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Deckungsgrad 2: Wie die Kennzahl eine langfristige Planung ermöglicht

Lesezeit: 5 Min
Der Deckungsgrad 2 wird auch als Anlagendeckungsgrad 2 oder Anlagendeckung 2 bezeichnet.

Der Deckungsgrad 2 ist eine wichtige Kennzahl aus der Bilanzanalyse. Er zeigt an, wie hoch der Anteil ist, mit dem das Anlagevermögen aus Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital gedeckt ist. In diesem Artikel erfahren Sie, wie man den Deckungsgrad 2 berechnet, interpretiert und wie man ihn verbessern kann.

Deckungsgrad 2: Definition

Der Deckungsgrad 2 wird auch als Anlagendeckungsgrad 2 oder Anlagendeckung 2 bezeichnet. Er gibt die Höhe des Anteils des Anlagevermögens an, der durch eigene Mittel und durch langfristige Fremdmittel gedeckt ist. Die Finanzierung des Anlagevermögens kann dabei sowohl in Form von reinem Eigenkapital erfolgen, als auch gemischt mit Fremdkapital.

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Gemäß der „Goldenen Bilanzregel“ soll langfristiges Anlagevermögen auch langfristig finanziert werden, das heißt, dass zur Finanzierung ausschließlich Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital genutzt werden sollen, kein kurzfristiges Fremdkapital wie z.B. Dispokredite.

Das Anlagevermögen ist im Gegensatz zum Umlaufvermögen lange Zeit im Unternehmen gebunden (länger als ein Jahr). Zum Anlagevermögen zählen zum Beispiel Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude, Wertpapiere, Patente und Software-Lizenzen. Dagegen fallen unter das Umlaufvermögen Betriebsmittel sowie Verbrauchsgüter.

Deckungsgrad 2: Formel

Den Deckungsgrad 2 berechnet man, indem man das Eigenkapital und das langfristige Fremdkapital dem Anlagevermögen gegenüberstellt. In einer Formel ausgedrückt sieht der Deckungsgrad 2 so aus:

Deckungsgrad 2 = (Eigenkapital + langfr. Fremdkapital) / Anlagevermögen x 100

Durch die Multiplikation mit 100 erhält man den Deckungsgrad 2 in Prozent.

Das Eigenkapital ist auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen und ist das Kapital, welches dem Unternehmen gehört und nicht zurückbezahlt werden muss. Das langfristige Fremdkapital ist ebenfalls auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen. Es beinhaltet sämtliche langfristigen Kredite, die das Unternehmen aufgenommen hat und zurückbezahlen muss. Langfristig bedeutet dabei, dass die Laufzeit für ein Darlehen länger als ein Jahr ist.

Das Anlagevermögen ist auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesen und beinhaltet Vermögenswerte, die länger als ein Jahr im Unternehmen verbleiben.

Beispiel für die Berechnung von Deckungsgrad 2

In der Bilanz eines Unternehmens ist als Eigenkapital ein Betrag von 1 Mio. Euro ausgewiesen. Das langfristige Fremdkapital wird mit 200.000 Euro ausgewiesen und das Anlagevermögen mit 1 Mio. Euro. Eingesetzt in die obige Formel ergibt sich für den Deckungsgrad 2:

Deckungsgrad 2 = (1.000.000 + 200.000) / 1.000.000 x 100 = 120%

Langfristig sind also 120% des Anlagevermögens durch Eigen- und Fremdkapital finanziert, was einer soliden Finanzierungsstruktur entspricht.

Deckungsgrad 2: Interpretation

Wie aus dem obigen Beispiel hervorgeht, kann der Deckungsgrad 2 auch mehr als 100% betragen. Damit unterscheidet er sich vom Deckungsgrad 1, der lediglich das Eigenkapital dem Anlagevermögen gegenüberstellt und höchstens 100% betragen kann.

Für eine solide Finanzierungsstruktur sollte der Deckungsgrad 2 bei mindestens 100% liegen. Liegt er unterhalb von 100%, bedeutet das, dass nicht das komplette Anlagevermögen langfristig finanziert ist, sondern auch aus kurzfristigen Mitteln finanziert werden muss. Dies würde gegen die goldene Bilanzregel verstoßen, die besagt, dass langfristiges Vermögen (also Anlagevermögen) mit langfristigen Mitteln finanziert werden soll.

Liegt der Deckungsgrad 2 unterhalb von 100%, reicht das Umlaufvermögen möglicherweise nicht aus, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen, weil es zum Teil auch zur Finanzierung des Anlagevermögens genutzt werden würde.

Ein Deckungsgrad 2 von über 100% zeigt dagegen an, dass auch ein Teil des Umlaufvermögens mit langfristigen Mitteln abgedeckt ist. Im Falle von Umsatzeinbrüchen kann ein Unternehmen mit hohem Deckungsgrad 2 also von seinen Reserven zehren und mit den langfristigen Finanzierungsmitteln auch die laufenden Kosten decken.

Deckungsgrad 2: Richtwert

Ein pauschaler Richtwert für den Deckungsgrad 2 lässt sich nicht ermitteln, denn eine optimale Finanzierungsstruktur eines Unternehmens ist stark von der Branche abhängig. In Gewerben, wo die Höhe des Anlagevermögens eher gering ist und wenig fremdfinanziert wird (z.B. bei Supermärkten), ist der Deckungsgrad 2 meist niedriger als in produzierenden Betrieben, wo das Anlagevermögen auch aus Fremdmitteln finanziert wird.

Generell lässt sich jedoch sagen, dass der Deckungsgrad 2 über 100% liegen sollte – branchenunabhängig. Ein Wert zwischen 110% und 150% gibt dem Unternehmen mehr Stabilität, wenn das Geschäft schwankt oder aufgrund einer Konjunkturschwäche die Kundennachfrage zurückgeht.

Das Unternehmen ist dann immer noch in der Lage seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen, indem es dafür das langfristige Kapital anzapft, das eigentlich zur Finanzierung des Anlagevermögens vorgesehen ist. Je höher der Deckungsgrad 2, desto länger kann das Unternehmen also in schlechten Zeiten von diesem Polster zehren.

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Deckungsgrad 2 erhöhen für mehr Sicherheit

Unternehmen, die einen geringen Deckungsgrad 2 haben, sollten ihre Finanzierungsstruktur überdenken – insbesondere dann, wenn der Wert unterhalb von 100% liegt. In wirtschaftlich schwachen Zeiten ist so nämlich kein Polster vorhanden, das zur Finanzierung der laufenden Kosten genutzt werden kann.

Indem das Eigenkapital aufgestockt wird, erhöht sich automatisch auch der Deckungsgrad 2. Kapitalgesellschaften können dies durch eine Erhöhung der Stammeinlagen oder durch Veräußerung von Aktien bewerkstelligen. Indem Gewinne nicht ausgeschüttet bzw. ausgezahlt werden, kann das Eigenkapital ebenfalls erhöht werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Erhöhung des langfristigen Fremdkapitals. Ist die Bonität des Unternehmens gut, sollte es weniger problematisch sein, ein Bankdarlehen zu erhalten, das im Anschluss über mehrere Jahre hinweg zurückbezahlt wird. Im Vergleich zu kurzfristigem Fremdkapital wie Dispokrediten sind so die Zinsen günstiger, was die Liquidität des Unternehmens schont.

Verringert man das Anlagevermögen, während Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital gleich hoch bleiben, erhöht sich ebenfalls der Deckungsgrad 2. Dies kann durch Verkauf von nicht mehr benötigten Maschinen oder Fahrzeugen erfolgen, durch die Veräußerung von Wertpapieren, oder den Verkauf von Patenten.

Fazit: Deckungsgrad 2 – Aussage über gedecktes Anlagevermögen

Der Deckungsgrad 2 zeigt die Höhe an, mit der das Anlagevermögen aus Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital gedeckt ist. Er dient damit zur Bewertung der Finanzierungsstruktur eines Unternehmens.

Ein Deckungsgrad 2 unter 100% kann problematisch werden, wenn das Geschäft einbricht und die Einnahmen zurückgehen, da das Anlagevermögen in diesem Fall auch durch Einnahmen finanziert wird, was ein Verstoß gegen die goldene Bilanzregel ist.

Für Unternehmen empfiehlt sich daher einen möglichst hohen Deckungsgrad 2 anzustreben, der über 100% liegt. Dann ist auch in schwachen Zeiten sichergestellt, dass kein Liquiditätsengpass entsteht, da notfalls die laufenden Kosten aus den langfristigen Finanzmitteln gedeckt werden können.

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