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Außenfinanzierung: Welche Formen sollten Sie unbedingt kennen?

Lesezeit: 5 min
Mit der Außenfinanzierung wird die externe Finanzierung eines Unternehmens bezeichnet.

Die Außenfinanzierung ist ein wichtiges Finanzierungsinstrument für Unternehmen. Je nach Unternehmensart gibt es dazu verschiedene Möglichkeiten. In diesem Artikel erfahren Sie, welche das sind, und was die Außenfinanzierung an Vor- und Nachteilen mit sich bringt.

Außenfinanzierung: Definition

Mit der Außenfinanzierung wird die externe Finanzierung eines Unternehmens bezeichnet. Das heißt, dass die liquiden Mittel von außen dem Unternehmen zufließen. Das Gegenteil ist die Innenfinanzierung, bei der die liquiden Mittel bereits im Unternehmen vorhanden sind. Es gibt einige verschiedene Arten der Außenfinanzierung.

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Arten und Beispiele der Außenfinanzierung

Eigenfinanzierung

Bei der Eigenfinanzierung stellt ein externer Kapitalgeber dem Unternehmen Kapital bereit. Im Gegenzug wird er anteilmäßig am Unternehmen beteiligt. Klassisches Beispiel sind Unternehmensaktien, die von Aktionären erworben werden. Dadurch fließt dem Unternehmen Kapital zu und die Aktionäre werden Teilhaber am Unternehmen.

Bei einer GmbH kann die Eigenfinanzierung durch das Aufstocken von Stammkapital erreicht werden, indem die Gesellschafter mehr Kapital einbringen oder ein neuer Gesellschafter an Bord geholt wird. Gesellschafter erhalten dann im Gegenzug ein Mitspracherecht am Unternehmen.

Fremdfinanzierung

Im Gegensatz zur Eigenfinanzierung verschuldet sich das Unternehmen bei der Fremdfinanzierung. Dort geben Kapitalgeber Geld und verlangen im Gegenzug die Rückzahlung der Summe plus Zinsen. Das Kapital kann von einer Bank, einem Crowdlending-Unternehmen oder von privaten Kreditgebern stammen.

Die Fremdfinanzierung wird vor allem dann genutzt, wenn Investitionsbedarf besteht oder ein Liquiditätsengpass überbrückt werden muss, und eine Eigenfinanzierung nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Man unterscheidet zwischen kurzfristiger und langfristiger Fremdfinanzierung. Die kurzfristige Variante ist für kleinere Kreditsummen vorgesehen, z.B. Lieferantenkredite oder Kontokorrentkredite. Auch der Avalkredit kann dazu gezählt werden.

Die langfristige Fremdfinanzierung umfasst in der Regel höhere Kreditsummen, weil die Laufzeit lange ist. Neben dem klassischen Bankkredit zählen auch Anleihen und Schuldscheindarlehen zur langfristigen Art der Fremdfinanzierung.

Mezzanine-Finanzierung

Den Mix aus Eigen- und Fremdfinanzierung nennt man Mezzanine-Finanzierung. Bei ihr gibt es weitere verschiedene Arten, wie die Finanzierung ausgestaltet werden kann.

Beispielsweise ist die stille Beteiligung eine Art von Mezzanine-Finanzierung. Im Gegensatz zur Eigenfinanzierung, bei der der Kapitalgeber ein Mitspracherecht am Unternehmen erhält, hat er bei der stillen Beteiligung keines. Dafür steht er aber auch nicht in Nachzahlungspflicht und haftet im Fall einer Insolvenz nur mit der Höhe seiner Einlage.

Eine weitere Form der Mezzanine-Finanzierung ist per Wandel- oder Optionsanleihe. Bei ersterer erhält der Geldgeber ein festverzinsliches Wertpapier, das während seiner Laufzeit in Aktien des Unternehmens getauscht werden kann. Bei der Optionsanleihe erhält der Geldgeber ebenfalls ein festverzinsliches Wertpapier, und zudem eine Option, die ihm meist erlaubt, eine vorher vereinbarte Anzahl an Unternehmensaktien zu einem bestimmten Kurs zu kaufen.

Leasing und Factoring

Zur Außenfinanzierung kann man auch Leasing und Factoring als spezielle Arten der Finanzierung zählen. Beim Leasing werden anstatt des Kaufs von Wirtschaftsgütern diese nur für einen bestimmten Zeitraum gemietet. Das schont die Unternehmensliquidität und das Eigenkapital.

Beim Factoring werden offene Forderungen (z.B. Kundenrechnungen) an einen Factoring-Dienstleister verkauft. Dieser begleicht gegen eine Gebühr die Rechnung sofort und kümmert sich dann seinerseits um das Eintreiben der Forderung bei den Kund:innen des Unternehmens. Auch dies schont die Liquidität des Unternehmens und erhöht das Kapital.

Der Unterschied zwischen Außenfinanzierung und Innenfinanzierung

Bei der Außenfinanzierung fließen dem Unternehmen Geldmittel von außen zu. Dieser Geldfluss ist immer an Bedingungen geknüpft, da die externen Geldgeber finanzielle Interessen haben.

Bei der Außenfinanzierung entsteht also immer eine finanzielle Belastung für das Unternehmen, die die Liquidität schmälert. Je nach Art der Außenfinanzierung muss das Unternehmen Zinsen für Kredite bezahlen, Dividenden an Aktionäre oder Gewinnbeteiligungen an Gesellschafter ausschütten.

Diese finanziellen Verpflichtungen entfallen bei der Innenfinanzierung, da dort das Unternehmen die liquiden Mittel aus eigenen Mitteln bezieht. Die eigenen Mittel sind zum Beispiel das Eigenkapital in Form von Rücklagen, oder freie Mittel aus dem Umlaufvermögen (z.B. Gewinnüberschüsse).

Vor- & Nachteile der Außenfinanzierung

Vorteile

Die Außenfinanzierung steigert die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens, sofern es in der Lage ist, eventuell aufgenommene Kredite zurückzahlen zu können. Stehen hinter dem Unternehmen viele Geldgeber (z.B. Aktionäre), wächst das Vertrauen in das Unternehmen und es gelingt leichter, größere Kreditsummen aufzunehmen, wenn z.B. Investitionsbedarf besteht.

Auch bei einer GmbH hat die Erhöhung des Stammkapitals Vorteile: Dadurch steigt das Eigenkapital, was zu besseren Kreditkonditionen führt, wenn ein Darlehen aufgenommen werden muss.

Durch die Außenfinanzierung wird das Unternehmenskapital langfristig erhöht. Das gibt dem Unternehmen viele Möglichkeiten, Investitionen zu tätigen, seinen Geschäftsbereich zu erweitern oder neue Produkte zu entwickeln. Außerdem verbessert sich durch das erhöhte Kapital die Liquidität des Unternehmens, was das Risiko für Liquiditätsengpässe senkt.

Müssen Zinsen bezahlt werden (z.B. für einen Kredit), können diese steuerlich geltend gemacht werden, sodass die Zinszahlungen die Liquidität weniger belasten.

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Nachteile

Ein Unternehmen, das stark auf Außenfinanzierung setzt, ist stärker von den externen Geldgebern abhängig. Das kann den Erfolgsdruck erhöhen, weil beispielsweise Aktionäre eine ordentliche Dividende erwarten. Dadurch werden Unternehmensentscheidungen möglicherweise nicht immer im besten Sinne für das Unternehmen und dessen Mitarbeiter:innen getroffen.

Mit der Außenfinanzierung gehen nicht nur finanzielle Verpflichtungen gegenüber den Kapitalgebern einher. Bei der Eigenfinanzierung verliert das Unternehmen einen Teil seiner Anteile an unterschiedliche Interessensgruppen, die alle ein Mitspracherecht haben. Unternehmensverantwortliche können so zu Getriebenen werden und sind nicht mehr so frei in ihren Entscheidungen, wie sie es bei verstärkter Innenfinanzierung wären.

Außenfinanzierung: Bedeutung für Unternehmen

Die Außenfinanzierung spielt für jedes Unternehmen eine wichtige Rolle. Insbesondere mit der Form der Fremdfinanzierung durch einen Bankkredit kommt jedes Unternehmen während seiner Geschäftstätigkeit einmal in Kontakt, auch wenn es nur das Überziehen eines Geschäftskontos ist.

Wichtig bei der Finanzierungsplanung ist, dass sich Innen- und Außenfinanzierung die Waage halten. Zu viel Fremdbestimmung und finanzielle Verpflichtungen gegenüber Kapitalgebern kann das Unternehmen in seiner Geschäftstätigkeit hemmen oder Verantwortliche in ihrer Rolle unglücklich werden lassen.

Es ist deshalb ratsam, nicht vollständig auf Außenfinanzierung zu setzen, sondern auch eigene Mittel für die Innenfinanzierung aufzubauen. So verlieren Unternehmen nicht ihre Selbstbestimmung und können Entscheidungen unabhängiger von externen Einflussnehmern treffen. Zudem bauen sie sich so ein Polster auf, von dem sie in wirtschaftlich schwächeren Zeiten zehren können und nicht gleich auf eine Form der Außenfinanzierung angewiesen sind.

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