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Kapitalintensität: Wie die Kennzahl richtig zu berechnen ist

Lesezeit: 5 Min
Nicht nur in der Betriebswirtschaft, sondern auch in der Volkswirtschaft, wird die Kennzahl der Kapitalintensität erhoben.

Die Kapitalintensität zeigt an, wie hoch das eingesetzte Kapital pro Arbeitsplatz in einem Unternehmen ist. In diesem Artikel erfahren Sie, wie man die Kapitalintensität berechnet, interpretiert und wie sie sich zu anderen Kennzahlen abgrenzt.

Kapitalintensität: Definition

Unter Kapitalintensität versteht man in der Betriebswirtschaft das Verhältnis zwischen Sachkapitaleinsatz (Anlagevermögen) und Anzahl der Arbeitskräfte. Sie ist also ein Maß für das nötige Kapital pro Arbeitsplatz.

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Von einer kapitalintensiven Produktion spricht man, wenn bei der Produktion das eingesetzte Kapital wertmäßig den Faktor Arbeit übersteigt. Das ist vor allem in hoch technologisierten Unternehmen der Fall, wo das Kapital in sehr teuren Produktionsanlagen gebunden ist (z.B. in der Chipherstellung oder Chemieindustrie).

Das Gegenteil von kapitalintensiver Produktion ist arbeitsintensive Produktion. Dort ist das Kapital weniger in materiellen Gütern gebunden, sondern in der Arbeitskraft der Angestellten. Handwerksbetriebe oder Dienstleister zählen häufig zu dieser Kategorie.

Kapitalintensität in der Volkswirtschaft

Nicht nur in der Betriebswirtschaft, sondern auch in der Volkswirtschaft, wird die Kennzahl der Kapitalintensität erhoben. Dort misst sie dann die Höhe des eingesetzten gesamtwirtschaftlichen Kapitals in Bezug auf sämtliche Erwerbstätigen während eines Zeitraums. Auf diese Weise kann die Kapitalintensität für die Volkswirtschaft eines ganzen Landes oder einer Region ermittelt werden.

Kapitalintensität: Formel

Die Kapitalintensität eines Unternehmens lässt sich berechnen, indem man das Anlagevermögen der Anzahl der Angestellten gegenüberstellt:

Kapitalintensität = Anlagevermögen / Anzahl der Angestellten

Die Kennzahl spiegelt die Investitionssumme wieder, die ein Unternehmen pro Arbeitsplatz bereitstellen muss.

Das Anlagevermögen sind materielle oder immaterielle Sachwerte, die dauerhaft im Unternehmen sind, zum Beispiel: Fahrzeuge, Produktionsanlagen, Maschinen, Wertpapiere, Gebäude.

Kapitalintensität: Interpretation der Kennzahl

Eine hohe Kapitalintensität lässt auf eine stark technologisierte Produktion schließen. Teure Maschinen erledigen viele Arbeitsschritte im Produktionsprozess selbstständig, ohne dass viele Arbeitskräfte zu deren Bedienung nötig sind. Je mehr in einem Produktionsbetrieb also automatisiert abläuft, desto weniger Angestellte sind dazu nötig. Das Kapital ist in diesem Fall vor allem in Sachwerten gebunden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Kapitalintensität in allen Branchen kontinuierlich erhöht und im Zuge der Automatisierung und Industrie 4.0 wird sich dieser Trend auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen.

Eine hohe Kapitalintensität lässt auch darauf schließen, dass die Produktivität im Unternehmen hoch ist, denn je mehr Kapital pro Erwerbstätigen eingesetzt wird, desto größer ist der Wertschöpfungsprozess, da Angestellte in weniger Zeit mehr Wert produzieren können.

Kapitalintensität: Beispiele nach Branchen

Die Kapitalintensität gibt das eingesetzte Kapital pro Erwerbstätigen in einem Unternehmen an. Die Kennzahl ist dabei höchst unterschiedlich von Branche zu Branche, wie die nachfolgenden Zahlen zeigen (Stand 2020):

  • Landwirtschaft: 580.900€
  • Industrie: 327.300€
  • Handel, Verkehr, Gastgewerbe: 145.200€
  • Baugewerbe: 45.600€

Auswirkung der Kapitalintensität auf Unternehmen

Eine hohe Kapitalintensität bedeutet, dass viel finanzielle Mittel im Anlagevermögen gebunden sind und die Ausstattung der Arbeitsplätze sehr kapitalintensiv ist. Da aufgrund der weiter fortschreitenden Technologisierung in allen Branchen auch die Kapitalintensität zunimmt, heißt das, dass pro Arbeitsplatz immer mehr Kapital zur Verfügung stehen muss, damit ein Unternehmen "nicht den Anschluss verpasst".

Unternehmen, die in Branchen tätig sind, wo immer mehr automatisiert wird, sind von diesem Trend besonders betroffen. Regelmäßige Investitionen in Modernisierung und/oder Kapazitätserweiterung sind erforderlich, damit man weiterhin konkurrenzfähig bleibt.

Weist ein Unternehmen eine hohe Kapitalintensität auf, birgt dies das Risiko von Leerlaufkosten, wenn die Kundennachfrage zurückgeht oder das Geschäft schwankt. Oft müssen die Sachgüter noch finanziert werden, weil ein Kredit für die Anschaffung aufgenommen wurde. Verringerte Einnahmen können dann zu einem Liquiditätsengpass führen. Die Verkleinerung von kapitalintensiven Unternehmen ist meist schwieriger als die von arbeitsintensiven Unternehmen.

Für neue Unternehmen wird es aufgrund der immer weiter steigenden Kapitalintensität immer schwieriger bei Null einen Markt zu betreten und anderen Unternehmen Konkurrenz zu machen. Die hohe Kapitalintensität ist in manchen Branchen eine große Hürde, weil viel Kapital notwendig ist, um mit der Produktion überhaupt erst einmal anfangen zu können.

Kapitalintensität: Bedeutung für die Zukunft der Arbeit

In sehr kapitalintensiven Branchen wird für die Produktion von Gütern mehr Kapital eingesetzt als Arbeitskräfte. Das hat nicht nur, wie im vorherigen Abschnitt bereits betrachtet, Auswirkungen für Unternehmen, die hohe Kapitalsummen bereitzustellen haben, sondern auch für Arbeitskräfte.

Für die Bedienung von Maschinen sind Fachkräfte notwendig. Ungelernte Arbeitskräfte sind deshalb verstärkt von Jobverlust betroffen, weil ihnen die nötigen Qualifikationen fehlen. Darüber hinaus sind für die Ausführung eines Prozessschrittes immer weniger Arbeitskräfte notwendig, da eine Maschine nicht immer nur eine Person ersetzt, sondern gleich mehrere.

Eine steigende Kapitalintensität führt also auf lange Sicht dazu, dass immer weniger Arbeitskräfte notwendig sind, um Güter zu produzieren, aber dafür umso mehr Kapital.

Kapitalintensität vs. Kapitalproduktivität

Nicht zu verwechseln ist die Kapitalintensität mit der Kapitalproduktivität. Letztere stellt die Ausbringungsmenge dem Kapital gegenüber:

Kapitalproduktivität = Ausbringungsmenge / Anlagevermögen

Mit dieser Rechnung lässt sich bewerten, wie effizient das Kapital im Produktionsprozess arbeitet. Das ist wichtig für Unternehmen, damit sie beurteilen können, in welchem Maß das eingesetzte Kapital zur Wertschöpfung im Unternehmen beiträgt und ob das Ergebnis lohnenswert ist.

Genau wie die Kapitalintensität ist auch die Kapitalproduktivität abhängig vom Technologisierungsstand des Unternehmens. In der Regel führt die Investition in moderne Produktionsanlagen (=höherer Kapitaleinsatz) zu einer höheren Ausbringungsmenge von Gütern, wodurch die Kapitalproduktivität steigt.

Kapitalintensität und -produktivität erhöhen für mehr Zukunftssicherheit

Unternehmen, die im produzierenden Gewerbe tätig sind, sollten regelmäßig in ihr Anlagevermögen investieren. Indem die Produktionsanlagen auf einem aktuellen Stand der Technik sind, wird sichergestellt, dass man mit der Konkurrenz mithalten kann, was die Qualität der Produkte betrifft.

Indem die Produktionskapazitäten gesteigert werden (mehr Anlagen angeschafft werden), können in derselben Zeit mehr Produkte gefertigt werden, was die Ausbringungsmenge erhöht und zu einer Umsatzsteigerung führt – vorausgesetzt natürlich, dass die dazu nötige Kundennachfrage gegeben ist.

Die Kapitalintensität steigt dann, wenn Unternehmen in ihr Anlagevermögen investieren und gleichzeitig die Anzahl der Angestellten weniger stark anwächst bzw. konstant bleibt.

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