnung werden Forderungen und Verbindlichkeiten beglichen. Der andere Vertragspartner kann sich durch diese Vereinbarung schützen.

6 Schritte und Tools zu mehr Unternehmenssicherheit

Für Konzerne handelt es sich daher um ein interessantes Instrument im Cash-Management. Die Verwaltung von Forderungen und Verbindlichkeiten kann vereinfacht und mehr Transparenz geschaffen werden. Auch die Buchhaltung kann von der Übersichtlichkeit profitieren: Sämtliche Transaktionen werden erfasst und die Zahlungen über Netting abgewickelt. Durch ein Nettingsystem kann vieles vereinfacht werden. Das kann sich vor allem auf die Liquiditätsplanung positiv auswirken.

Vorteile sind also insbesondere:

  • Minimierung von Kredit- und Insolvenzrisiken
  • Senkung von Transaktionskosten
  • Bessere Organisation des Zahlungsverkehrs
  • Vereinfachung von Prozessen
  • Verbesserte Liquiditätsplanung im Konzern

Netting und Clearing

Clearing und Netting werden häufig synonym verwendet. Allerdings gibt es einen kleinen, feinen Unterschied: Bei Netting handelt es sich um eine konkrete vertragliche Vereinbarung zwischen den Beteiligten– beim Clearing nicht. Als Clearing wird lediglich das Verfahren bezeichnet, wie die Abrechnung erfolgen muss.

Wurden Forderungen und Verbindlichkeiten verrechnet oder aufgerechnet, dann ist nur der verbleibende Betrag auszugleichen. Es ist also nur noch eine Transaktion erforderlich. Hierfür ist dann ggf. eine sog. Clearingstelle zuständig.

Hinweis: Nicht zu verwechseln ist Netting mit Cash-Pooling. Beim Cash-Pooling handelt es sich um einen konzerninternen Liquiditätsausgleich. Die verschiedenen Tochtergesellschaften überlassen der Konzerngesellschaft liquide Mittel in Form von Darlehen. Die Konzerngesellschaft verwaltet die Mittel zentral für alle Gesellschaften.

Netting: Vertrag gibt den Rahmen vor

Basis für Netting bildet ein Vertrag (Agreement) zwischen den Geschäftspartnern. Hier muss geregelt werden, welche Zahlungsansprüche und -verpflichtungen miteinander verrechnet werden können. Zudem muss aus dem Vertrag hervorgehen, wer daran teilnimmt.

Konzerne müssen beispielsweise abwägen: Welche Form von Netting soll zur Anwendung kommen? Macht ein bilaterales Netting am meisten Sinn? Oder sollte ein multilaterales Netting zum Einsatz kommen mit einer zentralen Verwaltung?

Auch der Eintritt möglicher Ereignisse, wie die Insolvenz eines Geschäftspartners, muss in diesem Zusammenhang vertraglich geregelt werden.

Wichtig: Unternehmen müssen sicherstellen, dass ein gültiger Rahmenvertrag zur Anwendung kommt. Es ist keinem geholfen, wenn der Vertrag Vereinbarungen enthält, die juristisch überhaupt nicht durchsetzbar wären. Gerade bei einem sensiblen Thema, wie der Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten mehrerer Vertragspartner, müssen die Regeln klar und durchsetzbar sein.

Netting: Finanzen und Derivate

Netting ist vor allem auch im Bankwesen verbreitet. Zwischen verschiedenen Banken finden zahlreiche Zahlungsbewegungen statt. Nicht nur Geld wird regelmäßig hin und her bewegt. Auch Wertpapiere, Derivate usw. werden untereinander ausgetauscht. Doch was, wenn eine Bank in eine Insolvenz rutscht? Damit nicht weitere Kreditinstitute mitgerissen werden, kann Netting hier zur Risikominimierung eingesetzt werden.

Bei derivativen Finanzgeschäften wird immer wieder Novationsnetting eingesetzt. Durch Schuldumwandlungsverträge werden verschiedene bestehende Ansprüche in ein neues Schuldverhältnis übertragen. Die bisherigen Ansprüche erlöschen durch die Novation. Gerade bei diesen Formen von Netting müssen strenge rechtliche Anforderungen beachtet werden.

Fazit: Netting lohnt sich (nicht für alle)

Ob Konzerne oder Kreditinstitute: Wenn hohe Transaktionsvolumen zum Geschäftsalltag gehören, muss darüber nachgedacht werden, wie diese abgesichert werden können. Netting kann hier eine interessante Option sein. Nicht nur, dass es Risiken reduziert: Auch viele Prozesse innerhalb des Unternehmens oder der Bank können vereinfacht und übersichtlicher gestaltet werden.

Die Implementierung eines Nettingsystems ist jedoch natürlich auch mit Aufwand verbunden. Unternehmen müssen ihre Prozesse entsprechend ausrichten, sich ggf. juristisch beraten lassen, Verträge schließen und ggf. auch in neue Technologien investieren. Deshalb ist Netting nicht für jedes Unternehmen eine attraktive Option.

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