Gearing: Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff?

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Gearing ist der englische Begriff für den Verschuldungsgrad und wird verwendet, um die finanzielle Stabilität eines Unternehmens zu beurteilen.

Ihr Unternehmen hat Schulden? Das ist weitgehend normal, denn viele Projekte lassen sich ohne Kredit nicht umsetzen. Woher aber wissen Sie, ob Ihre Verschuldung sich noch in einem normalen Bereich bewegt? Dies im Blick zu haben, ist nicht nur für Ihr Unternehmen wichtig, sondern auch für Kreditinstitute, die entscheiden müssen, mit welchen Risiken eine Zusammenarbeit verbunden ist. Mit einer einfachen Formel können Sie dies herausfinden, aber fangen wir ganz vorne an: Was genau verbirgt sich hinter dem Verschuldungsgrad, bzw. Gearing?

Definition: Was ist Gearing?

Gearing ist der englische Begriff für den Verschuldungsgrad und wird verwendet, um die finanzielle Stabilität eines Unternehmens zu beurteilen. Diese Kennzahl betrachtet die zinstragenden Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem Eigenkapital.

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Man könnte auch sagen, dass das Gearing das Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital darstellt. Investor:innen können somit feststellen, wie stark ein Unternehmen verschuldet ist und auf dieser Grundlage entscheiden, ob es zu einer Zusammenarbeit kommt.

Ausdrücke für den Verschuldungsgrad: Der Begriff Gearing wird immer populärer und ist mittlerweile im normalen Sprachgebrauch der Wirtschaftswelt angekommen. Außerdem gibt es aber noch die englischen Ausdrücke debt to equity ratio oder leverage ratio. Diese können synonym zu dem Verschuldungsgrad verwendet werden, sind aber weniger gebräuchlich als das Wort Gearing.

Gearing - Verschuldungsgrad Beispiel

Vorteile und Nachteile des Verschuldungsgrades

Je nach Situation und Perspektive ist der Verschuldungsgrad unterschiedlich aussagekräftig. Wann ist diese Kennzahl also besonders hilfreich und wann eher weniger?

Vorteile:

Besonders für Kreditinstitute ist der Verschuldungsgrad sehr nützlich. Mit diesem Indikator lässt sich das Risiko einschätzen, das eine Zusammenarbeit mit sich bringen würde. Denn hohe Schulden bedeuten auch oft, dass eher mit finanziellen Problemen zu rechnen ist. Auch die Insolvenz kann drohen, wenn hohe Schulden vorhanden sind.

Doch auch für Unternehmen selbst ist der Verschuldungsgrad eine hilfreiche Kennzahl, denn mit der Anwendung einer einfachen Formel kann eine schnelle Einschätzung der aktuellen Schulden gewonnen werden. Im Kontext von Faktoren wie der Liquidität ist stets bekannt, ob das Unternehmen eine gute Finanzstruktur aufweist.

Nachteile:

Wie jede andere Kennzahl ist auch der Verschuldungsgrad nicht perfekt. Er spiegelt lediglich eine riskante Finanzstruktur wider. Über die finanzielle Situation im Allgemeinen kann er keine Aussagen treffen. Somit kann der Verschuldungsgrad zwar hilfreich sein, ist aber am aussagekräftigsten, wenn er in Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen eines Unternehmens betrachtet wird.

Formen des Verschuldungsgrades

Wenn vom Verschuldungsgrad die Rede ist, können zwei verschiedene Arten gemeint sein: der statistische oder der dynamische Verschuldungsgrad. Was der Unterschied ist, erfahren Sie hier:

Statistischer Verschuldungsgrad

Der statistische Verschuldungsgrad ist die Relation von Eigenkapital zu Fremdkapital. Das Unternehmen unterliegt dann einem besonders hohen Risiko, wenn diese Kennzahl hoch ausfällt. Es wird also die aktuelle Situation in den Fokus genommen.

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Dynamischer Verschuldungsgrad

Der dynamische Verschuldungsgrad bezieht sich hingegen nicht auf die aktuelle Situation. Stattdessen fungiert dieser als Blick in die Zukunft. Es wird nämlich berechnet, wie lange ein Unternehmen brauchen wird, um das bereits aufgenommene Fremdkapital wieder zurückzuzahlen.

Wie berechnet man den Verschuldungsgrad?

Um den Verschuldungsgrad, bzw. das Gearing zu berechnen, werden die Verbindlichkeiten durch das Eigenkapital Ihres Unternehmens dividiert. Sie erhalten als Ergebnis eine Prozentzahl, die ausdrückt, wie stark Ihr Unternehmen verschuldet ist. Schauen wir uns die Formel genauer an:

Verschuldungsgrad mit einer einfachen Formel ermitteln

Hier sehen Sie die Formel, mit der Sie eine Einschätzung über Ihren Verschuldungsgrad treffen können. Mit nur zwei Zahlen gelangen Sie schnell zu Ihrem Ergebnis.

*Gearing = Fremdkapital : Eigenkapital x 100 % *

Beispiel: Rechnen wir das Ganze anhand eines Beispiels gemeinsam durch. In der Bilanz des Unternehmens lässt sich erkennen, dass aktuell ein Fremdkapital von 70.000 Euro in Verwendung ist. Das Eigenkapital beläuft sich hingegen auf 100.000 Euro. Setzt man diese Größen nun in die Gleichung ein, kommt man zu folgendem Ergebnis:

*Gearing = 70.000 : 100.000 x 100 % = 70 % *

Das Unternehmen hat also einen Verschuldungsgrad von 70 %.

Welchen Richtwert gibt es bei dem Verschuldungsgrad?

Was aber bedeutet jetzt das Ergebnis dieser Gleichung? Um den Verschuldungsgrad einordnen zu können, wird die 2:1 Regel verwendet. Das bedeutet konkret, dass der Verschuldungsgrad Ihres Unternehmens im besten Fall unter 200 % liegen sollte. Im oben beschriebenen Beispiel beträgt der Wert 70 %. Somit ist die Verschuldung in einem vertretbaren Bereich und das Unternehmen wird mit diesem Hintergrund ein gern gesehener Geschäftspartner sein.

Wie wird der Verschuldungsgrad nun interpretiert?

Als Faustregel können Sie sich merken, dass der Verschuldungsgrad dann geringer ist, wenn Sie über ein möglichst hohes Eigenkapital verfügen. Daraus folgt, dass ein Unternehmen schuldenfrei ist, wenn es mehr liquide Mittel als Verbindlichkeiten hat. Ist dies der Fall, werden Sie bei der Berechnung des Gearings eine negative Prozentzahl erhalten. Ein positiver oder sogar hoher positiver Prozentwert bedeutet, dass das Unternehmen verschuldet oder hoch verschuldet ist.

Fazit: So klappt es mit dem Gearing

Falls Ihr Unternehmen Schulden hat, ist das zunächst einmal kein Grund zur Sorge. Wenn Sie sich aber an den Schreibtisch setzen, ein Gearing machen, also Ihren Verschuldungsgrad berechnen und das Ergebnis über 200 % liegt, besteht dringender Handlungsbedarf. Bleibt das Ergebnis unter dieser Marke, sind Sie auf der sicheren Seite. Entdecken Sie sogar ein Minuszeichen vor Ihrer Prozentzahl? Herzlichen Glückwunsch, Ihrem Unternehmen geht es sehr gut!

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