Abschreibung des Anlagevermögens: Definition und Berechnung

Das Jahr 2020 hat kleine und große Unternehmen vor immense Herausforderungen gestellt. Nicht wenige Geschäftsführer:innen und Finanzverantwortliche sahen sich mit Engpässen in der Liquidität konfrontiert. Die Gründe waren vielfältig: Lieferengpässe, Ausfälle von Arbeitskräften, Unterbrechungen von Lieferketten, Rückgang der Nachfrage, etc. Eines gemein hatten die Probleme jedoch: Sie haben den Unternehmen aufgezeigt, wie wichtig es ist, ein effizientes Liquiditätsmanagement zu haben, das einem auch in Krisenzeiten hilft, den Überblick über den ein- und ausgehenden Cashflow zu bewahren. Wer über keine oder nur unzureichende Liquiditätsplanung verfügt, kann nur schwer abschätzen, an welchen Stellen eingespart und / oder anderweitig optimiert werden kann, um das Kostengefüge möglichst schlank zu halten.

Eine wichtige Rolle bei der Liquiditätsprognose spielen Abschreibungen auf das Anlagevermögen. Worum es sich bei einer Abschreibung handelt, und warum deren korrekte Erfassung wichtig ist für das Finanzmanagement eines Unternehmens und wie man sie in der Bilanz berechnet, erfahren Sie in diesem Artikel.

Inhalt des Artikels:

Abschreibung des Anlagevermögens: Definition und Herausforderungen

Unter Abschreibungen von Anlagevermögen oder Anlagegütern versteht man die Wertabnahme von beispielsweise Fahrzeugen, Maschinen oder anderen Betriebsmitteln bzw. Büroeinrichtungsgegenständen, die sich durch Gebrauch mit der Zeit abnutzen, oder durch technologischen Fortschritt veralten. Erwirbt ein Unternehmen einen Vermögenswert, gilt dieser für einen begrenzten Zeitraum als erworben. Ist diese Zeitspanne verstrichen, betrachtet die Buchhaltung diesen Vermögenswert als zu 100 % abgeschrieben und setzt dessen Wert auf Null.

Die Abschreibung beginnt am Tag der Betriebsbereitschaft und die Abrechnung erfolgt monatsgenau. Wird eine Maschine erst einige Monate nach Kauf in Betrieb genommen, gilt die Abschreibung dennoch ab dem Datum, an dem sie gekauft bzw. geliefert wurde. Bei der Abschreibung von Immobilien gilt in der Regel der Tag der Übergabe als Beginn. Eine Abschreibung endet, wenn das Wirtschaftsgut aus dem Betrieb genommen wird, das heißt entweder durch Verkauf oder durch Verschrottung. Wird ein Gut auch nach der Abschreibungsdauer weiterhin im Betrieb genutzt, muss es mit einem sogenannten Erinnerungswert von 1,00 Euro in den Büchern geführt werden.

Unterschieden wird hierbei zwischen planmäßiger und unplanmäßiger Abschreibung. Planmäßig bezeichnet z.B. die natürliche Alterung, die durch Gebrauch entsteht, oder einen natürlichen Wertverfall hat, wie z.B. ein Computer. Unplanmäßige Wertabnahme dagegen beschreibt den Wertverlust, der aufgrund von ungeplanten Ereignissen entsteht, z.B. durch versteckte Mängel in einer Maschine, oder Schäden durch Naturkatastrophen. In einem sogenannten Abschreibungsplan werden dazu nur die planmäßigen Abschreibungen erfasst. Wenn beispielsweise eine Maschine kaputt geht, muss eine außerplanmäßige Abschreibung erfolgen, da der zugehörige Vermögenswert dauerhaft gesunken ist.

Beispiel für ein Anlagevermögen: Ein Unternehmen erwirbt eine Immobilie. Diese muss zum Anschaffungswert ohne Mehrwertsteuer in der Bilanz verbucht werden. Die Immobilie ist somit Teil des Unternehmensvermögens. Der Wert bleibt jedoch nicht gleich, sondern nimmt mit der Zeit ab. Diesen Wertverlust kann man durch die buchhalterische Abschreibung in die Gewinn- und Verlustrechnung integrieren, und erhält somit den Nettobuchwert des Anlageguts. Der Nettobuchwert repräsentiert somit den Anschaffungswert ohne Steuern, von welchem fortlaufend die Abschreibungsbeträge abgezogen werden, sodass man zu jedem Zeitpunkt den genauen Buchwert der Anlage kennt. Auf den Cashflow wirkt sich der Nettobuchwert nicht aus, da dadurch weder Zahlungszu- noch -abgänge entstehen.

Nun stellen Sie sich vielleicht die Frage, welche Vermögenswerte Sie überhaupt abschreiben sollen, für welchen Zeitraum und wie man das Ganze berechnet. Diesen Fragen wird im weiteren Verlauf dieses Beitrags nachgegangen.

Welches Anlagevermögen soll abgeschrieben werden? Wie lange?

Abschreiben können Sie Anlagegüter, die sich länger als ein Jahr im Unternehmen befinden, und deren Stückpreis höher ist als 500 Euro (ohne MwSt.). Für sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter, deren Stückpreis 800 Euro nicht übersteigt, kommt auch eine Sofortabschreibung in Frage, sofern die Güter beweglich und abnutzbar sind (z.B. ein Bürostuhl). In diesem Artikel soll es aber nur um Anlagegut gehen, das sich über mehrere Jahre abschreiben lässt. Die Dauer der Abschreibung hängt von der Art des Anlagegutes ab und wird üblicherweise vom Unternehmen selbst bestimmt, da nur dieses genau abschätzen kann, wie hoch die Abnutzung im Lauf der Zeit ist. Wenn Sie sich dennoch nicht sicher sind, können Sie einige Eckdaten als Anhaltspunkte heranziehen, die von Steuerverwaltungen empfohlen werden.

Einige Beispiel für Abschreibungsperioden nach Sachanlagen:

  • Fahrzeuge: 4 bis 5 Jahre
  • Mobiliar: 10 Jahre
  • Werkzeuge: 5 bis 10 Jahre
  • Computer: 3 Jahre
  • Industriegebäude/Werkstätten: 20 Jahre
  • Gewerbliche Gebäude/Bürogebäude: 20 bis 50 Jahre

Wie berechnet man die Abschreibung des Anlagevermögens?

Es ist Ihnen freigestellt, welche Methode zur Abschreibung Ihrer Anlagegüter Sie verwenden. Haben Sie sich jedoch einmal für eine Berechnungsform entschieden, sollten Sie diese beibehalten, und nicht zwischendurch andere Varianten wählen. Es ist jedoch gestattet, für verschiedene Kapitalanlagen der gleichen Art unterschiedliche Berechnungsmethoden zu benutzen (z.B. für Fahrzeuge Methode A und für Mobiliar Methode B). Vorgeschrieben ist zudem, dass sich die Sachwerte auch tatsächlich im Unternehmen oder in dessen Besitz befinden. Die gängigsten Methoden, wenn man die Abschreibung berechnen will, sind die lineare Abschreibung und die degressive Abschreibung.

Lineare Abschreibung

Die lineare Methode ist gängigste Form, den Abschreibungsbetrag zu berechnen, und kann auf sämtliche Nutzungsgüter angewendet werden. Hier schreibt man das Anlagegut gleichmäßig über die jeweils angenommene Nutzungsdauer ab. Das heißt, über die komplette Nutzungsdauer hinweg wird immer derselbe feste Wert pro Jahr abgezogen.

Der lineare Abschreibungssatz T berechnet sich wie folgt: T = 100/(Laufzeit der Anlage)

Die Rechnung soll an einem Beispiel verdeutlicht werden: Ein Unternehmen kauft am 01.01. eine Maschine im Wert von 10 000 Euro (ohne MwSt.). Sie soll über einen Zeitraum von 5 Jahren abgeschrieben werden. Der Abschreibungssatz beträgt also T=100/5= 20 %. Damit kann man dann die Annuität berechnen, die den jährlichen Wertverlust repräsentiert:

N = Anschaffungswert ohne Steuer * Abschreibungssatz T * (Anzahl der Nutzungstage/360)

Wird die Anzahl der Nutzungstage mit 360 angesetzt, ergibt sich mit obiger Abschreibungsformel in Zahlen eine Annuität von: N = 10 000 * 20 % * 360/360 = 2.000 Euro

Für die komplette Abschreibungsdauer ergibt sich dann folgender Zusammenhang:

Jahr

Abschreibungssatz

Zu amortisierender Restwert

Annuität

Kumulierte Abschreibung

Nettobuchwert

N

20 %

10 000

2 000

2 000

10 000 - 2 000 = 8 000

N+1

20 %

8 000

2 000

4 000

6 000

N+2

20 %

6 000

2 000

6 000

4 000

N+3

20 %

4 000

2 000

8 000

2 000

N+4

20 %

2 000

2 000

10 000

0

Nach N+4 Jahren wird die Maschine nicht mehr weiter abgeschrieben, da ihr Nettobuchwert dann 0 ist. Aus buchhalterischer Sicht hat zu diesem Zeitpunkt der Vermögenswert keinen Buchwert mehr.

Degressive Abschreibung

Möchten Sie in den ersten Jahren der Nutzung eine höhere Annuität berücksichtigen, können Sie das mit Hilfe der degressiven Abschreibung erreichen. Hierbei wird der lineare Abschreibungssatz T mit einem gesetzlich festgelegten Koeffizienten multipliziert:

Degressiver Abschreibungssatz = lineare Abschreibungssatz T * Koeffizient

Die Koeffizienten werden dabei je nach Nutzungsdauer unterschieden:

  • 3 bis 4 Jahre: 1,25
  • 5 bis 5 Jahre: 1,75
  • 6 oder mehr Jahre: 2,25

Die degressive Abschreibung wird immer ab dem Ersten des Monats, in dem die Anschaffung erfolgte, berechnet. Erfolgt die Anschaffung zum Beispiel am 22. September und geht am 2. Oktober erst in Betrag, beginnt die Abschreibung am 01. September. Nun werden die jährlichen degressiven Abschreibungssätze berechnet. Diese Raten werden dann solange angewendet, bis sie kleiner sind als der lineare Satz.

Beispiel: Wir ziehen wieder die Maschine mit 10 000 Euro Anschaffungswert heran. Diese wird am 01. Januar erworben und soll degressiv über 5 Jahre abgeschrieben werden.

Der degressive Abschreibungssatz beträgt: Td = T * 1,75 = 20 % * 1,75 = 35 %

Somit ergibt sich folgende Abschreibungstabelle:

Jahr

Abschreibungssatz

Zu amortisierender Restwert

Annuität

Kumulierte Abschreibung

Nettobuchwert

N

20 %

10 000

10 000 * 35 % = 3 500

3 500

6 500

N+1

25 %

6 500

6 500 * 35 % = 2 275

5 775

4225

N+2

33 %

4 225

4 225 * 35 % = 1479

7 254

2746

N+3

50 %

2 746

2 746 * 50 % = 1373

8 627

1373

N+4

100 %

1373

1 373 * 100 % = 1 373

10 000

0

Sie sehen, dass anfangs der Wertverfall höher ist und im Lauf der Zeit abnimmt, bis die lineare Rate die degressive übersteigt. Der degressive Wertverlust beginnt im ersten Jahr bei 3 500 Euro und endet im Jahr N+3 bei 1 373 Euro.

Welche Methode zur Berechnung der Abschreibung von Sachanlagen ist zu wählen?

Wie bereits erwähnt, ist es Ihnen freigestellt, welche Methode Sie in Ihrem Unternehmen verwenden möchten. Die klassische Methode ist die lineare Abschreibung. Bei ihr wird der Wertverlust gleichmäßig auf die Nutzungsdauer verteilt. Wollen Sie Ihre Gewinn- und Verlustrechnung entlasten und Ihre Ergebnisse verbessern, ist diese Methode interessant. Die degressive Methode bietet einen Steuervorteil, da gleich zu Beginn der Nutzungsdauer ein hoher Wertverlust miteingerechnet wird. Dadurch reduziert sich das zu versteuernde Einkommen des Unternehmens.

Zu beachten ist, dass die degressive Abschreibung 2008 in Deutschland abgeschafft wurde, jedoch im Rahmen des Konjunkturpaketes im Jahr 2020 wieder eingeführt wurde, und auch für Abschreibungen im Jahr 2021 genutzt werden kann.

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