Warum eine Liquiditätsprognose wichtig ist

Zu jedem Zeitpunkt den Überblick zu haben, wie das Unternehmen finanziell dasteht, ist für jede:n Unternehmer:in sehr wichtig. Ein Merkmal, wie gut es einem Unternehmen gerade geht, ist die Liquidität. Um den Status Quo zu ermitteln, sowie eine Cashflow-Prognose für die Zukunft abzugeben, werden Finanzverantwortliche eine Liquiditätsvorschau erstellen.
Diese kann auch als Hilfsmittel herangezogen werden, um finanzielle Schwachstellen und hohe Kostenpunkte zu identifizieren. Anhand der Prognose können Verantwortliche also Schritte einleiten, um Missstände im Unternehmen abzustellen, und es wieder auf Erfolgskurs zu führen. Was eine Liquiditätsprognose genau ist, wie man sie erstellt und interpretiert, und was sie von einer Bilanzprognose unterscheidet, wird in diesem Artikel genauer erklärt.

In diesem Artikel :

Was ist eine Liquiditätsprognose?

Ist ein Unternehmen liquide, bedeutet das, dass es seinen Verbindlichkeiten fristgerecht nachkommen kann, also Rechnungen und Kredite pünktlich und in der erforderlichen Höhe begleichen kann. Damit eine Liquidität vorhanden ist, muss der eingehende Cashflow höher sein als der ausgehende. Wichtig hierbei ist, sich klarzumachen, dass ein zeitlich begrenzter positiver Cashflow noch lange nicht mit einer positiven Liquidität gleichzusetzen ist. Manchmal kann es nämlich vorkommen, dass trotz hohen Umsatzes unterm Strich der Cashflow negativ ist. Beispielsweise werden schon Erträge gebucht, obwohl die Kunden ihre Rechnungen noch nicht beglichen haben. Das verfälscht das Bild über die tatsächliche Liquidität des Unternehmens. Für das Erstellen einer Prognose ist es daher wichtig, zunächst einmal den tatsächlichen Cashflow zu ermitteln, um eine absolut sichere Aussage über den Ist-Zustand zu haben. Erst im nächsten Schritt werden die offenen Rechnungen mit einbezogen und ein Cash Forecasting erstellt. Die Liquiditätsvorschau ist also ein Hilfsmittel, den tatsächlichen Cashflow abzubilden, sowie durch das Antizipieren verschiedener Szenarien, den zukünftigen Cashflow des Unternehmens abzuschätzen.

Warum eine Liquiditätsprognose erstellen?

Manch einem mag das Durchspielen verschiedener Szenarien als müßig erscheinen, vor allem, wenn das Geschäft gerade sehr gut läuft. Eine Prognose dient jedoch vor allem für die Vorhersage von schlechten Zeiten. Mit ihrer Hilfe lassen sich Trends erkennen und schon frühzeitig gegensteuern. Verantwortliche sollten daher, gerade wenn das Geschäft keinen Grund zur Sorge bietet, die Zeit nutzen und eine Liquiditätsvorschau erstellen. Mit einer detaillierten Analyse, die der Prognose vorausgeht, ist es möglich, hohe Kosten zu identifizieren. Möglicherweise kann mit Lieferanten neu verhandelt werden, oder Maßnahmen im Unternehmen ergriffen werden, sodass Ressourcen gespart werden können. Sieht man einmal schwarz auf weiß, welche Kosten im Unternehmen anfallen, fällt es leichter, einzelne Prozesse oder Kostenpunkte zu überprüfen und Strategien zu erarbeiten und umzusetzen, wie die Kosten reduziert werden können. Auch das wirkt sich dann positiv auf den Cashflow des Unternehmens auf und macht es langfristig rentabler. Eine Analyse zeigt möglicherweise auch auf, dass aufgrund von zu langen Zahlungsfristen, die man den Kunden einräumt, der Cashflow nur stark zeitverzögert im Unternehmen eintrifft. Das Verkürzen von Fristen kann hier eine Maßnahme darstellen, dass man nicht zu lange offene Forderungen hat. Geht man nun einen Schritt weiter, und erstellt eine Liquiditätsprognose, können dabei Risiken oder Ausfälle von Forderungen berücksichtigt werden. Damit lassen sich Engpässe abschätzen und gibt den Entscheidern:innen die Möglichkeit, frühzeitig zu reagieren. Möchte ein Unternehmen einen Kredit bei einer Bank beantragen, hilft eine Liquiditätsvorschau außerdem dabei, den Beratern einen besseren Einblick in das Unternehmen zu bekommen, sodass Kredite eventuell schneller oder in größerer Höhe bewilligt werden, ohne dass das Unternehmen zusätzliche Sicherheiten aufbringen muss. Um die Liquidität des Unternehmens zu beeinflussen, können sich Verantwortliche einer Vielzahl an Instrumenten bedienen. Beispielsweise kann ein neuer Kredit aufgenommen werden, oder mit der Bank neu verhandelt werden, damit die Raten eines bereits bestehenden Kredits gesenkt werden. Außerdem lassen sich anhand der Prognose günstige Zeitpunkte ausfindig machen, wann Investitionen in Angriff genommen werden können, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Des Weiteren können nicht mehr benötigte Sachwerte verkauft oder ein konsequentes Mahnwesen zum effizienten Eintreiben von Forderungen etabliert werden.

Beispiel für eine Liquiditätstabelle herunterladen

Viele Unternehmen verwenden zum Erstellen einer Liquiditätsvorschau Excel oder eine andere Anwendung zur Tabellenkalkulation. Haben Sie sich noch nie mit der Materie auseinandergesetzt, können Sie sich unsere Liquiditätsvorschau-Vorlage für Excel kostenlos herunterladen, und sich damit vertraut machen.

Wie erstellt man einen Liquiditätsplan und wie interpretiert man ihn?

Der Aufwand zum Erstellen einer Liquiditätstabelle bemisst sich an der Menge von Geldströmen, die in Ihr Unternehmen und wieder daraus hinausfließen. Vorsicht ist dabei geboten, wenn man eine Buchhaltungssoftware verwendet, in der man sämtliche Rechnungen und den Umsatz erfasst hat. Der Umsatz wird nämlich als Ertrag gebucht, sobald die Rechnung erstellt wurde. Das heißt aber nicht, dass der Kunde die Rechnung schon bezahlt hat, da dieser meist eine Frist von mehreren Wochen zum Begleichen seiner Rechnungen hat. Diese Zahlungsziele müssen daher bei der Erstellung einer Liquiditätsanalyse unbedingt berücksichtigt werden. Ist eine Rechnung auf Ende Juli ausgestellt, wird der Kunde aber erst im August bezahlen, sollte der entsprechende Cashflow auch erst im August eingetragen werden. Zu einer korrekten Darstellung der Cashflow-Prognose ist es wichtig, dass Sie sämtliche Ein- und Auszahlungen in der Tabelle erfassen. Sehen Sie sich den Kassenbestand an, Ihr Bankguthaben auf allen Ihren Geschäftskonten, und die einzelnen Zahlungseingänge. Tragen Sie diese Einzahlungen in die Liste ein. Den Einzahlungen gegenüberstehen die Auszahlungen. Dazu gehören die Miete, Mitarbeitergehälter, Betriebskosten, Investitionen etc. Gehen Sie auch hierbei genau vor und tragen Sie sämtliche ausgehenden Geldströme für jeden Monat in die Tabelle ein. Die Differenz zwischen der Summe an Einzahlungen und Auszahlungen ergibt dann entweder einen Überschuss oder ein Defizit. Man spricht hier auch von Über- bzw. Unterdeckung. Der berechnete Betrag ist dann Ausgangspunkt für die Liquiditätsberechnung des Folgemonats ist. Haben Sie auf diese Weise die letzten Monate dargestellt, können Sie für die nächsten Monate eine Prognose erstellen, indem Sie antizipierte Geldströme abschätzen und in die Liste eintragen. Manche Geldströme kennen Sie genau (Fixkosten wie z. B. Miete und Gehälter), andere müssen Sie einschätzen. Die Vormonate geben dann einen Anhaltspunkt. Erkennen Sie einen Trend, beispielsweise weil die Nachfrage nach einem ihrer Produkte gesunken ist und somit weniger Umsatz generiert wird, können Sie diesen Trend für die Folgemonate eintragen und sich anschauen, wie Sie sich dieser Rückgang in Zukunft auf die Liquidität Ihres Unternehmens auswirken wird. Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Szenarien erstellen, sodass Sie schon frühzeitig abschätzen können, welche Maßnahmen Sie ergreifen sollten, damit das Unternehmen nicht in die roten Zahlen rutscht. Die Prognose zukünftiger Cashflows kann überlebenswichtig für ein Unternehmen sein, und je genauer diese sind, desto besser. Dass das Eintippen in Excel-Tabellen jedoch fehleranfällig ist und mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden ist, können Sie die Prognosesoftware von Agicap kostenlos ausprobieren. Diese hat den Vorteil, dass sie direkt die tagesaktuellen Kontostände sowie Ein- und Auszahlungen abruft und automatisch erfasst. Das nimmt Ihnen einen großen Teil Ihrer Arbeit ab. Eine Prognose können Sie sich in diesem Tool ebenfalls für Ihre individuellen Szenarien erstellen lassen, sodass Sie ständig ein auf aktuellen Zahlen basierendes Cash Forecasting haben.

Bilanz als weiteres Hilfsmittel zur Ermittlung der finanziellen Situation

Die Liquidität kann als Untermenge im Rahmen der Bilanz angesehen werden. Die Bilanz bildet die komplette Vermögensstruktur des Unternehmens ab und nicht nur den Cashflow. Eine Bilanz lässt sich in eine Aktiv- und eine Passivseite einteilen, die die Mittelverwendung bzw. die Mittelherkunft repräsentieren.

Die Aktivseite kann folgende Positionen umfassen:

  • Anlagevermögen (Sach- und Finanzanlagen)
  • Umlaufvermögen (Forderungen, Wertpapiere, Kassenbestand, Guthaben bei Banken, Vorräte)
  • Rechnungsabgrenzungsposten
  • Aktive latente Steuern
  • Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung

Dem gegenüber stehen die Positionen auf der Passivseite:

  • Eigenkapital (Rücklagen, Gewinn-/Verlustvortrag, Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag)
  • Rückstellungen
  • Verbindlichkeiten
  • Rechnungsabgrenzungsposten

Das Anlage- und Umlaufvermögen wird bei der Erstellung einer Bilanz nach der Liquidität der einzelnen Vermögenswerte zugeordnet. Das heißt, die Werte, die weit unten stehen, sind besser zu veräußern, als jene, die weiter oben in der Liste stehen. Mögliche Werte im Anlagevermögen sind zum Beispiel: Immobilien, Patente, Maschinen, Fahrzeuge, oder Wertpapiere Im Umlaufvermögen sind jene Werte enthalten, die kurzfristig veräußerbar sind, z.B. Betriebsstoffe oder fertiggestellte Waren, aber auch Forderungen aus Lieferungen oder Leistungen. Die Passiva stellen die Vermögensfinanzierung dar. Dazu gehört das Eigenkapital des Unternehmens, das sich aus Kapital- und Gewinnrücklagen zusammensetzt, sowie aus Überschüssen oder Fehlbeträgen aus dem Vorjahr. Rückstellungen sind nicht zum Eigen-, sondern zum Fremdkapital zu zählen, da sie durch einbehaltene Gewinne gebildet werden. Hierzu zählen z.B. Rückstellungen für Pensionen oder Steuern. Unter den Verbindlichkeiten sind sämtliche Punkte zusammengefasst, bei denen das Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Zahlung oder Leistung erfüllen muss, z.B. das Bedienen eines Kredits. Die Summe auf der Passivseite repräsentiert das gesamte Kapital des Unternehmens, und muss identisch sein mit der Summe auf der Aktivseite. Weichen die Summen voneinander, ist der Jahresfehlbetrag – also der Verlust – höher als das gesamte Eigenkapital. Dieser nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag wird auf der Aktivseite ausgewiesen. Wenn der Betrag auf der Aktivseite höher ist als auf der Passivseite, bedeutet dies, dass das Unternehmen überschuldet ist. Die Insolvenz ist in diesem Fall meist unumgänglich. Die Bilanz geht also über die Liquiditätsanalyse noch einen Schritt hinaus, da sie auch Werte abbildet, die nicht im operativen Cashflow berücksichtigt sind, nämlich die gebundenen Vermögenswerte, die in Geld überführt bzw. freigesetzt werden können.

Interpretation einer Bilanz

Die Bilanz gibt Aufschluss darüber, aus wieviel Eigen- und Fremdkapital sich das Unternehmen finanziert. Kenngröße hier ist der Anlagendeckungsgrad, der sich wie folgt berechnet:

Anlagendeckungsgrad = Eigenkapital * 100 / Anlagevermögen

Je höher der Anlagendeckungsgrad, desto besser steht das Unternehmen da, da es nicht oder kaum auf Kredite angewiesen ist. Aus der Bilanz lassen sich auch Aussagen zur Liquidität eines Unternehmens ableiten.

Unterschieden wird hier zwischen zwei Graden:

Liquidität 1. Grades = Flüssige Mittel * 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades = (Flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) * 100 / kurzfristige Verbindlichkeite

Der erste Wert sagt aus, ob ein Unternehmen die laufenden Rechnungen tatsächlich bezahlen kann, also ob die flüssigen Mittel ausreichen, um den kurzfristigen Verbindlichkeiten (Zeitraum kürzer als 1 Jahr) nachzukommen. Der Wert für ein stabiles, liquides Unternehmen sollte zwischen 10 % und 30 % liegen.

Der zweite Grad gibt an, in welchem Maß ein Unternehmen seine Rechnungen begleichen kann, auch wenn kurzfristige Forderungen (z. B. ausstehende Zahlungen von Kunden) noch nicht auf dem Konto eingetroffen sind. Liegt der Wert zwischen 100 % bis 120 % weist das auf eine gute Liquidität hin.

Auch die Umsatzrentabilität lässt sich anhand der Bilanz ermitteln:

Umsatzrendite = Gewinn / Umsatz * 100

So kann man sich die Bilanz der Vorjahre anschauen, und daraus ableiten, ob sich die Rentabilität des Unternehmens in diesem Zeitraum gesteigert hat. Ist der Umsatz gestiegen, der Verkaufspreis jedoch gleich geblieben, weist das auf eine höhere Produktivität im Unternehmen hin. Sinkt die Rentabilität, deutet das auf eine sinkende Produktivität sowie steigende Kosten hin. Die Bilanzanalyse ist daher ein wichtiges Hilfsmittel, um ein Unternehmen bewerten, und im Ernstfall strategisch neu ausrichten zu können, um einer finanziellen Notlage rechtzeitig ausweichen zu können.

Unterschied zwischen Liquiditäts- und Bilanzprognose

Da die Aufstellung der Bilanz um einiges umfangreicher ist, als das Erstellen eines Liquiditätsplans, wird sie von Unternehmen häufig nur zum Jahresabschluss gemacht. Wichtige Entscheidungen, wie zum Beispiel das Neuausrichten des Unternehmens stehen dann im Fokus der Geschäftsleitung. Eine Liquiditätsvorschau dient daher dem wichtigen Zweck, auch von Monat zu Monat den Überblick über die finanzielle Situation zu bewahren. Mit ihr können kurzfristige finanzielle Engpässe antizipiert werden. Im Gegensatz zur Bilanzprognose dient sie daher zur Feinjustierung der finanziellen Situation des Unternehmens.

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