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So hilft die Kennzahl Days Payable Outstanding bei der Optimierung der Liquidität

Lesezeit: 5 Min
Der Days Payable Outstanding-Wert gibt die durchschnittliche Anzahl an Tagen an, die ein Unternehmen benötigt, um seine Verbindlichkeiten zu begleichen.

Der Wert Days Payable Outstanding (DPO) gibt die Zeitdauer an, wie lange ein Unternehmen durchschnittlich benötigt, um seine Lieferantenrechnungen zu begleichen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie man den DPO-Wert berechnet, interpretiert und ihn zur Optimierung der Liquidität nutzt.

Days Payable Outstanding: Definition

Für den Begriff "Days Payable Outstanding" wird im Deutschen auch das Wort Kreditorenlaufzeit verwendet und häufig mit DPO abgekürzt. Es handelt sich dabei um eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die angibt, wie lange es im Durchschnitt dauert, bis ein Unternehmen seine Lieferantenrechnungen begleicht.

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Der DPO-Wert spielt eine wichtige Rolle im Liquiditätsmanagement. Er beeinflusst gemeinsam mit dem DIO (Days Inventory Outstanding = Lagerreichweite) und dem DSO (Days Sales Outstanding = Debitorenlaufzeit) das Working Capital (Betriebskapital).

Der Days Payable Outstanding-Wert gibt die durchschnittliche Anzahl an Tagen an, die ein Unternehmen benötigt, um seine Verbindlichkeiten zu begleichen. Unternehmen streben einen möglichst hohen DPO-Wert an, um die Liquidität zu schonen. Das bedeutet, dass die Zahlungsziele von Lieferantenrechnungen möglichst lang sein müssen.

Ein hoher DPO-Wert hat den Vorteil, dass ein Unternehmen mehr liquide Mittel für kurzfristige Investitionen zur Verfügung hat, da ein längerer Zeitraum bis zum Fälligkeitszeitpunkt vorhanden ist.

Days Payable Outstanding: Formel

Zur Berechnung des Days Payable Outstanding-Wertes werden die Verbindlichkeiten den Umsatzerlösen innerhalb eines bestimmten Zeitraums gegenübergestellt. Meist erfolgt die Erhebung nachdem die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung am Ende des Geschäftsjahres erstellt wurden. Aus ihnen lassen sich alle nötigen Werte für die Ermittlung des DPO ablesen. Die Formel für die Days Payable Outstanding-Kennzahl lautet:

DPO = Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen / Umsatzerlöse x 365

Sowohl Zähler als auch Nenner müssen sich auf denselben Zeitpunkt beziehen und dieselbe Betrachtungslaufzeit haben, also z.B. vom 1.1. des Geschäftsjahres bis zum 31.12.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen beinhalten ausschließlich Verbindlichkeiten mit kurzer Laufzeit (weniger als 1 Jahr).

Beispiel für DPO-Berechnung

Am Ende des Geschäftsjahres hat ein Unternehmen in seiner Bilanz 160.000 Euro an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ausgewiesen. Die Umsatzerlöse während des Geschäftsjahres betrugen 1 Mio. Euro. Der DPO berechnet sich dann so:

DPO = 160.000 / 1.000.000 x 365 = 58,4 Tage

Das Unternehmen bezahlt also im Durchschnitt seine kurzfristigen Verbindlichkeiten wie z.B. Lieferantenrechnungen nach 58,4 Tagen.

DPO Kennzahl: Interpretation

Lieferantenrechnungen stellen im weiteren Sinne Kredite für ein Unternehmen dar, da der Lieferant meist in Vorfinanzierung geht und dem Unternehmen ein Zahlungsziel vorgibt, bis zu dem die Rechnung zu bezahlen ist.

Das bedeutet, je weiter das Zahlungsziel in der Zukunft liegt, desto länger verfügt das Unternehmen über die gelieferte Ware, ohne diese bereits bezahlt zu haben. Während dieses Zeitraums fließen also noch keine liquiden Mittel ab, was bedeutet, dass die Liquidität des Unternehmens solange geschont bleibt.

Unternehmen streben deshalb einen möglichst hohen DPO-Wert an, weil sie auf diese Weise ihre Verbindlichkeiten weiter nach hinten schieben können und während dieses Zeitraums mehr freie Mittel für Investitionen übrighaben, sowie mit der angelieferten Ware auch schon arbeiten können.

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Wann ist ein hoher DPO-Wert Grund zur Sorge?

Auch wenn hohe DPO-Werte wünschenswert und in der Regel positiv sind, können sie auch ein Indikator dafür sein, dass das Unternehmen Probleme hat, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen.

Werden Rechnungen beispielsweise erst nach Verstreichen des Fälligkeitsdatums bezahlt, schlägt sich das zwar in einem höheren DPO-Wert nieder, ist jedoch nicht positiv zu werten. Das Unternehmen hat offensichtlich nicht genügend liquide Mittel, um seine Rechnungen pünktlich zu bezahlen.

Ein hoher DPO-Wert ist also nur dann positiv zu betrachten, wenn die Fälligkeitsziele auch eingehalten werden können.

Was ist ein solider DPO-Wert?

Je nach Marktmacht des Unternehmens hat es mehr Einfluss auf seine Lieferanten und die Ausgestaltung der Lieferantenverträge. Zahlungsziele von 30 oder sogar 60 Tagen sind dann verhandelbar und wirken sich sehr günstig auf die Liquidität und Struktur des Betriebskapitals (Working Capital) aus. Je längere Zahlungsziele man also aushandeln kann, desto besser ist das für das Unternehmen.

Unternehmen sollten darauf achten, dass der Days Payable Outstanding-Wert höher ist als der Days Sales Outstanding-Wert (DSO). Letzterer gibt die durchschnittliche Zeitdauer an, bis wann die Kunden des Unternehmens ihre Rechnungen begleichen.

Wäre der DPO niedriger als der DSO, müsste das Unternehmen seinen Verbindlichkeiten nachkommen, bevor es von seinen Kunden Zahlungen erhält. Das kann einen Liquiditätsengpass begünstigen und sollte deshalb vermieden werden.

Warum ist ein hoher DPO-Wert so wichtig?

Kann sich ein Unternehmen länger Zeit lassen, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen, schont das die Liquidität. Das ist besonders in wirtschaftlich schwereren Zeiten von Vorteil, oder wenn es zu saisonalen Schwankungen im Geschäft kommt und die Einnahmen zurückgehen.

Lange Zahlungsziele können dann die fehlenden Einnahmen teilweise ausgleichen, sodass immer noch genügend Liquidität zur Verfügung steht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Days Payable Outstanding in Verbindung mit dem Working Capital

Wie eingangs schon erwähnt, beeinflusst der DPO-Wert das Betriebskapital. Möchte man Letzteres also optimieren, ist der Days Payable Outstanding-Wert eine von drei Stellschrauben, an denen man drehen kann. Gemeinsam mit dem DSO- und DIO-Wert ergibt sich dann der Cash Conversion Cycle (CCC), der angibt, wie lange es dauert, bis das Betriebskapital einmal umgeschlagen ist (von der Investition in Lagerbestand bis zum Verkauf des fertigen Produkts).

CCC = DIO + DSO – DPO

Je kleiner der CCC ist, desto besser für das Unternehmen, denn das bedeutet, dass nur wenig Zeit zwischen Rohstoffbeschaffung und Produktverkauf vergeht: Ware liegt nicht lange im Lager, wird schnell verarbeitet und das fertige Produkt schnell abverkauft.

Aus der obigen Formel wird nun noch einmal ersichtlich, dass der DPO-Wert möglichst hoch sein sollte, denn er reduziert den CCC.

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Days Payable Outstanding-Wert optimieren

Unternehmen habe mehrere Möglichkeiten, ihren DPO-Wert nach oben zu schrauben. Bei der Neuverhandlung von Lieferantenverträgen sollten die Zahlungsziele möglichst hoch verhandelt werden. Um lange Zahlungsziele auszugleichen, streichen Lieferanten dann häufig Skonti oder Rabatte. Was günstiger ist, sollte das Unternehmen vor Vertragsabschluss deswegen durchrechnen.

Je nach Ausgestaltung der Verträge haben Unternehmen auch die Möglichkeit, die Bezahlung der Ware so lange zurückzuhalten, bis diese vollständig ist. In Zeiten von Lieferengpässen ist dies besonders sinnvoll.

Das Neuverhandeln von bestehenden Verträgen kann ebenfalls eine Möglichkeit sein, einen höheren Days Payable Outstanding-Wert zu erreichen – häufig mit den bereits genannten Streichungen von Rabatten. Um jeden Preis sollte der DPO jedoch nicht nach oben gedrückt werden. Vergessen Sie nicht, dass es auch noch den DIO und den DSO gibt, an denen Sie schrauben können.

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