Was ist eine Annuität und wie hilft sie Ihrem Unternehmen?

Lesezeit: 7 Min
Ein Unternehmen will investieren und holt hierfür auch ein Angebot für ein Annuitätendarlehen ein.

Im Zusammenhang mit Finanzierung- und Investitionsthemen findet man immer wieder den Begriff „Annuität“. Doch was ist eine Annuität? Und wie wird sie berechnet? Dieser Beitrag gibt einen Überblick und stellt auch das Annuitätendarlehen als Finanzierungsmittel vor. Außerdem wird gezeigt, wie eine Annuität berechnet werden kann und welche Hilfen Excel hierbei bietet.

Definition von Annuität

Als Annuität wird eine regelmäßige Zahlung bezeichnet, die aus einem Zins- und Tilgungsanteil besteht. In diesem Zusammenhang fällt auch häufig der Begriff „Rente“.

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Bekannt ist der Begriff jedoch insbesondere im Zusammenhang mit Annuitätendarlehen. Die Raten können hierbei beispielsweise monatlich oder jährlich anfallen. Grundsätzlich kann zwischen einer konstanten und variablen Annuität unterschieden werden.

Charakteristisch für eine konstante Annuität ist, dass die Höhe der Zahlung immer gleichbleibt. Das macht Annuitätendarlehen beispielsweise für viele Schuldner interessant, da die monatliche Belastung feststeht. Der jeweilige Zins- bzw. Tilgungsanteil verändert sich jedoch während der Laufzeit: Der Zinsanteil sinkt während der Laufzeit, der Tilgungsanteil steigt.

Die Liquiditätsbelastung des Schuldners bleibt jedoch bei der Ratenzahlung selbst in der Höhe immer gleich. Annuität spielt auch bei Investitionsentscheidungen eine Rolle. Mit ihr kann berechnet werden, ob eine Investition vorteilhaft wäre oder nicht. Übrigens: Nicht zu verwechseln ist die Annuität mit dem Kapitalwert.

Annuitätendarlehen als Finanzierungsmittel

Wenn ein Unternehmen eine Investition tätigen will, dann handelt es sich um eine wichtige und langfristige Entscheidung. Sehr häufig wird die Finanzierung über eine Bank abgewickelt. Momentan sind die Konditionen aufgrund der Niedrigzinspolitik noch vergleichbar günstig. Für Unternehmen kann es daher attraktiv sein, ein Annuitätendarlehen aufzunehmen und Eigenkapital zu schonen.

Annuitätendarlehen sind beliebte Finanzierungsmittel – auch für Unternehmen. Durch konstante Ratenzahlungen können Unternehmen Planungssicherheit erhalten. Das erleichtert vor allem auch die Liquiditätsplanung: Das Unternehmen weiß genau, wie viel Zins und Tilgung monatlich oder jährlich geleistet werden und wie viel Liquidität monatlich abfließt.

Vor allem Start-up-Unternehmen oder auch kleinere und mittelständische Unternehmen greifen daher gerne auf Annuitätendarlehen als Finanzierungsmethode zurück. Allerdings spielen die konkret vereinbarten Konditionen eine große Rolle, beispielsweise:

  • Können (gebührenfrei/gebührenpflichtig) Sonderzahlungen geleistet werden?
  • Wie hoch ist der Zinssatz?
  • Welche Gebühren fallen an?
  • Gibt es weitere Kosten?
  • Ist das Darlehen mit Vertragsablauf getilgt oder verbleibt eine Restschuld, die anschlussfinanziert werden muss?

Diese und weitere Fragen sollte ein Unternehmen abklären und ggf. vor der Unterzeichnung eines Vertrags Vergleichsangebote einholen. Hierbei sei auch erwähnt, dass die Kreditwürdigkeit des Unternehmens die Konditionen eines möglichen Darlehens entscheidend beeinflusst.

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Was für ein Annuitätendarlehen spricht

Da die Liquiditätsbelastung für den Schuldner immer gleich bleibt, erleichtert das vor allem die Planung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das Annuitätendarlehen gestaltet werden kann: Entweder, das Darlehen ist am Ende der Laufzeit komplett getilgt, oder der Schuldner kann bereits frühzeitig Möglichkeiten einer Anschlussfinanzierung analysieren. Annuitätendarlehen werden sehr häufig in Anspruch genommen, vor allem im Zusammenhang mit Immobilienfinanzierungen.

Dies liegt auch daran, dass sehr vielfältige, flexible Vertragsmodelle angeboten werden. Für Unternehmen kann es beispielsweise auch interessant sein, ein Annuitätendarlehen mit einer KfW-Förderung zu kombinieren. Umso wichtiger ist es daher, sich über verschiedene Möglichkeiten bei der Kapitalbeschaffung zu informieren.

Der Nachteil eines Annuitätendarlehens kann darin liegen, dass die monatliche Belastung langfristig bestehen bleibt. Falls das Darlehen zum Ende der Zinsbindung noch nicht abbezahlt wurde, besteht das Risiko, dass die Anschlussfinanzierung teuer werden kann durch eine mittlerweile veränderte Zinssituation. Zudem kann bei einem Annuitätendarlehen die Zinsbelastung höher sein im Vergleich zu anderen Finanzierungsvarianten.

Typisches Missverständnis: Viele Schuldner unterliegen einem Irrtum, was die Tilgung eines Annuitätendarlehens angeht. Bei einer konstanten Annuität ist, wie bereits beschrieben, der Tilgungsanteil zu Beginn niedrig und steigt mit der Zeit an. Daher werden Tilgungspläne häufig zunächst missverstanden. Wer ein Annuitätendarlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren abschließt, der hat nach fünf Jahren eben noch nicht bereits die Hälfte getilgt. Zu Beginn werden vor allem die Zinsen getilgt.

Annuität berechnen

Doch wie wird nun eine Annuität überhaupt berechnet? Nicht jeder ist vertraut mit finanzmathematischen Berechnungen. Deshalb sei vorweg gesagt: Viele Banken oder auch Finanzportale bieten hilfreiche Berechnungstools an. Wer sich also bereits im Vorfeld einer Investition oder eines Kreditgesprächs einen Eindruck gewinnen möchte, muss nicht zwingend selbst mit dem Taschenrechner, Stift und Papier hinsitzen und rechnen. Mittlerweile nehmen digitale Lösungen hier bereits viel Arbeit ab.

Aber Achtung: Natürlich sollten bei so wichtigen Themen seriöse Quellen herangezogen werden. Und eine Beispielrechnung deckt noch nicht immer alle Eventualitäten ab. Vor Abschluss eines Darlehensvertrags sollten die individuellen Konditionen genau durchgesprochen und analysiert werden. Ein Bank- oder Finanzberater kann hier einen Überblick und wertvolle Hinweise geben.

Monatliche oder jährliche Annuität

Welche Ratenzahlungen anfallen, hängt natürlich von der Vereinbarung ab. Meist werden bei Annuitätendarlehen monatliche Zahlungen geleistet. Aber natürlich ist es auch denkbar, eine jährliche Annuität zu berechnen. Für Unternehmen wird ausschlaggebend sein, welche Variante finanziell günstiger ist.

Annuität: Formel

Die Annuität wird (vereinfacht) nach folgender Formel berechnet:

Annuität = Barwert * Annuitätenfaktor

Der Annuitätenfaktor wird manchmal auch als Kapitalwiedergewinnungsfaktor bezeichnet. Mit diesem Faktor wird der Kapitalbetrag umgerechnet in eine Zahlungsreihe mit konstanten Zahlungen innerhalb einer bestimmten Periode unter Berücksichtigung der Verzinsung.

Hier eine ausführliche Formeldarstellung: Bei einem Annuitätendarlehen kann die Formel für die jährliche Annuität wie folgt aussehen (angelehnt an Dirk Noosten, Die private Bau- und Immobilienfinanzierung, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2021, Seite 64):

Annuitätendarlehen Formel

Das wirkt natürlich erst einmal sehr komplex und abschreckend. Aber keine Sorge: In Excel sind Beispielberechnungen sehr einfach möglich! Wer unter „Formeln“ im Dropdownmenü „Finanzmathematik“ die Funktion „RMZ“ auswählt, kann die Zahlung für einen Kredit auf Basis konstanter Zahlungen und einem konstanten Zinssatz berechnen.

Annuität: Beispiel

Ein Unternehmen will investieren und holt hierfür auch ein Angebot für ein Annuitätendarlehen ein. Die gesamten Kosten sollen mittels eines Annuitätendarlehens finanziert werden und das Darlehen nach zehn Jahren beglichen werden.

Die Hausbank des Unternehmens bietet ein Annuitätendarlehen an mit zehn Jahren Zinsbindung und einem Zinssatz von 1,70 %. Der Darlehensbetrag liegt bei 50.000 Euro. Das Unternehmen will sich vor dem Besprechungstermin mit dem Bankberater schon einmal ein Bild davon machen, wie hoch die monatliche Annuität ausfallen würde.

Wählt man nun in Excel die Formel „RMZ“ aus, sind folgende Angaben zu machen:

  • Wir geben bei Zins den Zinssatz/12 an, da wir die monatliche Annuität berechnen möchten: Zins = 1,7%/12
  • Die Zahlungen sollen 10 Jahre lang monatlich geleistet werden, daher geben wir bei Zzr = 120 an.
  • Der Darlehensbetrag soll 50.000 Euro betragen, daher geben wir an: Bw = 50.000 Euro
  • Excel berechnet nun eine Annuität von rund 453,38 Euro.
  • Zu beachten ist: Zwar bleibt der zu zahlende Betrag bei 453,38 Euro, am Anfang der Laufzeit ist jedoch der Zinsanteil hoch und sinkt im Laufe der Zeit, während die Tilgungsleistung steigt.

Achtung: Eine solche Beispielrechnung kann erst einmal nur eine Richtung vorgeben. Es kommt am Ende auf die konkreten Konditionen an. Nicht berücksichtigt sind hier beispielsweise noch etwaige Gebühren oder auch mögliche Sonderzahlungen. Die Details sind hier entscheidend.

Es gibt jedoch, wie mit diesem Beispiel ersichtlich, sehr einfache Tools, die verwendet werden können, um beispielsweise eine Annuität zu berechnen. Im Idealfall hat das Unternehmen eine Liquiditätsmanagement-Software im Einsatz, die entsprechende Berechnungsmodelle bei der Liquiditätsplanung bereits anbietet.

Annuität in der Investitionsrechnung

Investitionen können aus verschiedenen Gründen für ein Unternehmen attraktiv sein. Viele Firmen investieren momentan in die Digitalisierung, um später Kosten zu sparen und Prozesse zu verschlanken. Investitionen in neue Maschinen und Anlagen können später die Produktion neuer Produkte ermöglichen. Und die Investition in Kapitalanalagen kann später zu Kapitaleinnahmen führen. Doch wie soll ein Unternehmen entscheiden, ob eine Investition auch sinnvoll ist?

Hier greifen viele Unternehmen auf die Investitionsrechnung zurück. Die Annuität kann auch bei Investitionsentscheidungen als Faktor berechnet werden. In der Investitionsrechnung kommen verschiedene Methoden zum Ansatz. Mit der sog. Annuitätenmethode kann ermittelt werden, ob eine Investition vorteilhaft wäre. Vereinfacht gesagt wird berechnet, welcher Ertrag innerhalb einer bestimmten Periode durch die Investition erzielt werden kann. Ist die Annuität > 0, verbleibt ein Überschuss.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise vor einer Investition zwei Vergleichsangebote einholt und jeweils die Annuität berechnet, dann kann eine höhere Annuität ein Indikator dafür sein, welches Projekt im Hinblick auf eine bestimmte Periode vorteilhafter wäre. Man spricht hier auch vom Annuitätenvergleich. Aber Achtung: Hier sollte darauf geachtet werden, dass bei dem Vergleich immer dieselbe Periode betrachtet wird.

Die Annuitätenmethode bildet also ab, welche Folgen eine Investition periodenbezogen hätte. Dazu wird der Kapitalwert der Investition linear auf die Zeitdauer verteilt. Das Unternehmen kann hierdurch ermitteln, wie viel Ertrag eine Investition jährlich erbringen könnte. Es versteht sich von selbst, dass die Annuität möglichst hoch sein sollte.

Hinweis: Sehr bewährt ist in der Investitionsrechnung die Kapitalwertmethode. Mit ihr wird die Rentabilität einer Investition ermittelt – allerdings nicht periodenbezogen, wie bei der Annuitätenmethode. Die Annuitätenmethode kommt in der Praxis seltener zum Einsatz. Sie hat sich vor allem im Zusammenhang mit Immobilienprojekten etabliert.
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