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Lagerumschlagshäufigkeit: Warum sie Ihr Unternehmen ganz nach vorne bringt – Definition, Berechnungsformel und Bewertung

Wurden Sie auf einer Party schon mal gefragt: „Wie sieht deine Lagerumschlagshäufigkeit so aus?” Nein? Zugegebenermaßen würde diese Kennzahl nicht allzu viel über Sie aussagen, umso mehr jedoch über den Erfolg Ihres Unternehmens. Je höher sie ist, desto besser steht Ihr Unternehmen da. Daher ist es meistens das Ziel eines Unternehmens, die Lagerumschlagshäufigkeit auf einem hohen Niveau zu halten oder zu erhöhen. Erfahren Sie im Folgenden, wie Sie diese Kennzahl anhand einer einfachen Formel berechnen können.

In diesem Artikel :

Was versteht man unter Lagerumschlagshäufigkeit?

Die Kennzahl, die beschreibt, wie oft der gesamte Lagerbestand oder einzelne Produkte eines Unternehmens in einer bestimmten Zeitperiode verkauft wird, nennt man Lagerumschlagshäufigkeit. Die Zeitspanne, die dabei in den Blick genommen wird, legt Ihr Unternehmen selbst fest. In der Regel wird aber der Verlauf eines Jahres analysiert.

Beispiel: Um die Theorie in die Praxis umzusetzen: Nehmen wir an, Sie verkaufen Schlauchboote und müssen in einem Jahr siebenmal Ihr Lager mit neuer Ware bestücken, so beträgt Ihre Lagerumschlagshäufigkeit sieben.
Alternative Begriffe: Statt “Lagerumschlagshäufigkeit” können Sie auch die Begriffe Lagerumschlag, Lagerumschlagsgeschwindigkeit oder Warenumschlag verwenden. Diese Begriffe haben die gleiche Bedeutung.

Positive Effekte einer hohen Lagerumschlagshäufigkeit

  • Höhere Liquidität: Mithilfe einer höheren Liquidität können Sie nicht nur verbindliche Zahlungen besser leisten, sondern auch öfter Skonto abziehen. Hinzu kommt, dass Sie Zinsen einsparen können.
  • Geringere Lagerrisiken: Lagerrisiken bestehen im Verderb Ihrer Waren, aber auch in Witterungseinflüssen und dem Marktpreisrisiko. Auch das Diebstahlrisiko ist nicht zu unterschätzen.
  • Geringere Lagerkosten: Wenn Sie weniger Artikel in Ihrem Lager haben, sparen Sie dadurch sowohl Platz als auch Kosten für die Warenpflege ein.
  • Das Rating verbessert sich: Unternehmen werden von Ratingagenturen bezüglich ihrer Bonität und mithilfe einer Skalierung entsprechend eingestuft. Unter anderem anhand der Lagerumschlagshäufigkeit werden Unternehmen von Ratingagenturen also eingestuft, sodass diese Kennzahl eine wichtige Größe in der Finanzbranche darstellt.
  • Verringerte Kapitalbindung: Während das Kapital gebunden ist, können Sie damit keine anderen Investitionen tätigen. Es kann somit auch nicht zur Gewinnoptimierung Ihres Unternehmens beitragen und bietet Ihnen keinen Marktvorteil.
  • Der Gewinn steigt: Sie erzielen höhere Gewinne, da Sie bei höherer Lagerumschlagshäufigkeit weniger Kapitalbindung, Lagerrisiken sowie Lagerkosten und gleichzeitig eine höhere Liquidität verzeichnen.
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Mit welcher Formel wird die Lagerumschlagshäufigkeit berechnet?

Zur Berechnung wird der Umsatzerlös des Unternehmens durch das durchschnittliche Gesamtkapital dividiert. Daraus resultiert folgende Formel:

Umsatzerlös/durchschnittliches Gesamtkapital = Lagerumschlagshäufigkeit

Das Ergebnis kann zwischen einer Zahl unter null und einer Zahl über 50 liegen. Je größer die Zahl ist, desto häufiger war der Lagerbestand oder das jeweilige Produkt in der gewählten Zeitspanne ausverkauft. Handelt es sich um einen einzelnen Artikel, spricht man von Warenrotation.

Beispielrechnung: Zurück zum Schlauchboot-Beispiel: Angenommen, Ihr Unternehmen hat durch den Verkauf einen Umsatzerlös von 500.000 Euro bei einem durchschnittlichen Gesamtkapital von 100.000 Euro. Als Zeitperiode wählt Ihr Unternehmen ein Jahr und bezieht die Rechnung auf den kompletten Lagerbestand. Dann ergäbe sich daraus folgende Rechnung:
500.000 / 100.000 = 5

Ihr Unternehmen hat also in einem Jahr alle im Lager befindlichen Schlauchboote fünfmal verkauft und gegen neue Ware ausgetauscht.

Die Bewertung des errechneten Ergebnisses

Eine hohe Lagerumschlagshäufigkeit bedeutet, dass Waren häufig verkauft worden sind. Sie können damit rechnen, dass in diesem Fall auch der Umsatz Ihres Unternehmens steigt, da Sie häufig Platz für neue Ware schaffen. Ist diese Kennzahl eher gering, bleiben die Kosten für die Lagerhaltung hoch und Ihr Kapital ist gebunden, kann also nicht an anderer Stelle für Sie arbeiten.

Lagerumschlagshäufigkeit in verschiedenen Unternehmen

Die Häufigkeit des Umschlags ist vor allem für Unternehmen mit vorratsintensiven Produktionen essenziell. Handelt es sich um die Lebensmittel- oder eine Modebranche, ist mit einer hohen Lagerumschlagshäufigkeit zu rechnen, da diese Produkte in großer Zahl und recht oft gekauft werden. Falls Sie Produkte von hohem Wert verkaufen, wie etwa Schmuck oder Antiquitäten, wird diese Kennzahl in Ihrem Unternehmen geringer ausfallen.

Ausnahmen: Die Lagerumschlagshäufigkeit darf nicht bei allen Unternehmen gleich bewertet werden.
- Hersteller großer Maschinen, wie etwa Flugzeugen, müssen eine Vielzahl von Ersatzteilen vorrätig haben, die nicht mehrmals im Jahr verbaut und somit selten neu beschafft werden müssen. Trotzdem haben solche Unternehmen eine hohe Produktivität, die sich aber besser an anderen Kennzahlen ablesen lässt.
- Reifende Waren ewinnen während Ihrer Lagerzeit an Qualität. Dazu zählt unter anderem Wein. Auch hier muss die Produktivität anhand anderer Größen interpretiert werden.
- Spekulationsgründe zählen ebenfalls als Strategie, die keine Erhöhung der Lagerumschlagshäufigkeit anstrebt. Deswegen kann sie nicht als Bewertungskriterium herangezogen werden.

Was können Sie tun, um Ihre Lagerumschlagshäufigkeit zu erhöhen?

In den meisten Unternehmen bringt eine hohe Lagerumschlagshäufigkeit also zahlreiche Vorteile. Wenn Sie die Lagerumschlagshäufigkeit Ihres Unternehmens erhöhen möchten, können Sie unter anderem die folgenden Wege dafür wählen:

  • Reduzieren Sie Ihren Mindestbestand bzw. Sicherheitsbestand: Wenn Sie grundsätzlich eine geringere Anzahl an Produkten lagern, sind Ihre Waren schneller ausverkauft und Sie können das Lager neu befüllen.
  • Verkürzen Sie die Beschaffungszeiten: Ein neuer Lieferant, der kürzere Lieferzeiten gewährleistet, erlaubt es Ihnen, einen geringeren Bestand in Ihrem Lager zu haben.
  • Optimierung des Sortiments: Wenn Sie Ihr Angebot so ausrichten, dass Sie viele stark nachgefragte Produkte im Lager haben, werden Sie durch mehr Verkäufe automatisch eine erhöhte Umschlagshäufigkeit verzeichnen. Gestalten Sie Ihr Angebot möglichst attraktiv für Ihre KundInnen.

Fazit:

Nun sind Sie schon beinahe ein/e Logistik-ExpertIn! Hier noch mal das Wichtigste in Kürze:

Bis auf einige Ausnahmen ist die Lagerumschlagshäufigkeit eine wichtige Kennzahl für Unternehmen, die großen Einfluss auf den Erfolg derselben hat. Finden Sie mithilfe der vorgestellten Formel heraus, wo Ihr Unternehmen steht und nutzen Sie neue Strategien, um die Liquidität Ihres Unternehmens nicht dem Zufall zu überlassen.

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